Neue Standards für die artgerechte Kälberaufzucht: Ein Positionspapier des FBN**

Neue Standards für die artgerechte Kälberaufzucht: Ein Positionspapier des FBN**

Das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) hat ein wegweisendes Positionspapier zur artgerechten Aufzucht von Kälbern veröffentlicht. Unter dem Titel „Tiergerechte Aufzucht von Kälbern – Herausforderungen, wissenschaftliche Erkenntnisse und Empfehlungen für die Praxis“ wird eine umfassende Analyse des aktuellen Forschungsstandes sowie praxisnahe Empfehlungen für die Landwirtschaft, Beratungsstellen und politische Akteure präsentiert.

Die ersten Lebenswochen eines Kalbes sind entscheidend für dessen Entwicklung. In dieser kritischen Phase werden grundlegende Aspekte wie das Immunsystem, der Stoffwechsel und das spätere Verhalten sowie die Leistungsfähigkeit geprägt. Leider ist das Risiko von Erkrankungen und Verlusten in dieser Zeit besonders hoch. Das Positionspapier hebt hervor, dass eine frühzeitige und ausreichende Versorgung mit Kolostrum und Milch, die Schaffung geeigneter Haltungsbedingungen und der frühzeitige Kontakt mit Artgenossen entscheidend für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere sind.

Ein zentrales Thema des Dokuments ist die ad-libitum-Milchversorgung in den ersten Lebenswochen. Diese Methode ermöglicht es den Kälbern, nach Bedarf zu trinken, was ihre Entwicklung positiv beeinflusst. Zudem wird die frühzeitige Gruppenhaltung als besonders tierfreundlich empfohlen, da soziale Interaktionen für die psychische und physische Gesundheit der Tiere von großer Bedeutung sind. Ein weiterer Aspekt, der im Papier behandelt wird, ist die kuhgebundene Kälberaufzucht. Dieser Ansatz wird als besonders tierschutzorientiert betrachtet und soll eine natürliche Bindung zwischen Kuh und Kalb fördern.

Das Positionspapier setzt sich auch mit den aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen auseinander und vergleicht diese mit den übergreifenden wissenschaftlichen Empfehlungen, die beispielsweise von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) herausgegeben wurden. Dabei wird deutlich, dass die gesetzlichen Vorgaben oftmals hinter den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zurückbleiben. Die Autoren des Papiers betonen, dass eine artgerechte Kälberaufzucht nicht als freiwillige Zusatzleistung betrachtet werden sollte, sondern vielmehr als notwendige Investition in die Gesundheit der Tiere, die Nachhaltigkeit der Landwirtschaft und die gesellschaftliche Akzeptanz der Milchviehhaltung.

Obwohl viele der empfohlenen Maßnahmen anfangs mit einem höheren Aufwand verbunden sind, zeigen Langzeitstudien, dass sich diese Anstrengungen durch die Zucht robusterer und gesünderer Tiere auszahlen. Eine verbesserte Tiergesundheit führt nicht nur zu einer höheren Lebensqualität für die Kälber, sondern auch zu wirtschaftlichen Vorteilen für die Landwirte.

Die Veröffentlichung des Positionspapiers ist ein bedeutender Schritt in Richtung einer nachhaltigen und tiergerechten Landwirtschaft. Es bietet eine wertvolle Orientierung für Landwirte, Berater und politische Entscheidungsträger, die sich mit den Herausforderungen der modernen Tierhaltung auseinandersetzen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Empfehlungen im Papier nicht nur auf die Verbesserung der Lebensbedingungen von Kälbern abzielen, sondern auch auf eine zukunftsfähige Landwirtschaft, die den Ansprüchen einer zunehmend kritischen Öffentlichkeit gerecht wird. Der Fokus auf wissenschaftlich fundierte Praktiken, die Berücksichtigung der Tiere als fühlende Wesen und die Förderung von Wohlbefinden sind zentrale Elemente, die in der Diskussion um die Kälberaufzucht eine immer wichtigere Rolle spielen sollten.

Für weitere Informationen und Rückfragen steht Sophie Blessinger, Referentin für Wissenstransfer am FBN, zur Verfügung. Sie kann unter der E-Mail-Adresse blessinger@fbn-dummerstorf.de oder telefonisch unter +49 38208 68-5 kontaktiert werden.

Das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie setzt mit diesem Positionspapier ein starkes Zeichen für die Notwendigkeit einer tiergerechten Haltung und die Verantwortung, die Landwirte sowie die Gesellschaft in Bezug auf das Wohl der Tiere tragen.