Soziale Medien als Schlüssel zur Datenerweiterung in der Biodiversitätsforschung**

Soziale Medien als Schlüssel zur Datenerweiterung in der Biodiversitätsforschung**

Eine aktuelle Untersuchung hat ergeben, dass Fotos, die auf sozialen Medien geteilt werden, erheblich zur Verbesserung des Wissens über Biodiversität beitragen können. Besonders in Regionen, die bislang weniger erforscht wurden, können solche Daten wertvolle Lücken schließen. Diese Erkenntnisse stammen aus einer Studie, die im Fachjournal „Conservation Biology“ veröffentlicht wurde und von einem Team des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) sowie weiteren Institutionen wie der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Monash University durchgeführt wurde.

Die Forscher haben Bilder des südasiatischen Edelfalters (Acraea terpsicore) untersucht, die auf Plattformen wie Flickr und Facebook hochgeladen wurden. Durch die Kombination dieser Informationen mit bestehenden Daten der Global Biodiversity Information Facility (GBIF) konnten sie die Anzahl der dokumentierten Beobachtungen um beeindruckende 35 % steigern. Diese erweiterten Datensätze führten zu verbesserten Artenverbreitungsmodellen, die nicht nur bestehende Verbreitungsgebiete bestätigten, sondern auch neue Lebensräume aufdeckten, die zuvor nicht in den Blick gerückt worden waren. Solche Modelle sind entscheidend, um zu verstehen, wo Arten in Zukunft leben könnten und wie sich ihre Verbreitung aufgrund von Umweltveränderungen entwickeln könnte.

Ein besonders bemerkenswerter Aspekt der Studie ist die Erkenntnis, dass Daten aus sozialen Medien eine schnellere und umfassendere Erfassung der Artenverbreitung ermöglichen, insbesondere in Regionen, die bisher wenig erforscht sind. Dies ist besonders wichtig, da die vorhandenen GBIF-Datensätze in Gebieten mit niedrigeren Höchsttemperaturen, geringeren Niederschlägen und höheren Lagen oft unzureichend sind – Bedingungen, die für viele Arten aufgrund des Klimawandels von entscheidender Bedeutung sind. Dr. Shawan Chowdhury, der Erstautor der Studie, betont die Bedeutung dieser zusätzlichen Datenquellen, insbesondere in Ländern, in denen Biodiversitätsdatenbanken unterrepräsentiert sind.

Die Studie unterstreicht, dass die Beobachtungen von Einzelpersonen, die ihre Funde in sozialen Medien teilen, nicht ignoriert werden sollten. Diese Plattformen sind nicht nur ein Ort für private Erlebnisse, sondern bieten wertvolle Informationen, die das Verständnis der Verbreitung von Arten revolutionieren können. Die Autorin Prof. Dr. Aletta Bonn hebt hervor, dass die Beobachtungen anhand von Fotos eine wichtige Rolle dabei spielen, die sich rasch verändernde Biodiversität im Kontext des Klimawandels zu bewerten.

Der südasiatische Edelfalter wurde als Untersuchungsobjekt gewählt, da er sich nicht nur in seinem ursprünglichen Verbreitungsgebiet in Indien, Bangladesch und Sri Lanka wohlfühlt, sondern sich auch in andere süd- und südostasiatische Länder ausbreitet. Seine hohe Sichtbarkeit und gute Wiedererkennbarkeit machen ihn zu einem idealen Kandidaten für die Verfolgung von Veränderungen seines Verbreitungsgebiets anhand von Social-Media-Daten. Im Gegensatz dazu sind kryptische oder taxonomisch schwierige Gruppen wie Motten oder Käfer auf diesen Plattformen weniger häufig vertreten, was ihre Erfassung und Analyse erschwert.

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse bleibt die fachliche Überprüfung der Daten aus sozialen Medien unerlässlich. Laien könnten Arten falsch identifizieren oder nicht aussagekräftige Bilder posten. Dennoch argumentieren die Forscher, dass solche Bilder ein wertvolles und skalierbares Werkzeug darstellen, um nahezu in Echtzeit Veränderungen in der Verbreitung von Arten zu verfolgen.

Zusammenfassend zeigt die Studie, dass durch das Sammeln und Teilen von Daten in sozialen Medien ein umfassenderes und aktuelleres Bild der Biodiversitätsveränderungen gewonnen werden kann. In der heutigen Zeit tragen viele Menschen zur Dokumentation von Flora und Fauna bei, indem sie Apps wie iNaturalist oder die deutsche App Flora Incognita nutzen. Diese Beobachtungen fließen häufig in globale Datenbanken ein, doch wie die Studie zeigt, gibt es nach wie vor Regionen, die nicht ausreichend abgedeckt sind. Indem gemeinschaftlich gesammelte Daten – einschließlich der in sozialen Medien geteilten Informationen – genutzt werden, können wichtige Erkenntnisse über die Biodiversität und ihre Veränderungen im Zuge der globalen Erwärmung gewonnen werden.