In einem innovativen Forschungsprojekt mit dem Titel „Speculative Futures“ haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) gemeinsam mit der Designerin Johanna Seelemann neuartige Designobjekte entwickelt, die einen frischen Blick auf die Landwirtschaft von morgen ermöglichen. Ziel war es, durch spekulative Designansätze neue Perspektiven auf landwirtschaftliche Produktion, Materialverwendung und Wertschöpfung zu eröffnen. Diese Entwürfe wurden 2025 im GRASSI Museum für Angewandte Kunst in Leipzig präsentiert und in verschiedenen Workshops diskutiert, die sowohl Experten als auch interessierte Bürger einluden, ihre Gedanken zur zukünftigen Landwirtschaft zu teilen.
Die Objekte, gefertigt aus einem innovativen Material, das mineralgebundene Holzspäne nutzt und durch 3D-Druck hergestellt wird, basieren auf umfangreichen Interviews mit Praktikern der Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung. Diese Gespräche bildeten die Grundlage für die Prototypen und ermöglichten es dem Forschungsteam, relevante Themen wie Flächennutzung, nachhaltige Ernährungssysteme und ökologische Resilienz in den Fokus zu rücken. Johanna Seelemann betont: „Wenn Menschen diese Objekte sehen, erkennen sie, dass aus dem, was heute als Abfall betrachtet wird, neue Konzepte für gemeinschaftliches Leben und ökologische Landwirtschaft entstehen können.“
Begleitend zur Ausstellung fanden Workshops statt, die von Dr. Juliane Welz, der Projektleiterin, organisiert wurden. Hier kamen Fachleute aus den Bereichen Landwirtschaft, Wissenschaft und Politik sowie interessierte Bürger zusammen, um ihre Ansichten über die Zukunft der Landwirtschaft und nachhaltige Wertschöpfung zu formulieren. „Die Workshops haben gezeigt, wie sehr spekulative Objekte das Gespräch verändern können“, erklärt Welz. „Die Teilnehmer diskutierten nicht mehr abstrakt, sondern konkret über die Zukunftsobjekte, die sie als realistisch, wünschenswert oder problematisch erachteten. Diese Einsichten sind für unsere Forschung von großer Bedeutung.“
Ein herausragendes Zukunftsszenario, das in den Diskussionen entstand, ist der „Waldgarten“. In diesem Konzept wird ein biologisches Waldgartensystem durch moderne Agrartechnologie ergänzt, die über ein digitales Nervensystem verfügt. Automatisierte Erntemaschinen, die minimalinvasive Ernteverfahren anwenden, agieren an der Schnittstelle zwischen Mensch und Natur. Sie sind in der Lage, kleinste Veränderungen in der Umwelt zu erkennen und gezielt einzugreifen, um ökologische Gleichgewichte aufrechtzuerhalten. Diese Maschinen, hergestellt aus Biokompositmaterialien, das aus pflanzlichen Nebenprodukten gewonnen wird, sind Teil geschlossener Nährstoffkreisläufe und kehren nach ihrem Lebenszyklus in das Ökosystem zurück.
Die verschiedenen Szenarien, die während des Projekts entwickelt wurden, dienten dem Forschungsteam als Ausgangspunkt, um unterschiedliche gesellschaftliche Perspektiven zu erörtern. Die Wissenschaftler führen gegenwärtig eine detaillierte Analyse der Artefakte durch, um die zugrunde liegenden Zukunftsvorstellungen zu interpretieren. Die Ergebnisse dieser Analyse werden voraussichtlich im Frühjahr 2026 veröffentlicht.
Das Projekt „Speculative Futures“ unterstreicht die Relevanz von Designforschung und künstlerischen Ansätzen in der Zukunftsforschung. Im Februar 2026 wird eines der Designobjekte zusammen mit weiteren Exponaten aus dem Fraunhofer-Netzwerk „Wissenschaft, Kunst und Design“ im Fraunhofer-Forum in Berlin ausgestellt. Zudem läuft derzeit die Ausschreibung für das Programm „Artist/Designer in Lab 2026“, das Künstlern und Designern die Möglichkeit bietet, neue Projekte in Zusammenarbeit mit Fraunhofer-Instituten zu entwickeln. Interessierte können sich bis zum 31. Januar 2026 bewerben.
Das Fraunhofer ISI hat sich darauf spezialisiert, die Entstehung und Auswirkungen von Innovationen zu analysieren. Ziel ist es, sowohl kurz- als auch langfristige Entwicklungen von Innovationsprozessen sowie deren gesellschaftliche Auswirkungen zu erforschen. Auf dieser Basis werden Handlungsempfehlungen für Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik formuliert. Die Expertise des Instituts liegt in einer fundierten wissenschaftlichen Grundlage sowie in einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.
Insgesamt zeigt das Projekt, dass kreative Ansätze und interdisziplinäre Zusammenarbeit wesentliche Elemente sind, um die Herausforderungen der Zukunft, insbesondere im Bereich der Landwirtschaft, proaktiv anzugehen und zu gestalten.
