Setzt die Regierung auf Deindustrialisierung?

 

 

Ist die Deindustrialisierung in Deutschland eine Absicht der Regierung? Wie kann es zur Deindustrialisierung kommen und welche Folgen hat sie? Die neueste Energiepolitik der Ampel-Koalition sieht vor, den Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 auf 80% zu steigern. Kritiker sehen hierin die Gefahr einer massiven Inflation und einer Deindustrialisierung Deutschlands.

Wie kann es zur Deindustrialisierung kommen?

Deindustrialisierung ist die Abnahme der Produktivität oder der Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft in einem oder mehreren Schlüsselindustrien. Dies kann durch technologischen Fortschritt, fehlende Arbeitskräfte, hohe Energie- oder Rohstoffkosten, überhöhte Umweltauflagen oder andere Faktoren verursacht werden. In einigen Fällen kann Deindustrialisierung auch durch politische Entscheidungen angestoßen werden, beispielsweise die Entscheidung bereits auf fossile Energieträger zu verzichten, bevor überhaupt Ersatz dafür zur Verfügung steht. In den letzten Jahren ist die Deindustrialisierung in vielen Industriestaaten zu beobachten. In Deutschland hat sich die Industrieproduktion seit 1991 mehr als halbiert. Auch in anderen Ländern, wie den USA, Großbritannien, Japan und Italien, ist ein ähnlicher Trend zu beobachten. Experten fürchten, dass die Deindustrialisierung zu massiver Arbeitslosigkeit, sozialem Aufruhr und sogar Kriegen führen könnte. Bisher haben sich die Regierungen von Industriestaaten jedoch weitgehend auf Importe gestützt, um ihre Volkswirtschaften am Laufen zu halten. Dies kann jedoch nicht von Dauer sein und es ist unklar, was die Regierungen tun werden, wenn die Deindustrialisierung weiter fortschreitet. Einige deutsche Politiker setzen offenbar jedoch auf eine neue Strategie: die Deindustrialisierung bewusst in Kauf zu nehmen.

Die Argumentation dieser Politiker lautet wie folgt: Industrieländer können ihre Wettbewerbsfähigkeit nur dann behalten, wenn sie sich auf die Produktion hochwertiger Güter und Dienstleistungen konzentrieren und billige Massenprodukte importieren. Zudem sollten Industrieländer ihre Ressourcen in erneuerbare Energien investieren und so ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduzieren. Ob diese Strategie aufgeht, bleibt zu bezweifeln. Bisher ist es noch kein Land gelungen, seine Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft zu erhalten, indem es seine Industrie abgewickelt hat.

Warnung vor massiver Schwächung Deutschlands

Die Vertreter der deutschen Wirtschaft warnen angesichts der aktuellen Krisensituation vor einer massiven Schwächung des Standorts Deutschland. Politiker von Koalition und Opposition reagieren alarmiert und fordern umfassende Maßnahmen zum Schutz der Wirtschaft an. „Die hohen Energiepreise und die schwächelnde Konjunktur treffen die deutsche Volkswirtschaft mit voller Wucht und belasten unsere Unternehmen im Vergleich zu anderen internationalen Standorten sehr. Das deutsche Geschäftsmodell steht enorm unter Stress“, sagte Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Derzeit denke „jedes vierte deutsche Unternehmen über eine Produktionsverlagerung ins Ausland nach“

„Die aktuellen Preisverwerfungen treffen die energieintensive und exportorientierte Chemieindustrie in Deutschland besonders hart“, sagte Wolfgang Gross Entrup, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie (VCI). „Unsere Sorge ist groß, dass der Doppel-Wumms nicht in unseren Unternehmen ankommt.“

„Ohne funktionierende Preisbremse nimmt die Regierung die Deindustrialisierung mutwillig in Kauf.“

Wenn die Chemie am Boden liege, würden auch andere Branchen in die Knie gehen, warnte Große Entrup. „Das kann der K. o. für den Standort Deutschland sein“, sagte er. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger fordert „mehr Dynamik und Tempo, mehr unternehmerische Freiheit und Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt. Deutschland muss entfesselt und nicht durch die Politik gefesselt werden“, so Dulger. „Sonst bewegt sich Deutschland ungebremst auf einen gefährlichen Wendepunkt zu.““

“Wir müssen darauf achten, dass wir den Unternehmen, von denen wir Investitionen erwarten, nicht gleichzeitig die Liquidität entziehen”. Das tun wir aber gerade. „Ein Beispiel: Selbst wenn wir im März so weit sein sollten, dass die Preisbremsen wirken, bedeutet das für die Unternehmen, dass sie im Januar und Februar Liquiditätsengpässe von nicht zu unterschätzender Größenordnung hinnehmen müssen. Wenn sich gleichzeitig durch das Lieferkettengesetz und andere Regeln der bürokratische Aufwand erhöht und die Inflation hoch bleibt, dann ist das ein höchst bedrohliches Szenario, welches unsere Unternehmen und den Mittelstand in eine schwere Krise stürzen könnte”, so der stellvertretende FDP-Chef Wolfgang Kubicki.

Die Ampel-Regierung setzt offenbar auf eine Deindustrialisierung des Landes. Dies ist ein gefährlicher Schritt, da es zu massiven Jobverlusten und einer Abwertung des Standorts Deutschland kommen kann. Wenn die Chemie am Boden liegt, werden auch andere Branchen in die Knie gehen. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger fordert daher mehr Dynamik und Tempo bei der Reform des Arbeitsmarktes. Deutschland muss entfesselt und nicht durch die Politik gefesselt werden.