Das Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme (IWES) und die Fugro Germany Marine GmbH haben erfolgreich eine umfassende geophysikalische Untersuchung des Gebiets N-9.5 in der deutschen Nordsee abgeschlossen. Diese Untersuchung fand im Auftrag des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in den Monaten April und Mai 2025 statt. Ziel der Studie war es, detaillierte Informationen über die geologischen Gegebenheiten in der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) zu sammeln, um die Planung zukünftiger Offshore-Windparks zu unterstützen.
Die durchgeführte Kampagne umfasste die Erfassung von Sedimentecholot- und ultrahochauflösenden mehrkanalseismischen (UHR MCS) Daten. Insgesamt wurden dafür 2349 Kilometer an Vermessungslinien abgedeckt, was eine flächendeckende Analyse des Untersuchungsgebiets ermöglichte. Die Daten des Sedimentecholos liefern hochauflösende Bilder von Sedimentschichten und geologischen Strukturen bis in eine Tiefe von 15 Metern unter dem Meeresboden. Im Gegensatz dazu erlaubt die UHR MCS-Technik die Abbildung größerer Sedimentkörper und geologischer Strukturen bis zu 200 Metern unter der Meeresoberfläche.
Nach der Erfassung und Integration dieser Datensätze wurde eine erste Interpretation der Untergrundverhältnisse vorgenommen. Marcel Ruhnau, Fachkoordinator für die geophysikalische Vorerkundung beim BSH, betont, wie wichtig diese vorläufigen Ergebnisse für die nachfolgenden geotechnischen Untersuchungen sind. Sie dienen nicht nur als Grundlage für die Entwicklung eines ingenieurgeologischen Modells, sondern tragen auch dazu bei, potenzielle Baurisiken für den geplanten Offshore-Windpark zu minimieren.
Der Projektleiter von Fugro, Manfred Stender, hebt die Bedeutung präziser geologischer Informationen hervor, die Entwicklern und Ingenieuren von Offshore-Windparks helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen. Solche Informationen sind entscheidend, um kostspielige Verzögerungen zu vermeiden und die Planung effizient zu gestalten. Der Bereich N-9.5 hat eine Fläche von etwa 146 Quadratkilometern und soll laut dem Flächenentwicklungsplan vom 30. Januar 2025 zur Erhöhung der Offshore-Windkapazität in Deutschland um 1 Gigawatt (GW) beitragen.
Fugro übernahm die Rolle des Hauptauftragnehmers, stellte das Vermessungsschiff „Fugro Discovery“ bereit und war verantwortlich für die Erfassung sowie die Verarbeitung der Sedimentecholot-Daten. Das Fraunhofer IWES arbeitete als Subunternehmer und übernahm die Erfassung, Verarbeitung und Auswertung der UHR MCS-Daten. Jesley Geoservices unterstützte das Fraunhofer IWES bei der Verarbeitung der ultrahochauflösenden Daten, was zur fristgerechten Fertigstellung des Projekts beitrug.
Tim Burmeister, Projektmanager am Fraunhofer IWES, betont, dass der erfolgreiche Abschluss der Untersuchung das achte Jahr in Folge markiert, in dem eine UHR MCS-Kampagne für das BSH in der Nordsee durchgeführt wurde. Die langfristige Zusammenarbeit mit Fugro bei geophysikalischen Standortuntersuchungen hat es den Partnern ermöglicht, ein tiefes Verständnis für die gemeinsamen Ziele und Abläufe zu entwickeln.
Das Fraunhofer IWES engagiert sich aktiv für die Energiewende in Deutschland, indem es Voruntersuchungsprojekte für Windparks unterstützt. Mit mehr als 400 Mitarbeitenden an verschiedenen Standorten widmet sich das Institut der Forschung und Entwicklung in Schlüsseltechnologien wie Offshore-Windenergie und Wasserstoff.
Fugro, als führendes Unternehmen im Bereich Geodaten, bietet umfassende Lösungen zur Unterstützung bei Planung und Betrieb von Infrastrukturen. Mit etwa 10.000 Mitarbeitenden in 52 Ländern liefert Fugro entscheidende Einblicke für Projekte in den Bereichen Energie, Infrastruktur und Wasser, sowohl offshore als auch onshore.
Insgesamt stellt die abgeschlossene geophysikalische Standortuntersuchung einen bedeutenden Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Energieversorgung in Deutschland dar und unterstreicht die Notwendigkeit präziser geologischer Daten für die erfolgreiche Entwicklung von Offshore-Windparkprojekten.
