Im Bestreben, den Klimaschutz im Verkehrssektor voranzutreiben, wird in Mannheim ein neues Kapitel aufgeschlagen. Hierbei handelt es sich um eine Pilotanlage, die es ermöglicht, Tankwagen mit innovativen Kraftstoffmischungen zu betanken. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Kraftstoffen wie E5 oder E10, die Bioethanol enthalten, wird in dieser Anlage eine Kombination aus erneuerbaren Strom-basierten und biogenen Kraftstoffen, auch bekannt als reFuels, erzeugt. Diese Initiative wird vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) wissenschaftlich begleitet und markiert einen bedeutenden Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Mobilität.
Die neu eingerichtete Inline-Blend-Anlage in Mannheim ermöglicht eine flexible Mischung von fossilen und erneuerbaren Kraftstoffen, die den spezifischen Anforderungen des Marktes gerecht wird. Professor Thomas Hirth, Vizepräsident für Transfer und internationale Angelegenheiten am KIT, betont die Wichtigkeit dieser Entwicklung: „Dank dieser Technologie können wir die Klimawirkung der Kraftstoffe transparent dokumentieren und sofort auf die Bedürfnisse des Marktes reagieren.“ Diese Flexibilität ist entscheidend für die Integration von reFuels in den bestehenden Kraftstoffmarkt.
Verkehrsstaatssekretärin Elke Zimmer hob bei ihrem Besuch der Anlage hervor, dass insbesondere in Sektoren wie der Schifffahrt, dem Flugverkehr und dem Schwerlasttransport, wo Elektromobilität nur eingeschränkt einsetzbar ist, die Einführung von reFuels von großer Bedeutung ist. Die regional produzierten Kraftstoffe sollen nicht nur die ökologische Bilanz verbessern, sondern auch zur Versorgungssicherheit im Kraftstoffbereich beitragen. „Wir wollen den Einsatz klimafreundlicherer Benzinsorten an den Seehäfen am Bodensee und für die Landespolizei ermöglichen“, erklärte Zimmer. „Dank der digitalen Ausstattung der Anlage können die CO₂-Einsparungen sogar auf dem Tankbeleg sichtbar gemacht werden.“
Ein zentrales Merkmal der Pilotanlage ist die präzise Messtechnik, die es ermöglicht, die genauen Mischungsverhältnisse von fossilen und erneuerbaren Kraftstoffen zu bestimmen. Sensoren überwachen den Mischprozess, während eine Software die eingesparten Treibhausgasemissionen im Vergleich zu herkömmlichen, rein fossilen Kraftstoffen erfasst. Diese automatisierte Bilanzierung bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Klimabilanz zu verbessern und gesetzliche Anforderungen zu erfüllen. Diese Transparenz könnte auch den Anreiz für Unternehmen erhöhen, auf umweltfreundlichere Kraftstoffe umzusteigen.
Ein weiterer Vorteil von reFuels ist die vergleichbare Energiedichte zu fossilen Brennstoffen. Sie werden aus Reststoffen der Landwirtschaft, aus Industrie- und Haushaltsabfällen sowie aus CO₂ und nachhaltig erzeugtem Wasserstoff hergestellt. Da nicht alle Verkehrssektoren elektrifiziert werden können, sind flüssige Kraftstoffe weiterhin notwendig, um die Klimaziele zu erreichen. Die Entwicklung und Nutzung von regenerativ hergestellten Kraftstoffen könnte daher als ein vielversprechender Schritt in Richtung einer CO₂-neutralen Mobilität gesehen werden.
Das Projekt in Mannheim ist Teil der umfassenden Landesstrategie zur Förderung von reFuels, die seit 2018 zahlreiche Studien und Umsetzungsprojekte unterstützt. Mit einem finanziellen Rahmen von etwa 325.000 Euro zielt das Projekt BlendBilanz4Mobility darauf ab, die Produktion und Nutzung klimafreundlicherer Kraftstoffe voranzutreiben. In einem engen Dialog mit der Gesellschaft entwickelt das KIT Lösungen für herausfordernde Themen wie den Klimawandel, die Energiewende und den nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Einführung der reFuels in Mannheim nicht nur einen innovativen Schritt in Richtung Klimaschutz darstellt, sondern auch eine wichtige Maßnahme für die zukünftige Mobilität darstellt. Das KIT, als Teil der Helmholtz-Gemeinschaft, bringt wissenschaftliche Exzellenz und praktische Anwendungen zusammen, um die Transformation der Mobilität voranzutreiben. So wird es den über 22.800 Studierenden und mehr als 10.000 Mitarbeitenden des KIT ermöglicht, aktiv an einer nachhaltigeren und resilienteren Zukunft mitzuarbeiten.
