In Zeiten der Energiekrise stellt sich die Frage, wie private Haushalte ihren Gasverbrauch reduzieren können. Eine kürzlich durchgeführte Studie des ZEW Mannheim, der Universität Paderborn und der Vrije Universiteit Amsterdam hat untersucht, ob sogenannte „Nudges“, also kleine verhaltensökonomische Impulse, in der Lage sind, das Einsparverhalten von Haushalten zu beeinflussen. Im Rahmen eines Feldexperiments mit etwa 2.600 Haushalten während der Energiekrise 2022/23 wurden verschiedene Ansätze getestet, um herauszufinden, welche Maßnahmen tatsächlich zu einer Reduzierung des Gasverbrauchs führen können.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass soziale Vergleiche und Erinnerungen an geplante Sparmaßnahmen zwar prinzipiell dazu beitragen können, das Einsparverhalten der Haushalte in Zeiten hoher Energiepreise zu unterstützen. Dennoch gibt es klare Einschränkungen in der Wirksamkeit dieser Maßnahmen. So ergab sich, dass in Phasen extremer Preisanstiege die Haushalte ohnehin zu einem signifikanten Sparverhalten neigen. Die Forscher betonen, dass zusätzliche Nudges nur dann effektiv sind, wenn sie gezielt auf die Bedürfnisse und Gegebenheiten der Haushalte abgestimmt sind. Prof. Dr. Martin Kesternich, der die Studie betreut hat, weist darauf hin, dass es ein Missverständnis ist, Nudges als universell anwendbare Lösungen zu betrachten.
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung war der sogenannte „Bumerang-Effekt“ bei sozialen Vergleichsinformationen. Haushalte, die erfuhren, dass sie im Vergleich zu anderen überdurchschnittlich viel Gas einsparen, zeigten in der Folge eine Abnahme ihres Einsatzes. Diese Rückmeldung führte dazu, dass einige Haushalte ihre Sparanstrengungen reduzierten, da sie glaubten, bereits ausreichend zu sparen. Im Gegensatz dazu motivierte die Information, dass sie weniger als andere einsparen, nicht zu einer signifikanten Steigerung der Einsparungen. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass soziale Vergleichsinformationen in einem Krisenszenario potenziell kontraproduktiv sein können und somit das Einsparverhalten eher negativ beeinflussen.
Zusätzlich zu den sozialen Vergleichen wurden auch Erinnerungsschreiben an Haushalte versendet, um sie an ihre geplanten Energiesparmaßnahmen zu erinnern. Hierbei zeigte sich jedoch, dass diese Maßnahmen nur geringfügige Effekte hatten. Während einige alternative Berechnungen Einsparungen von etwa einem Prozentpunkt anzeigten, waren diese Ergebnisse statistisch nicht ausreichend robust. Begleitende Umfragen ergaben zudem, dass viele Haushalte ihre Möglichkeiten zur Einsparung überschätzten oder geplante Investitionen, wie beispielsweise in Dämmung oder wassersparende Technologien, nicht umsetzten. Diese Diskrepanz zwischen Intention und Handlung, bekannt als der „Intention-Action-Gap“, blieb bestehen.
Die Studie wurde im Rahmen eines Feldexperiments durchgeführt, das in Zusammenarbeit mit einem bedeutenden deutschen Energieversorger stattfand. Zwischen Oktober 2022 und März 2023 nahmen die Haushalte an einem sogenannten Gasbonusprogramm teil. Für die Reduzierung ihres witterungsbereinigten Gasverbrauchs im Vergleich zu den Vorjahren konnten die Teilnehmer finanzielle Prämien von bis zu 165 Euro pro Haushalt erhalten. Diese Prämien setzten sich aus individuellen Boni und einem Gemeinschaftsbonus zusammen, der ausgelöst wurde, wenn alle Teilnehmer gemeinsam bestimmte Einsparziele erreichten. Im Rahmen des Programms wurden zwei verhaltensökonomische Instrumente getestet: die sozialen Vergleiche der eigenen Einsparungen im Verhältnis zur Gruppe und die Erinnerungsschreiben. Die Ergebnisse wurden sowohl durch Verbrauchsdaten als auch durch begleitende Befragungen ausgewertet.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Untersuchung wertvolle Erkenntnisse über die Wirksamkeit von Nudges in Krisensituationen liefert. Während verhaltenspolitische Instrumente nicht grundsätzlich wirkungslos sind, zeigen die Ergebnisse, dass sie in Hochpreisphasen ihre Grenzen erreichen. Der gezielte Einsatz solcher Maßnahmen ist entscheidend, um die gewünschten Einsparungen zu erzielen.
