Entdeckung der ältesten Holzwerkzeuge: Ein Blick in die Frühgeschichte der Menschheit**

Entdeckung der ältesten Holzwerkzeuge: Ein Blick in die Frühgeschichte der Menschheit**

Ein internationales Forschungsteam hat in Griechenland einen bedeutenden archäologischen Fund gemacht: In der Fundstätte Marathousa 1, die sich in der Region Megalopolis im zentralen Peloponnes befindet, wurden Holzwerkzeuge entdeckt, die auf ein Alter von etwa 430.000 Jahren datiert werden. Diese Entdeckung stellt nicht nur die ältesten bekannten Werkzeuge dieser Art dar, sondern schiebt auch den bisherigen Zeitrahmen für die Nutzung von Holzwerkzeugen durch den Menschen um mindestens 40.000 Jahre zurück. Die Ergebnisse der Forschung wurden von einem Team unter der Leitung von Professorin Katerina Harvati vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und Dr. Annemieke Milks von der Universität Reading veröffentlicht.

Die Werkzeuge, die aus Erlenholz sowie Weiden- oder Pappelholz gefertigt wurden, stammen aus dem Mittelpleistozän und sind Teil einer umfassenden Untersuchung von Hölzern, die an der Fundstelle gefunden wurden. Diese Entdeckung ist besonders bemerkenswert, da Holzgegenstände in der Regel nur unter sehr spezifischen Bedingungen über lange Zeiträume erhalten bleiben. Die Forscher haben die Holzstücke nicht nur auf ihre Form und Struktur untersucht, sondern auch mikroskopisch analysiert, um die Art des Holzes sowie die Bearbeitungsspuren zu bestimmen, die auf menschliche Aktivitäten hinweisen.

Zwei der gefundenen Holzstücke konnten eindeutig als von Menschen bearbeitet identifiziert werden. Das erste ist ein kleines Stück eines Erlenstamms, welches deutliche Gebrauchsspuren aufweist. Es wird vermutet, dass es zum Graben am Ufer eines ehemaligen Sees oder zum Ablösen von Baumrinde verwendet wurde. Das zweite Stück, das von einer Weide oder Pappel stammt, zeigt ebenfalls Bearbeitungsspuren, die auf eine menschliche Nutzung hindeuten. Bei einem weiteren Holzstück, das ein größeres Segment eines Erlenstamms darstellt, kamen die Forscher jedoch zu dem Schluss, dass die Spuren nicht von Menschen, sondern von einem großen Raubtier, möglicherweise einem Bären, hinterlassen worden waren.

Die Fundstelle Marathousa 1 wurde erst vor etwa einem Jahrzehnt entdeckt, und die Ausgrabungen haben zahlreiche wichtige Funde zutage gefördert, darunter auch Steinwerkzeuge und Überreste eines Ur-Elefanten. Diese Funde deuten darauf hin, dass der Ort vor etwa 430.000 Jahren von frühen Menschen als Schlachtplatz genutzt wurde, während er sich am Ufer eines Sees befand. Laut Dr. Harvati war das Mittelpleistozän eine kritische Phase in der menschlichen Evolution, in der sich komplexere Verhaltensweisen entwickelten und die ersten sicheren Belege für die gezielte technologische Nutzung von Pflanzen auftauchten.

Die Entdeckung in Marathousa 1 ist nicht nur von großer Bedeutung für die Archäologie, sondern auch für das Verständnis der Menschheitsgeschichte. Die bis dahin ältesten bekannten Holzwerkzeuge stammten aus Großbritannien, Deutschland, Sambia und China, waren jedoch alle jünger als die Funde aus Griechenland. Die einzige ältere Nutzung von Holz durch Menschen wurde in Kalambo Falls in Sambia nachgewiesen, wo Holz vor etwa 476.000 Jahren als Strukturmaterial verwendet wurde, jedoch nicht als Werkzeug.

Die Forscher betonen, wie außergewöhnlich gut die Erhaltungsbedingungen an der Fundstelle Marathousa 1 sind. Diese Entdeckung liefert nicht nur neue Erkenntnisse über das Leben unserer Vorfahren, sondern zeigt auch die Konkurrenz zwischen frühen Menschen und großen Raubtieren, die damals in der Region lebten. Die Forschungsarbeiten, die durch den Europäischen Forschungsrat sowie die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert werden, beinhalten auch die Zusammenarbeit mit weiteren Institutionen, darunter die Aristoteles-Universität Thessaloniki und das griechische Kulturministerium.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Entdeckung der ältesten bekannten Holzwerkzeuge der Menschheit aus Marathousa 1 nicht nur die archäologischen Kenntnisse über die frühe Menschheitsgeschichte erweitert, sondern auch einen faszinierenden Einblick in das Leben und die technologischen Fähigkeiten unserer Vorfahren bietet.