Forschende des Helmholtz-Instituts für One Health (HIOH) haben das Feuerfußhörnchen (Funisciurus pyrropus) als wahrscheinliches natürliches Reservoir für das Affenpockenvirus (MPXV) identifiziert. Diese Erkenntnis basiert auf einer umfassenden Untersuchung eines Mpox-Ausbruchs bei wildlebenden Rußmangaben (Cercocebus atys) im Taï-Nationalpark in Côte d’Ivoire, der in der angesehenen Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurde.
Die Studie bietet wertvolle Einblicke in die Dynamik der Virusübertragung zwischen verschiedenen Tierarten. Zoonotische Infektionskrankheiten wie Mpox sind ein bedeutendes Gesundheitsrisiko, insbesondere in West- und Zentralafrika, wo Übertragungen von Wildtieren auf Menschen häufig vorkommen. Um die Ausbreitung solcher Krankheiten zu verhindern, ist es entscheidend, die Zirkulation des Virus in Wildtierpopulationen zu verstehen und die Faktoren zu identifizieren, die Spillover-Ereignisse begünstigen.
Im Jahr 2023 beobachtete das Forschungsteam einen Ausbruch von Mpox in einer gut erforschten Population von Rußmangaben. Bei etwa einem Drittel dieser Tiere wurden klinische Symptome festgestellt, und tragischerweise starben vier Mangabenbabys. Die Analyse des bei den infizierten Tieren nachgewiesenen Virus ergab eine nahezu identische genetische Übereinstimmung mit einem Stamm, der kurz zuvor bei einem tot aufgefundenen Feuerfußhörnchen entdeckt worden war.
Um die Zusammenhänge zwischen diesen Beobachtungen zu klären, analysierte das Team Kotproben der Mangaben auf Hinweise auf die Zirkulation des MPXV sowie auf mögliche Kontakte zwischen den beiden Arten. Eine Probe, die vor dem Ausbruch entnommen wurde, enthielt sowohl Virus-DNA als auch DNA des Feuerfußhörnchens, was auf eine Übertragung zwischen den Arten hinweist. Verhaltensbeobachtungen zeigten zudem, dass Rußmangaben Feuerfußhörnchen jagten und fraßen, was einen direkten Übertragungsweg für das Virus eröffnete.
Die Rolle von Hörnchen als Reservoir für das Affenpockenvirus wurde schon seit längerem vermutet. Bereits 1985 wurde MPXV aus einem Wildtier, einem Seilhörnchen in der Demokratischen Republik Kongo, isoliert. Auch bei einem Ausbruch in den USA im Jahr 2003 wurden importierte Eichhörnchen verdächtigt, die Krankheit bei Präriehunden ausgelöst zu haben. Bislang fehlte jedoch der direkte Nachweis, dass diese Tiere in freier Wildbahn Ausbrüche bei anderen Arten verursachen können. Die aktuellen Ergebnisse stellen einen bedeutenden Fortschritt dar und erweitern unser Verständnis über die Verbreitung des Virus in der Natur.
Die Feststellung, dass Feuerfußhörnchen eine Rolle bei der Übertragung des Virus spielen könnten, hat erhebliche Implikationen für die öffentliche Gesundheit. Da der Jagddruck auf größere Wildtiere in vielen Regionen zunimmt, werden kleinere Arten wie Hörnchen und Nagetiere zunehmend gejagt und verzehrt. Dies erhöht das Risiko einer Exposition gegenüber dem Affenpockenvirus und damit das Risiko zoonotischer Übertragungen auf den Menschen. Die Forscherinnen und Forscher betonen die Notwendigkeit, die Bevölkerung über die Risiken des Kontakts mit Wildtieren zu sensibilisieren, insbesondere Kinder.
Die Studie verdeutlicht auch die Bedeutung des One Health-Ansatzes, der die Wechselwirkungen zwischen der Gesundheit von Menschen, Tieren und der Umwelt berücksichtigt. Laut Fabian Leendertz, dem leitenden Autor der Studie, war diese Entdeckung nur durch jahrelange ökologische Forschung und kontinuierliche Gesundheitsüberwachung im Taï-Nationalpark möglich. Um die Risiken neu auftretender Infektionskrankheiten besser zu verstehen und ihnen präventiv zu begegnen, ist es entscheidend, solche Forschungsprojekte fortzuführen und auszubauen.
Zusammenfassend zeigt diese Studie, wie wichtig die enge Zusammenarbeit mit afrikanischen Partnern ist, um zoonotische Krankheiten effektiv zu bekämpfen. Nur durch starke, vertrauensvolle Partnerschaften mit lokalen Behörden und Forschungseinrichtungen kann eine nachhaltige Wirkung im Kampf gegen solche Krankheiten erzielt werden. Die Ergebnisse dieser Arbeit sind nicht nur für die betroffenen Regionen von Bedeutung, sondern tragen auch zu einem globalen Verständnis von Infektionskrankheiten und deren Prävention bei.
