Abschluss des Forschungsprojekts zur Varusschlacht: Neue Erkenntnisse aus Kalkriese**

Abschluss des Forschungsprojekts zur Varusschlacht: Neue Erkenntnisse aus Kalkriese**

Das Forschungsprojekt mit dem Titel „Kalkriese als Ort der Varusschlacht? – eine anhaltende Kontroverse“ hat kürzlich erfolgreich seine Abschlussphase erreicht. Dieses Vorhaben wurde von der VolkswagenStiftung gefördert und war ein gemeinsames Unterfangen des Deutschen Bergbau-Museums Bochum, des Leibniz-Forschungsmuseums für Georessourcen sowie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ziel war es, die archäologischen Funde aus Kalkriese, die seit den 1980er Jahren als möglicher Standort der berühmten Varusschlacht gelten, eingehend zu untersuchen.

Im Rahmen dieses Projekts haben zwei Doktorandinnen, Dr. Uta Schröder und Dr. Annika Lüttmann, ihre Dissertationen verfasst, die bedeutende neue Erkenntnisse liefern. Dr. Schröder, die an der Universität Bonn tätig ist, widmete sich der kulturhistorischen Analyse der Funde. Ihre Dissertation stellt die erste umfassende quellenkritische Untersuchung dar, die Datierung, Funktion und räumliche Verteilung der Artefakte beleuchtet. Sie analysierte über 5.400 Kleinobjekte, einschließlich mehr als 1.000 bislang unveröffentlichter Funde. Die Ergebnisse zeigen, dass es in der späten Regierungszeit des Augustus oder unter Tiberius in Kalkriese tatsächlich zu einem militärischen Konflikt mit römischen Truppen kam. Die Artefakte belegen eine klare Verbindung zu römischen Militärstandorten und deuten auf die Anwesenheit mehrerer Legionen hin.

Dr. Lüttmann, die an der Technischen Hochschule Georg Agricola Bochum tätig ist, verfolgte einen innovativen Ansatz zur Identifizierung der römischen Legionen in Kalkriese. Sie nutzte metallurgische Analysen, um einen sogenannten „metallurgischen Fingerabdruck“ zu erstellen. Diese Methode ermöglicht es, die Zusammensetzung von Buntmetallen, die in der römischen Militärproduktion verwendet wurden, zu untersuchen und damit eine Verbindung zu bestimmten Legionen herzustellen. Ihre Analysen führten zur Identifizierung der 19. Legion, die unter Varus kämpfte und zuvor im süddeutschen Raum stationiert war.

Die beiden Forscherinnen betonen, dass die Geschichte von Kalkriese noch lange nicht vollständig erzählt ist. Es bleiben viele Fragen offen, und die Ergebnisse der Dissertationen eröffnen neue Forschungsansätze. Prof. Dr. Marcus Zagermann, der wissenschaftliche Leiter des Projekts, und Dr. Stefan Burmeister, Geschäftsführer des Museums, sind sich einig, dass die Archäologie durch die Anwendung naturwissenschaftlicher Methoden neue Perspektiven gewinnt. Das Projekt wurde mit 435.000 Euro im Rahmen der Förderinitiative „Forschen in Museen“ unterstützt.

Die Debatte darüber, ob Kalkriese tatsächlich der Ort der Varusschlacht war, bleibt intensiv. Römische Schriftquellen nennen keinen klar identifizierbaren Standort, und die archäologischen Funde in Kalkriese stimmen nicht immer mit den überlieferten Texten überein. Die gegenwärtigen Erkenntnisse zeigen, dass die Funde teilweise durch moderne landwirtschaftliche Praktiken und ungleiche Ausgrabungen beeinflusst wurden. Dr. Schröder fordert daher eine Neubewertung der bisherigen Methoden und eine engere Zusammenarbeit zwischen Archäologie und Geologie.

Zusätzlich zu diesen Herausforderungen sind die Forscher optimistisch hinsichtlich zukünftiger Ausgrabungen. Im Sommer 2026 ist ein umfangreiches Grabungsprojekt im Museumspark geplant, das darauf abzielt, die Ereignisse rund um die Varusschlacht besser zu verstehen. Dabei sollen neue technische Methoden zur Anwendung kommen, um die strategische Situation der römischen Truppen zu untersuchen.

Insgesamt zeigt sich, dass Kalkriese ein bedeutender archäologischer Ort bleibt, dessen Bedeutung für das Verständnis der römischen Geschichte und der frühen Kaiserzeit weiter erforscht werden muss. Dr. Uta Schröder hebt hervor, dass der Standort Kalkriese, unabhängig von der genauen Identität der dort geführten Kämpfe, eine Schlüsselrolle in der europäischen Archäologie spielt und auch in Zukunft faszinierende neue Erkenntnisse liefern wird. Das kulturelle Erbe der Region wird durch diese Forschung lebendig gehalten, und die Unterstützung durch lokale Stiftungen und Institutionen ist essenziell, um die Geschichte dieses einzigartigen Ortes weiterhin zu erforschen und zu bewahren.