Ein internationales Team von Wissenschaftlern, angeführt von der Universität Bremen, hat eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht: In historischen Messdaten aus dem Jahr 1951 wurden zum ersten Mal Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKWs) nachgewiesen. Dies geschah durch die Analyse von Daten, die an der Forschungsstation Jungfraujoch in den Schweizer Alpen erfasst wurden. Diese Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift „Geophysical Research Letters“ veröffentlicht wurden, zeigen, dass FCKWs viel früher in der Erdatmosphäre vorhanden waren als bisher angenommen.
Professor Justus Notholt vom Institut für Umweltphysik der Universität Bremen betont die Bedeutung dieser Aufzeichnungen: „Die archivarischen Messungen vom Jungfraujoch ermöglichen es uns, quantitative Daten zur FCKW-Konzentration für das Jahr 1951 zu gewinnen.“ Zuvor galt 1971 als das erste Jahr, in dem FCKWs in der Atmosphäre nachgewiesen wurden, nachdem der britische Wissenschaftler James Lovelock mit einem neu entwickelten Messgerät die ersten Daten erheben konnte.
Die Forschungsstation Jungfraujoch, die sich auf einer Höhe von 3570 Metern über dem Meeresspiegel befindet, hatte ursprünglich das Ziel, die Sonnenatmosphäre zu untersuchen. In den Jahren 1950 und 1951 wurden dort mit einem Spektrometer Messungen durchgeführt, deren Ergebnisse auf langen Papierrollen festgehalten wurden. Diese Aufzeichnungen, die zunächst als Nebeneffekt der Sonnenbeobachtungen galten, haben sich nun als wertvolle Quelle für die Untersuchung der Erdatmosphäre herausgestellt.
Wissenschaftler der Universität Bremen arbeiteten gemeinsam mit Forschern der Universität Lüttich in Belgien und der University of Leeds in Großbritannien, um diese historischen Spektren zu digitalisieren und mit modernen Analysemethoden auszuwerten. Bei dieser Analyse wurden Spuren des FCKWs „Freon-12“ entdeckt, was für die Wissenschaftler eine bemerkenswerte Überraschung darstellte.
Die gemessene Konzentration dieses FCKWs in der Atmosphäre im Jahr 1951 lag bei etwa 26 pptv (parts per trillion by volume), was bedeutet, dass auf eine Billion Luftmoleküle 26 Moleküle FCKW kamen. Diese Zahl übersteigt die zuvor durch Modellrechnungen geschätzten 9 pptv erheblich. Die Forscher vermuten, dass die Modelle möglicherweise nicht alle Emissionsquellen der damaligen Zeit berücksichtigt haben, was die Diskrepanz erklären könnte.
Die Entdeckung dieser frühzeitigen FCKW-Konzentrationen hat weitreichende Implikationen für die Klimaforschung. Historische Messdaten sind entscheidend, um die Entwicklung der Luftverschmutzung über die Jahrzehnte hinweg besser zu verstehen. Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass solche alten Aufzeichnungen es ermöglichen, die Geschichte der Luftqualität präziser nachzuvollziehen und Klimamodelle zu verfeinern. Dies ist entscheidend, um zu verstehen, wie schnell schädliche Substanzen in der Atmosphäre verteilt werden und welche Auswirkungen sie auf das Klima haben.
Zusätzlich zu den FCKWs können in den historischen Spektren auch andere Gase nachgewiesen werden, was der Ausgangspunkt für zukünftige Forschungsprojekte sein könnte. Diese Entdeckung bietet somit nicht nur einen faszinierenden Einblick in die Vergangenheit, sondern eröffnet auch neue Perspektiven für die gegenwärtige und zukünftige Klimaforschung.
Die Studie verdeutlicht, wie wichtig es ist, historische Daten zu bewahren und zu analysieren, da sie wertvolle Informationen über die Entwicklung unseres Planeten und das menschliche Eingreifen in die Umwelt liefern. Der fortdauernde Schutz der Ozonschicht, der durch internationale Abkommen wie das Montrealer Protokoll angestrebt wird, zeigt, wie bedeutend es ist, die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf die Atmosphäre zu überwachen und zu verstehen.
