Tropische Wälder spielen eine entscheidende Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf, da sie fast die Hälfte des weltweiten oberirdischen Kohlenstoffs in Wäldern speichern. Dennoch sind diese wertvollen Ökosysteme zunehmend durch menschliche Aktivitäten sowie durch die Folgen des Klimawandels bedroht. Eine aktuelle Studie, die in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurde, gibt nun aufschlussreiche Einblicke in die Veränderungen des Kohlenstoffgehalts tropischer Wälder über die letzten drei Jahrzehnte. Dabei wurde festgestellt, dass tropische Feuchtwälder in diesem Zeitraum etwa 15 Milliarden Tonnen Kohlenstoff verloren haben, während tropische Trockenwälder weitgehend stabil blieben.
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist die erhebliche Rolle von kleinen Rodungsflächen, die oft weniger als zwei Hektar groß sind. Trotz ihres geringen Flächenanteils von nur fünf Prozent der gestörten Waldflächen sind sie für über die Hälfte der gesamten Kohlenstoffverluste verantwortlich. Diese Verluste sind häufig das Ergebnis der Umwandlung von Waldflächen in landwirtschaftlich genutzte Flächen, Weideland, Straßen oder Siedlungen.
Die Studie hebt hervor, dass in den letzten 30 Jahren 46 Prozent der tropischen Feucht- und Trockenwälder mindestens einmal von Störungen betroffen waren. Diese Störungen können sowohl durch Entwaldung als auch durch Degradation infolge von Bränden oder extremen Wetterereignissen verursacht werden, die durch den Klimawandel verstärkt werden. Während sich gestörte Wälder über Zeit erholen können, ist wenig bekannt über die genauen Wiederherstellungsraten in Abhängigkeit von der Art und dem Ausmaß der Störung. Ein umfassendes Verständnis dieser Dynamiken ist jedoch unerlässlich, um die Auswirkungen der Wälder auf den globalen Kohlenstoffhaushalt richtig einschätzen zu können.
Ein internationales Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hat die Kohlenstoffverluste und -gewinne in allen tropischen Wäldern zwischen 1990 und 2020 kartiert. Dazu wurde eine hochauflösende Methode verwendet, die Erdbeobachtungsdaten auf Subhektar-Ebene mit speziellen Biomasse-Rückgewinnungskurven kombiniert. Die gewonnenen Daten ermöglichen eine präzisere Analyse der Kohlenstoffdynamiken und zeigen, dass die Erholung der Wälder stark von verschiedenen Faktoren abhängt, wie der Art der Störung und den lokalen klimatischen Bedingungen.
Die Ergebnisse der Studie sind alarmierend. Tropische Feuchtwälder haben in den letzten drei Jahrzehnten schätzungsweise 15,6 Milliarden Tonnen Kohlenstoff verloren, während die Trockenwälder weitgehend kohlenstoffneutral geblieben sind. Besonders besorgniserregend ist, dass kleine Rodungsflächen für 56 Prozent der Netto-Kohlenstoffverluste verantwortlich sind, was die Notwendigkeit unterstreicht, diese kleinen Eingriffe in die Wälder genauer zu überwachen und zu regulieren.
Zusätzlich zeigt die Forschung, dass die Störungen in den letzten Jahren zunehmend in dichtere und kohlenstoffreichere Feuchtwälder verlagert wurden. Dies hat weitreichende Auswirkungen auf das Klima, da jeder verlorene Hektar in diesen wertvollen Ökosystemen signifikante Kohlenstoffverluste bedeutet. Die Studie legt nahe, dass nicht nur großflächige Rodungen, sondern auch kleinere, oft übersehene menschliche Aktivitäten maßgeblich für die Kohlenstoffverluste verantwortlich sind.
Die Ergebnisse der Studie haben auch Implikationen für die Klimapolitik. Die Forschenden betonen die Dringlichkeit, kleinere Rodungsflächen und die damit verbundene Degradation in der Landwirtschaft zu reduzieren, insbesondere in Regionen Afrikas, wo solche Störungen für den Großteil der Kohlenstoffverluste verantwortlich sind. Zudem wird der Schutz junger und sich erholender Wälder als essenziell erachtet, da deren Kohlenstoffspeicherpotenzial durch wiederholte Störungen stark beeinträchtigt wird.
Abschließend zeigt die Studie, dass ein umfassendes Verständnis der Kohlenstoffdynamiken in tropischen Wäldern notwendig ist, um effektive Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Die neu entwickelte Methode, die zur Untersuchung der Kohlenstoffverluste eingesetzt wurde, kann als wertvolles Instrument zur nationalen Kohlenstoffinventarisierung und zur Umsetzung internationaler Klimaschutzprogramme dienen. Durch gezielte Überwachung und Schutzmaßnahmen können wir einen der wichtigsten Klimapuffer der Erde bewahren und die negativen Auswirkungen von Störungen minimieren.
