Alarmierende Entwicklung bei deutschen Tagfaltern: Neue Rote Liste zeigt besorgniserregenden Trend**

Alarmierende Entwicklung bei deutschen Tagfaltern: Neue Rote Liste zeigt besorgniserregenden Trend**

Eine kürzlich veröffentlichte Rote Liste des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) offenbart alarmierende Neuigkeiten über den Zustand der Tagfalter und Widderchen in Deutschland. Von den insgesamt 207 in Deutschland vorkommenden Arten sind jetzt 103, was fast der Hälfte entspricht, als gefährdet oder bereits ausgestorben eingestuft worden. Diese erschreckenden Zahlen wurden in Zusammenarbeit mit dem Rote-Liste-Zentrum (RLZ) ermittelt und unterstreichen die dramatische Lage, in der sich viele Schmetterlingsarten befinden.

Besonders besorgniserregend ist die Situation des Mosel-Apollofalters, der ausschließlich in Deutschland vorkommt. Diese Unterart des Apollofalters wird nun erstmals als „vom Aussterben bedroht“ klassifiziert. Zusätzlich kann der Loreley-Dickkopffalter nicht mehr in Deutschland gefunden werden und ist offiziell als ausgestorben eingestuft. Die letzte Sichtung dieser Art fand 1985 am Mittelrhein statt, und alle späteren Nachforschungen an bekannten Standorten waren erfolglos.

Insgesamt listet die aktuelle Rote Liste 10 Arten, die bereits als ausgestorben gelten, während 93 Arten als bestandsgefährdet eingestuft wurden. Innerhalb dieser Gruppe sind 13 Arten unmittelbar vom Aussterben bedroht, 51 gelten als stark gefährdet und 27 als gefährdet. Für zwei Arten konnte die Gefährdungslage nicht eindeutig bewertet werden. Im Gegensatz dazu sind nur 71 Arten, also etwa ein Drittel, als ungefährdet eingestuft. Im Vergleich zur vorherigen Erhebung im Jahr 2011 hat sich der Gefährdungsgrad bei 49 Arten verschlechtert, während sich 29 Arten in ihrem Status verbessert haben. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die negativen Entwicklungen in der Artenvielfalt die positiven bei weitem übersteigen.

Trotz dieser besorgniserregenden Trends gibt es auch einige positive Nachrichten. Bestände von zuvor gefährdeten Arten wie dem Weißen Waldportier haben sich erholt, und einige wärmeliebende Arten wie der Brombeer-Perlmuttfalter und der Karst-Weißling zeigen eine deutliche Ausbreitung. Allerdings sind diese Erfolge oft auf verbesserte Daten und Beobachtungsmöglichkeiten zurückzuführen, und nicht unbedingt auf eine generelle Verbesserung der Lebensbedingungen.

Sabine Riewenherm, Präsidentin des BfN, warnt: „Die neue Rote Liste zeigt, dass sich die Gesamtsituation der Tagfalter und Widderchen weiter verschärft hat. 55 Prozent der Arten und Unterarten sind entweder bereits ausgestorben, gefährdet oder extrem selten.“ Sie betont jedoch, dass es Möglichkeiten gibt, den Rückgang vieler Arten zu stoppen, indem landwirtschaftliche Flächen nachhaltig bewirtschaftet, Schutzgebiete besser vernetzt und artenreiche Lebensräume gefördert werden.

Die Rote Liste weist auch auf die besondere Verantwortung Deutschlands für den Erhalt bestimmter Tagfalter- und Widderchen-Taxa hin, die entweder fast ausschließlich hier vorkommen oder deren Bestände isoliert von anderen Populationen sind. Viele dieser Arten haben nur sehr kleine Verbreitungsgebiete, was ihren Schutz umso dringlicher macht.

Um dem weiteren Rückgang der Tagfalter und Widderchen in Deutschland entgegenzuwirken, sind gezielte Maßnahmen erforderlich. Dr. Martin Musche, Autor der Roten Liste und Forscher am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, hebt hervor, dass viele gefährdete Arten Lebensräume des Offenlandes bewohnen und dass eine schmetterlingsfreundliche Bewirtschaftung von nährstoffarmen Grünlandflächen von großer Bedeutung ist. Dazu gehört, die Mahdhäufigkeit in bestimmten Gebieten zu reduzieren und auf zusätzliche Düngung zu verzichten. Auch in Wäldern können durch die Schaffung offener Strukturen und die Erhaltung von Säumen positive Effekte erzielt werden. Zudem ist es wichtig, den Stickstoffeintrag und den Einsatz von Pestiziden in den Lebensräumen der Schmetterlinge zu reduzieren.

Die bundesweiten Roten Listen, die vom BfN erstellt und vom Rote-Liste-Zentrum koordiniert werden, dienen als wichtige Grundlage für den Schutz der Biodiversität in Deutschland. Sie dokumentieren den Zustand von Arten und die Auswirkungen menschlichen Handelns auf die Natur und fungieren somit als Frühwarnsystem für die biologische Vielfalt. Die Erfassung und Bewertung der Gefährdungssituation wird von zahlreichen ehrenamtlichen Experten unterstützt, die eine erhebliche Menge an Daten zusammentragen.

Insgesamt zeigt die neue Rote Liste, dass dringende Maßnahmen erforderlich sind, um die gefährdeten Tagfalter und