DFG-Senatskommission fordert umfassendere Förderung von diversifizierten Anbausystemen in der Landw…

DFG-Senatskommission fordert umfassendere Förderung von diversifizierten Anbausystemen in der Landw…

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat in einer aktuellen Stellungnahme ihrer Ständigen Senatskommission zur Transformation von Agrar- und Ernährungssystemen (SKAE) die Notwendigkeit betont, die Unterstützung diversifizierter Anbausysteme für Nutzpflanzen zu verstärken. Angesichts der Herausforderungen, die der Klimawandel, die abnehmende Biodiversität und die Unsicherheiten auf den globalen Märkten mit sich bringen, ist eine grundlegende Umstellung der landwirtschaftlichen Praktiken erforderlich. Die Kommission nennt sechs konkrete Handlungsansätze, um eine nachhaltige und krisenfeste Landwirtschaft zu fördern.

Die deutsche Landwirtschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten vornehmlich auf spezialisierte Anbausysteme konzentriert, bei denen häufig Monokulturen eingesetzt werden. Diese Praktiken können zwar kurzfristig hohe Erträge liefern, sind jedoch nicht ohne Risiko. Monokulturen sind anfällig für Klimaveränderungen und tragen zur Verringerung der biologischen Vielfalt bei. Zudem sind sie stark abhängig von chemischen Betriebsmitteln und globalen Märkten, was ihre Resilienz in Krisenzeiten einschränkt.

Die Kommission fordert daher eine stärkere Diversifizierung der Anbaupraktiken. Dies kann durch verschiedene Methoden erreicht werden, wie zum Beispiel durch längere Fruchtfolgen, Mischkulturen oder Agroforstsysteme, die Elemente der Landwirtschaft mit der Forstwirtschaft verbinden. Professorin Dr. Katja Becker, Präsidentin der DFG, hebt hervor, dass diese diversifizierten Anbausysteme traditionelle landwirtschaftliche Praktiken mit innovativen Ansätzen verknüpfen und somit einen entscheidenden Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Agrar- und Ernährungssysteme leisten können.

Ein zentrales Anliegen der Kommission ist es, die wissenschaftliche Forschung zu diversifizierten Anbausystemen zu intensivieren. Es besteht ein großer Bedarf, die Vorteile dieser Systeme zu analysieren, insbesondere in Bezug auf Ertragssicherheit, Technik, ökologische Funktionalität und Wirtschaftlichkeit. Professorin Dr. Annette Reineke von der Hochschule Geisenheim betont, dass Forschung dazu beitragen kann, Wissenslücken und kulturelle Barrieren zu überwinden, die der Umsetzung diversifizierter Anbausysteme entgegenstehen.

Trotz der Vorteile, die diversifizierte Anbausysteme bieten, wird deren Umsetzung in Deutschland durch verschiedene Hürden erschwert. Landwirte, die ihre Anbausysteme umstellen möchten, sehen sich oft mit hohen Investitionskosten, unklaren Leistungsanforderungen und dem Fehlen geeigneter Wertschöpfungsketten konfrontiert. Diese Hindernisse sind für viele Betriebe eine große Herausforderung und müssen durch geeignete politische Maßnahmen adressiert werden.

Die DFG-Senatskommission hat sechs Schlüsselthemen identifiziert, die für die erfolgreiche Umstellung auf resilientere Anbausysteme von Bedeutung sind:

1. Züchtung: Es müssen neue, standortangepasste Sorten entwickelt werden, die für alternative und Mischkulturen geeignet sind. Dazu zählen auch regionale Kulturarten und neue Getreidearten, die besser an die Herausforderungen des Klimawandels angepasst sind.

2. Integrierte Systeme: Die Kombination von Ackerbau mit Nutztierhaltung und mehrjährigen Kulturen kann die Bodenfruchtbarkeit und die Biodiversität fördern sowie eine höhere Ertragssicherheit gewährleisten.

3. Umwelt- und Klimaschutz: Eine diversifizierte Landwirtschaft kann ökologische Funktionen übernehmen und den Einsatz von Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln verringern, was zu einer erhöhten Klimaresilienz beiträgt.

4. Resilienz der Landwirtschaft: Eine größere regionale Vielfalt kann die Abhängigkeit von globalen Märkten verringern und somit die Versorgungssicherheit stärken.

5. Technische Innovation und Digitalisierung: Neue Technologien wie Robotik und Künstliche Intelligenz können helfen, die Bewirtschaftung zu optimieren und diversifizierte Anbaustrukturen zu ermöglichen.

6. Kosten-Nutzen-Analyse: Eine standortbezogene Bewertung der ökonomischen und ökologischen Auswirkungen von Diversifizierung ist notwendig, um die Grenzen einer nachhaltigen Landwirtschaft zu verstehen.

Professorin Dr. Doris Vetterlein, Vorsitzende der SKAE, betont, dass Forschung, Politik und Marktakteure jetzt zusammenarbeiten müssen, um einen Wandel zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft zu ermöglichen. Das übergeordnete Ziel ist es, ein anpassungsfähiges Anbausystem zu schaffen, das sowohl die Versorgung mit Nahrungsmitteln langfristig sichert als auch ökologisch nachhaltig