In der heutigen Zeit sehen sich Marken, insbesondere in der Textilindustrie, einem wachsenden Druck ausgesetzt, ihre Nachhaltigkeitsversprechen glaubwürdig zu kommunizieren. Angesichts der wachsenden Besorgnis über Umweltfragen und der Einführung strengerer Vorschriften haben zwei Forscher der Emerging Technologies in Industrial Engineering (EITIE) Gruppe an der Constructor University einen neuen analytischen Ansatz entwickelt. Dieser zielt darauf ab, Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre nachhaltigen Botschaften in sozialen Medien effektiver zu gestalten.
Die Ergebnisse dieser Untersuchung, die in den IEEE Transactions on Engineering Management veröffentlicht wurden, verwenden ein Verfahren des kausalen maschinellen Lernens. Dieses ermöglicht es, die spezifischen Inhalte zu identifizieren, die nicht nur Reichweite erzeugen, sondern auch tatsächlich das Engagement der Nutzer fördern – weit über einfache Interaktionen wie Likes und Shares hinaus. Das neu entwickelte Analyseframework bietet Unternehmen eine klare, datengestützte Orientierung für eine erfolgreiche Kommunikation von Nachhaltigkeitsanliegen.
Omaymah Al-Mashaleh, Doktorandin und Research Associate in diesem Projekt, betont die zentrale Rolle sozialer Medien im Kontext nachhaltiger Entwicklung. Sie erklärt, dass diese Plattformen nicht nur das Verhalten und die Werte der Nutzer prägen, sondern auch entscheidende Instrumente zur Förderung von Nachhaltigkeit darstellen. Die Forscher möchten Entscheidungsträger und Unternehmen dabei unterstützen, digitale Kanäle nicht nur zur Erreichung wirtschaftlicher Ziele zu nutzen, sondern auch um ökologische Verantwortlichkeit zu fördern und nachhaltige, zirkuläre Geschäftsmodelle zu implementieren.
Ein hervorstechendes Merkmal des entwickelten Ansatzes ist der sogenannte Double-Machine-Learning-Ansatz. Dieser differenziert zwischen bloßen Korrelationen und tatsächlichen Ursache-Wirkungs-Beziehungen. Durch die Analyse von verschiedenen Formaten und Inhalten in sozialen Medien – darunter kurze Reels, längere Videos und Bildkarussells – gelingt es den Wissenschaftlern, spezifische Merkmale zu identifizieren, die signifikantes Nutzerengagement hervorrufen. Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem kurze Reels ein viel höheres Engagement für Nachhaltigkeitsbotschaften erzeugen als andere Formate.
Basierend auf diesen Erkenntnissen empfiehlt das Framework eine zweistufige Struktur für Kampagnen. In der ersten Phase sollten kurze Reels eingesetzt werden, um die Aufmerksamkeit der Nutzer zu gewinnen, während in der zweiten Phase längere Videos oder Karussell-Beiträge für tiefere, erklärende Inhalte genutzt werden sollten. Diese Strategie ermöglicht es den Marken, ihre organische Reichweite auf fundierte Weise zu steigern und gleichzeitig die Marketingausgaben effizient zu verwalten.
Dr. Omid Fatahi Valilai, Professor für Industrial Engineering und Leiter der EITIE-Gruppe, hebt hervor, dass die Implikationen dieser Studie über Kommunikationsstrategien hinausgehen. Sie könnten messbare gesellschaftliche und ökologische Veränderungen anstoßen. Ziel ist es, rigorose kausale Analysen mit realen Infrastrukturen zu verknüpfen, sodass die Kommunikation über Nachhaltigkeit nicht nur informiert, sondern auch einen systemischen Wandel im Textilsektor anstoßen kann, der dringend erforderlich ist. Solch ein Wandel könnte auch von neuen gesetzlichen Maßnahmen unterstützt werden, wie beispielsweise dem europäischen Vorstoß zur getrennten Sammlung von Textilabfällen, um jährlich über zwölf Millionen Tonnen Textilmüll zu reduzieren.
Professor Valilai ist ebenfalls am EU-geförderten Projekt Sort4CIRC beteiligt, das innovative Systeme zur Rückverfolgung und Sortierung von Textilien durch digitale Produktpässe entwickelt. Er erläutert, dass die Studie besonders aktuell ist, da sie aufzeigt, wie glaubwürdige Nachhaltigkeitsbotschaften tatsächlich bei den Menschen ankommen. Unternehmen und öffentliche Akteure können durch diese Erkenntnisse ihre Inhalte gezielt neu ausrichten, um eine größere Wirkung zu erzielen und ihre Zielgruppen direkt mit transparenter Produktinformation zu Materialien, Pflege und Rücknahmesystemen zu verbinden, die durch digitale Produktpässe ermöglicht werden.
