Luftverschmutzung in Sarajevo: Eine Analyse der Smog-Ursachen**

Luftverschmutzung in Sarajevo: Eine Analyse der Smog-Ursachen**

Sarajevo, die Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina, ist nicht nur für ihre reiche Geschichte bekannt, sondern auch für ihre alarmierend hohe Luftverschmutzung. Diese Stadt, die 1984 Gastgeber der Olympischen Spiele war, hat sich leider einen unrühmlichen Ruf als eine der am stärksten belasteten Städte der Welt erarbeitet. Besonders im Winter sind die Feinstaubwerte in Sarajevo höher als in vielen anderen Städten, einschließlich der stark belasteten Metropole Peking. Ein Forschungsprojekt, das als SAAERO (Sarajevo Aerosol Experiment) bekannt ist und an dem Wissenschaftler aus acht verschiedenen Ländern beteiligt sind, hat nun die Hauptquellen der Luftschadstoffe identifiziert.

Das Paul Scherrer Institut (PSI) in der Schweiz hat mit einem mobilen Labor, das die neuesten Technologien zur Messung der Luftqualität umfasst, umfassende Messungen in Sarajevo durchgeführt. In einer dreiwöchigen Phase konnte das Team unter der Leitung von Dr. André Prévôt 39 Messfahrten durch die Stadt unternehmen, um die Verteilung der Luftverschmutzung zu analysieren. Die Ergebnisse dieser Messungen wurden in der Fachzeitschrift „Environment International“ veröffentlicht und zeigen deutliche Unterschiede in der Luftqualität zwischen verschiedenen Stadtteilen.

Die Ergebnisse zeigen, dass es vor allem die Nutzung von festen Brennstoffen wie Holz und Kohle zum Heizen ist, die die Feinstaubkonzentration in den Abendstunden erheblich erhöht. Über zwei Drittel der Messungen lagen über dem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Grenzwert von 15 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter. In einigen Fällen wurden sogar kurzfristige Spitzenwerte von mehreren hundert Mikrogramm pro Kubikmeter festgestellt, was auf die gravierenden Umweltprobleme in dieser Region hinweist.

Die Messungen ergaben zudem, dass die Feinstaubbelastung tagsüber relativ gleichmäßig verteilt war, während sie abends in bestimmten Wohngebieten dramatisch anstieg. In diesen Vierteln stammten bis zu 60 Prozent der Feinstaubpartikel aus Holzheizungen. Besondere Aufmerksamkeit erhielt auch das Altstadtviertel Baščaršija, wo die Luftqualität durch Emissionen aus den zahlreichen Restaurants, die oft Fleisch grillen, belastet ist. Trotz dieser negativen Werte gibt es in der Nacht eine natürliche Linderung, da frische Luft von Osten ins Tal strömt und die Schadstoffkonzentrationen senkt.

Ein weiterer Faktor, der zur Luftverschmutzung in Sarajevo beiträgt, ist Schwefeldioxid. Schätzungen zeigen, dass 81 Prozent der Schwefeldioxidemissionen in Europa vom Westbalkan stammen, insbesondere aus alten Kohlekraftwerken, die noch aus der Zeit der Sowjetunion stammen. Die Messungen des PSI-Teams zeigten, dass die Schadstoffwerte in Bosnien-Herzegowina schnell anstiegen, sobald sie das Land betraten, was die Dringlichkeit der Situation unterstreicht.

Um die Luftqualität in Sarajevo nachhaltig zu verbessern, sind umfassende Maßnahmen erforderlich. Dazu gehört die energetische Sanierung von Gebäuden und der Anschluss an das Gasnetz, was jedoch aufgrund der topografischen Gegebenheiten in den Hängen der Stadt eine große Herausforderung darstellt. Eine Alternative könnten sauberere Pelletheizungen sein, die eine umweltfreundlichere Heizoption darstellen.

Die gesundheitlichen Folgen der Luftverschmutzung sind gravierend. Studien zeigen, dass Luftschadstoffe nicht nur Atemwegserkrankungen, sondern auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen können, was jährlich zu Tausenden von vorzeitigen Todesfällen führt. Eine Reduzierung der Luftschadstoffe um 50 Prozent könnte in Bosnien-Herzegowina schätzungsweise 5.000 Leben pro Jahr retten.

Abschließend empfehlen die Forscher, die Luftqualitätsmessungen im Westbalkan durch feste Messstationen, sogenannte Supersites, zu intensivieren. Diese würden eine kontinuierliche Erfassung der Luftwerte ermöglichen und dazu beitragen, die Region besser zu verstehen. Das PSI-Team plant, die gewonnenen Daten weiter auszuwerten und insbesondere die Auswirkungen von Schwefeldioxid auf die chemischen Prozesse in der Atmosphäre zu untersuchen. Diese Forschung ist entscheidend, um wirksame Strategien zur Bekämpfung der Luftverschmutzung in Sarajevo und der gesamten Region zu entwickeln.