Täglicher Müllfluss im Rhein: Über 53.000 Teile erreichen Köln**

Täglicher Müllfluss im Rhein: Über 53.000 Teile erreichen Köln**

Der Rhein, einer der bedeutendsten Flüsse Europas, hat in den letzten Jahren ein alarmierendes Problem mit Müll entwickelt. Eine umfassende Untersuchung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitäten Bonn und Tübingen sowie der Bundesanstalt für Gewässerkunde hat ergeben, dass täglich etwa 53.000 Stücke Makromüll den Rhein in Köln durchqueren. Diese Erhebung wurde in Zusammenarbeit mit dem Kölner Verein K.R.A.K.E. e.V. in einer innovativen schwimmenden Müllfalle durchgeführt, die über 16 Monate hinweg Daten sammelte und analysierte. Die Ergebnisse dieser Studie wurden kürzlich im Fachjournal „Communications Sustainability“ veröffentlicht.

Die Menge an Plastikmüll, die in unseren Gewässern landet, wird oft unterschätzt. Schätzungen zufolge befinden sich Millionen Tonnen von Abfällen in den Meeren, und jährlich kommt eine besorgniserregende Menge hinzu. Ein erheblicher Teil davon gelangt über Flüsse in die Ozeane. Laut Dr. Leandra Hamann, einer der Hauptverantwortlichen der Studie, gab es zuvor nur sporadische visuelle Erhebungen zur Müllmenge im Rhein. „Bisherige Zählungen erfassten oft nur die sichtbaren Teile, während weniger auffällige oder im Wasser schwimmende Fragmente übersehen wurden. Unsere Methode ermöglicht eine kontinuierliche und umfassende Analyse“, erklärt Hamann.

Im Rahmen des Projekts sammelten die Forscherinnen und Freiwilligen von K.R.A.K.E. e.V. in einem Zeitraum von September 2022 bis Januar 2024 insgesamt 20.339 Müllteile aus dem Rhein. Diese Teile wurden nach internationalen Standards in 183 verschiedene Müllarten klassifiziert. Die Schwimmende Müllfalle, bekannt als „RheinKrake“, wurde speziell entwickelt, um Makromüll mit einem Durchmesser von über einem Zentimeter aufzufangen. Die gesammelten Daten zeigen, dass die geschätzte Menge an Müll, die täglich durch Köln fließt, im linearen Szenario etwa 53.000 Teile beträgt, was zu einem jährlichen Gesamtgewicht von etwa 2.169 Tonnen führt.

Die Hochrechnung zeigt, dass die tatsächliche Menge an Müll im Rhein in Köln um das 22- bis 286-fache höher ist als frühere Schätzungen. Besonders besorgniserregend ist, dass 70 Prozent der gesammelten Müllteile aus Kunststoff bestehen, der jedoch nur 15 Prozent des Gesamtgewichts ausmacht. Dies deutet darauf hin, dass auch andere Materialien wie Textilien, Glas und Keramik erheblich zur Verschmutzung der Gewässer beitragen.

Die Hauptquelle des Makromülls sind laut den Auswertungen vor allem Gegenstände, die von privaten Verbrauchern genutzt werden. Dazu gehören unter anderem Holzstäbe von Feuerwerkskörpern, Glasflaschen und Kunststoffdeckel. Auch fragmentierte Teile aus geschäumtem und ungeschäumtem Kunststoff wurden häufig gefunden, deren ursprüngliche Form oft nicht mehr erkennbar ist.

Aus den gesammelten Daten leiten die Wissenschaftlerinnen Handlungsempfehlungen ab. Besonders auffällig ist, dass Einwegprodukte etwa 40 Prozent des gesammelten Mülls ausmachen, wobei der Kunststoffanteil mehr als die Hälfte davon beträgt. Im Gegensatz dazu hatten Mehrwegprodukte einen Anteil von weniger als 8 Prozent, was auf die Notwendigkeit hinweist, das Pfandsystem auf Flaschen und Verpackungen auszuweiten, um die Müllmenge in Flüssen nachhaltig zu reduzieren.

Zusätzlich zeigt die Studie, dass die Müllmenge im Jahresverlauf stark schwankt, mit Werten von weniger als 70 bis über 2.700 Teilen pro Sammlung. Nach Silvester beispielsweise schwimmen häufig die Überreste von Feuerwerkskörpern im Rhein. Das Team stellte zudem fest, dass steigende Wasserpegel den am Ufer zurückgelassenen Müll in den Fluss spülen können. Daher empfehlen die Forscher gezielte Reinigungsaktionen und eine frühzeitige Leerung von Mülleimern, um die Menge an Müll im Rhein zu verringern.

Insgesamt verdeutlicht das RheinKrake-Projekt die dringende Notwendigkeit, Maßnahmen zur Verringerung der Abfallmenge an unseren Gewässern zu ergreifen. Die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und bürgerschaftlichem Engagement könnte ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sein, um den Müll im Rhein zu reduzieren und die ökologische Gesundheit des Flusses zu bewahren.