Im Kampf gegen den Klimawandel ist die Reduktion von CO₂-Emissionen allein nicht ausreichend. Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, ist eine umfassende Strategie erforderlich, die auch die großflächige Entnahme von Kohlendioxid aus der Atmosphäre beinhaltet. Diese Vorgehensweise, bekannt als Carbon Dioxide Removal (CDR), kann sowohl auf terrestrischen als auch auf marinen Methoden basieren. Eine aktuelle Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) hat nun gezeigt, dass eine Kombination aus Aufforstung und ozeanischer CO₂-Entnahme nicht nur möglich ist, sondern auch keine Effizienzverluste mit sich bringt. Dies könnte dazu beitragen, den Druck auf landwirtschaftliche Flächen zu verringern und potenzielle Konflikte hinsichtlich der Landnutzung zu entschärfen.
Die Forscher Yiannis Moustakis, Tobias Nützel und Julia Pongratz von der LMU haben sich mit den spezifischen Methoden der CO₂-Entnahme beschäftigt. An Land erfolgt die Entnahme hauptsächlich durch Aufforstung und die Wiederherstellung von Wäldern. Diese Praktiken sind entscheidend, da Bäume CO₂ aus der Atmosphäre aufnehmen und speichern. Im Gegensatz dazu werden im Ozean chemische Verfahren wie das sogenannte „Ocean Alkalinity Enhancement“ (OAE) diskutiert. Bei diesem Ansatz werden dem Meer Karbonate oder Silikate hinzugefügt, um die Fähigkeit des Wassers zu erhöhen, CO₂ zu binden.
Ein zentrales Anliegen der Forschung war es herauszufinden, ob die gleichzeitige Anwendung dieser beiden Methoden die Effizienz der CO₂-Entnahme beeinträchtigen könnte. Da CO₂ Teil eines globalen Kohlenstoffkreislaufs ist, könnte es theoretisch so sein, dass eine CO₂-Entnahme an einem Ort die Aufnahme an einem anderen Ort verringert. Um diese Hypothese zu überprüfen, simulierten die Wissenschaftler verschiedene Szenarien mithilfe von zwei Erdsystemmodellen. Dabei wurden sowohl die Auswirkungen der Aufforstung und Wiederaufforstung als auch der ozeanischen Alkalinitätssteigerung einzeln und in Kombination untersucht. Insgesamt führten die Forscher 42 Modellläufe unter Bedingungen mit hohen Emissionen durch.
Die Ergebnisse dieser Simulationen waren vielversprechend: Die Kombination beider Methoden führte zu einem linearen Anstieg der globalen CO₂-Flüsse, ohne dass Effizienzverluste auftraten. „Diese Ergebnisse sind sehr ermutigend“, betont Moustakis. „Sie zeigen, dass es möglich ist, ein vielfältiges Portfolio an CDR-Methoden zu entwickeln, ohne die Wirksamkeit zu beeinträchtigen. Das könnte den Druck auf landwirtschaftliche Flächen verringern, was sowohl soziale als auch ökologische Vorteile mit sich bringt.“
Trotz dieser positiven Ergebnisse betonen die Forscher, dass weiterhin umfangreiche Forschung zu marinen CDR-Methoden und ihren ökologischen Auswirkungen notwendig ist. Es ist wichtig, alle potenziellen Folgen dieser Technologien zu verstehen, bevor sie in größerem Maßstab umgesetzt werden. Zudem ist klar, dass CDR nicht als Ersatz für die dringend benötigte Reduktion der CO₂-Emissionen dienen kann, sondern vielmehr als ergänzender Ansatz betrachtet werden sollte.
Zusammenfassend zeigt die Studie der LMU, dass eine synergistische Herangehensweise an die CO₂-Entnahme, die sowohl terrestrische als auch marine Methoden kombiniert, eine vielversprechende Strategie im Kampf gegen den Klimawandel darstellen könnte. Die Erkenntnisse tragen dazu bei, innovative und flexible Lösungen zu entwickeln, die sowohl den Herausforderungen des Klimawandels gerecht werden als auch die Landnutzungskonflikte minimieren. In Anbetracht der Dringlichkeit der Klimakrise ist es von entscheidender Bedeutung, dass Wissenschaft und Politik gemeinsam an der Umsetzung dieser Erkenntnisse arbeiten, um effektive Maßnahmen zur Reduktion der globalen CO₂-Emissionen zu fördern.
