Wie Psyche und Herz zusammenwirken: Studie zeigt die Bedeutung des emotionalen Bewusstseins
Ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Prof. Dr. Markus Quirin von der PFH Private Hochschule Göttingen hat eine bahnbrechende Studie veröffentlicht, die den Zusammenhang zwischen emotionalem Bewusstsein, Herzratenvariabilität und psychischer Gesundheit untersucht. Frühere Forschungen deuteten bereits darauf hin, dass Menschen, die ihre eigenen Gefühle besser wahrnehmen können, weniger anfällig für psychische Probleme und Stress sind. Die Ergebnisse dieser Studie sind im Fachjournal „Acta Psychologica“ veröffentlicht.
Untersuchung des Zusammenspiels von Emotionen und Herzaktivität
„Wir wollten herausfinden, wie sich das Bewusstsein für eigene Emotionen auf die Herzaktivität auswirkt und welche Verbindungen es zwischen einer verminderten Herzratenvariabilität und schlechterer psychischer Gesundheit gibt“, erklärt Farhood Malekzad, Doktorand an der TU München und Mitautor der Studie. Dazu hat das Team Veränderungen der Herzaktivität bei den Teilnehmenden nach einem angstauslösenden Reiz untersucht.
Ablauf der Studie
Zunächst wurde das emotionale Bewusstsein der Teilnehmenden mit Fragebögen erfasst. Während der Studie sahen die Teilnehmenden eine Schlüsselszene aus dem Thriller „Das Schweigen der Lämmer“, und ihre Herzratenvariabilität wurde vor und während der Filmszene gemessen. Die Ergebnisse zeigten, dass Menschen mit höherem emotionalen Bewusstsein eine größere Herzratenvariabilität während der Thriller-Szene aufwiesen. Gleichzeitig konnte ein Zusammenhang zwischen niedriger Herzratenvariabilität, Ängstlichkeit und psychosomatischen Beschwerden festgestellt werden, der durch das emotionale Bewusstsein erklärt werden kann.
Wichtige Erkenntnisse
„Unsere Untersuchungen zeigen, dass das Bewusstsein für eigene Emotionen ein wichtiger Schutzfaktor gegen psychische Belastungen ist“, so Prof. Quirin. Personen, die ihre Gefühle besser verstehen und regulieren können, sind weniger anfällig für Angststörungen, Depressionen und psychosomatische Erkrankungen. Außerdem ist ihre Herzaktivität in stressigen Situationen stabiler.
Klinische Bedeutung
Farhood Malekzad, ehemaliger Stipendiat der PFH und Mitautor der Studie, betont den klinischen Wert der Ergebnisse: „Diese Erkenntnisse könnten einen Wendepunkt in der Behandlung von Angststörungen und Depressionen darstellen. Es gibt Hinweise darauf, dass Maßnahmen zur Förderung der Emotionswahrnehmung die psychische Gesundheit verbessern können.“
Die Studie wurde im Fachjournal „Acta Psychologica“ veröffentlicht. Weitere Untersuchungen sind geplant, um die Zusammenhänge von emotionalem Bewusstsein, psychischer Gesundheit und Herzratenvariabilität weiter zu erforschen.
Referenz:
Markus Quirin, Farhood Malekzad, Marius Jais, Hugo Kehr, Michael Ennis: Heart rate variability and psychological health: The key role of trait emotional awareness. In: Acta Psychologica, Volume 246, Juni 2024. Online seit 26. April 2024:
Link zur Studie