Der Klimawandel hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Wassernutzung in der Landwirtschaft, insbesondere in wasserarmen Regionen wie Zentralasien. Eine aktuelle Studie des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) zeigt, dass trotz der Bemühungen der Landwirte, auf weniger wasserintensive Kulturen umzusteigen, der Wasserverbrauch in der Landwirtschaft in dieser Region kontinuierlich ansteigt. Die steigenden Temperaturen und der damit verbundene Wasserbedarf der Atmosphäre übersteigen mittlerweile die positiven Effekte, die durch Veränderungen im Anbauverhalten erzielt werden könnten. Dies führt zu einem erhöhten Druck auf die ohnehin begrenzten Wasserressourcen in einer der trockensten Gegenden der Welt.
Die Untersuchung konzentriert sich auf das Amu-Darja-Becken, das als das wichtigste Flusssystem Zentralasiens gilt. Mit Hilfe von Satellitendaten wurde die Evapotranspiration, also die Verdunstung von Wasser aus dem Boden und die Transpiration von Pflanzen, zwischen 1987 und 2019 analysiert. Die Ergebnisse sind alarmierend: Der gesamte Wasserverbrauch der Landwirtschaft ist in diesem Zeitraum um 10 % gestiegen, während der Wasserverbrauch pro Hektar sogar um 18 % zugenommen hat. Der Hauptverursacher dieses Anstiegs sind die steigenden Temperaturen und der erhöhte Wasserbedarf in der Atmosphäre, die zusammen den Wasserverbrauch um 21 % pro Hektar ansteigen ließen. Die landwirtschaftlichen Umstellungen, wie der Wechsel von wasserintensiven Kulturen wie Baumwolle hin zu weniger anspruchsvollen Pflanzen wie Winterweizen, konnten lediglich eine Reduktion von etwa 3 % des Anstiegs bewirken.
Die Hauptautorin der Studie, Daniela Peña-Guerrero, betont die Grenzen der Anpassungsfähigkeit in der Landwirtschaft. Selbst signifikante Anstrengungen zur Reduzierung des Wasserverbrauchs durch den Wechsel zu weniger durstigen Pflanzen können mit den wachsenden Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt, nicht mithalten. Besonders betroffen sind die Gebiete am Unterlauf des Amu-Darja, wo nach wie vor viele wasserintensive Pflanzen angebaut werden und die Bewässerungsinfrastruktur stark veraltet ist. Diese Faktoren führen zu einem hohen Wasserstress, der durch die steigenden Temperaturen und den wachsenden Wasserbedarf zusätzlich verschärft wird.
Die Ergebnisse dieser Studie sind nicht nur für Zentralasien von Bedeutung, sondern haben auch globale Relevanz. In irrigierten Trockengebieten ist es für die Zukunft entscheidend, die Effizienz der Wassernutzung zu verbessern. Dennoch zeigen die Ergebnisse, dass Effizienzsteigerungen und Anpassungen in der Landwirtschaft allein nicht ausreichen, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Ohne umfassende Maßnahmen zur Verringerung der Treibhausgasemissionen wird die Wasserknappheit weiter zunehmen, was nicht nur die Nahrungsmittelproduktion gefährdet, sondern auch die Lebensgrundlagen der ländlichen Bevölkerung und die regionale Stabilität bedroht.
Die Studie legt nahe, dass ein ganzheitlicher Ansatz erforderlich ist, um die Herausforderungen des Klimawandels in der Landwirtschaft zu bewältigen. Dazu gehören nicht nur technologische Innovationen und die Verbesserung der Bewässerungssysteme, sondern auch politische Maßnahmen, die darauf abzielen, den Wasserverbrauch nachhaltig zu steuern und die Resilienz der Landwirtschaft zu stärken. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass Entscheidungsträger und Landwirte gemeinsam Strategien entwickeln, um die negativen Auswirkungen des Klimawandels auf die Wassernutzung zu minimieren und die Nahrungsmittelversorgung in der Region langfristig zu sichern.
Insgesamt verdeutlicht die Studie die Dringlichkeit, mit der Maßnahmen ergriffen werden müssen, um den Herausforderungen des Klimawandels in Zentralasien zu begegnen. Die Notwendigkeit einer nachhaltigen Wasserbewirtschaftung und der Schutz der landwirtschaftlichen Ressourcen stehen im Mittelpunkt, um die Ernährungssicherheit und die Lebensqualität der Bevölkerung in dieser vulnerablen Region zu gewährleisten.
