Sedimentanalysen im Ahrtal: Ein Hinweis auf häufige Hochwasserereignisse**

Sedimentanalysen im Ahrtal: Ein Hinweis auf häufige Hochwasserereignisse**

Eine aktuelle Studie, die in der Fachzeitschrift „Earth Surface Processes and Landforms“ veröffentlicht wurde, liefert aufschlussreiche Erkenntnisse über die Hochwasserereignisse im Ahrtal. Unter der Leitung der Universität Leipzig haben Forscher herausgefunden, dass extreme Hochwasser nicht selten, sondern im Gegenteil eine regelrechte Konstante in der Region sind, und das über Zeiträume von mehreren Jahrhunderten bis hin zu Jahrtausenden. Diese Untersuchung bezieht sich auf die Sedimente des Ahrflusses, die sowohl das katastrophale Hochwasserereignis von 2021 als auch mindestens drei weitere bedeutende Überschwemmungen in den letzten 1.500 Jahren dokumentieren.

Hochwasserereignisse zählen zu den gravierendsten Umweltgefahren in Mitteleuropa. In Deutschland sind sie für über die Hälfte der wirtschaftlichen Schäden verantwortlich, die durch Umweltkatastrophen verursacht werden. Das Hochwasser in der Ahr im Juli 2021 übertraf alle Prognosen, die zuvor in Gefahrenanalysen erstellt wurden. Ursache für diese drastische Unterschätzung war die ausschließliche Berücksichtigung von Daten aus instrumentellen Abflussmessungen, die erst seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vorliegen. Historische Hochwasserereignisse, die vor dieser Zeit stattfanden, wurden nicht in die Betrachtung einbezogen.

Die Forscher aus den Bereichen Geographie und Geophysik belegen nun, dass sedimentologische Daten aus den Auenablagerungen der Ahr erhebliches Potenzial für die Rekonstruktion von extremen Hochwasserereignissen bieten. Prof. Dr. Christoph Zielhofer, der die Studie leitet, erklärt: „Die Ergebnisse unserer Untersuchung zeigen, dass hochenergetische Hochwasserereignisse im Ahrtal über Jahrhunderte bis Jahrtausende hinweg eine Regel darstellen. Neben der Flut von 2021 konnten wir auch die historischen Extremhochwasser von 1804 und 1910 sowie ein bis dato unbekanntes Hochwasserereignis, das auf das Ende des 5. Jahrhunderts datiert wird, nachweisen.“

Dr. Ulrike Werban, Geophysikerin am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig, ergänzt, dass die sedimentologischen Daten in Verbindung mit geophysikalischen Beobachtungen zeigen, dass die Auenlandschaft der Ahr stark von Ablagerungen geprägt ist, die durch hochenergetische Hochwasser entstanden sind. In den Sedimenten sind jedoch keine Hinweise auf Hochwasserereignisse mittlerer oder geringerer Stärke zu finden, was die Bedeutung der extremen Ereignisse unterstreicht.

Die Studie identifiziert mindestens drei weitere Hochwasserereignisse in den letzten 1.500 Jahren, die eine vergleichbare Intensität wie das Hochwasser von 2021 aufwiesen. Dies eröffnet neue Perspektiven auf die Häufigkeit und das Auftreten solcher extremen Ereignisse in der Region. Dr. Martin Bauch, ein Umwelthistoriker am Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europas, hat die sedimentologischen Daten mit historischen Aufzeichnungen verglichen. Er stellt fest, dass es keinen klaren Zusammenhang zwischen den Extremhochwassern im Ahrtal und der hydroklimatischen Geschichte Mitteleuropas gibt. Besonders bemerkenswert ist, dass die historisch dokumentierten Extremhochwasser vor allem in den Sommermonaten stattfanden, einem Zeitraum, der durch eine hohe Luftfeuchtigkeit und damit verbundene Regenwahrscheinlichkeit gekennzeichnet ist.

Diese Erkenntnisse sind Teil des DFG-Schwerpunktprogramms 2361 „Auf dem Weg zur Fluvialen Anthroposphäre“, das interdisziplinäre Forschungsansätze fördert. Die Zusammenarbeit zwischen Geographie, Geophysik, Geschichte und Archäologie hat entscheidend zur Validierung der Ergebnisse beigetragen. Zudem ist die lokale Unterstützung durch die Gemeinde Mayschoß von großer Bedeutung für die Durchführung dieser Studien.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Forschungsergebnisse nicht nur die Geschichte der Hochwasserereignisse im Ahrtal beleuchten, sondern auch wichtige Hinweise für zukünftige Gefahrenanalysen und Maßnahmen zur Hochwasservorsorge liefern. Die Studie zeigt eindrücklich, dass die Region über Jahrhunderte hinweg wiederholt von extremen Hochwasserereignissen betroffen war, was die Dringlichkeit einer sorgfältigen Planung und Prävention unterstreicht.