Der Dialog zwischen sozialen Gerechtigkeitsfragen und ökologischen Herausforderungen: Ein notwendig…

Der Dialog zwischen sozialen Gerechtigkeitsfragen und ökologischen Herausforderungen: Ein notwendig…

Die Energiewende ist ein zentrales Thema unserer Zeit, das sowohl ökologische als auch soziale Fragestellungen aufwirft. Im Rahmen des Forschungsprojekts „Soziale (Un-)Gerechtigkeit in der Energiewende“ wird die Wechselwirkung zwischen sozialen Aspekten und den ökologischen Herausforderungen untersucht. Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die sozialen Dimensionen der Energiewende zu entwickeln, da diese Transformation weitreichende gesellschaftliche Veränderungen nach sich zieht, die unterschiedliche Gruppen unterschiedlich betreffen können.

Besonders Menschen mit geringem Einkommen sind häufig von den negativen Folgen des Klimawandels und den damit verbundenen Kosten klimapolitischer Maßnahmen betroffen. Ihre Perspektiven werden jedoch oft nicht ausreichend in den politischen Entscheidungsprozess einbezogen. Der Konflikt zwischen sozialen und ökologischen Interessen ist nicht statisch, sondern kann durch gezielte politische Maßnahmen verändert werden. Der Erfolg der Energiewende hängt entscheidend davon ab, wie gerecht die Maßnahmen wahrgenommen werden und inwieweit unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen, insbesondere einkommensschwache Menschen, in diese Prozesse einbezogen werden.

Das Forschungsprojekt, das von einem Konsortium aus dem Öko-Institut, der Technischen Universität Dortmund und der Evangelischen Hochschule Freiburg durchgeführt wird, beleuchtet, wie mediale Diskurse zur sozial-ökologischen Transformation entstehen und welche Rolle die soziale Gerechtigkeit dabei spielt. Ein zentrales Anliegen ist die Wahrnehmung der sozial-ökologischen Transformation durch Menschen mit geringem Einkommen sowie deren spezifische Bedürfnisse und Herausforderungen im Kontext der Energiekrise. Es wird untersucht, wie diese Gruppen besser in die Gestaltung und Umsetzung der Transformation einbezogen werden können.

Ein zentrales Ergebnis der bisherigen Forschung ist die Erkenntnis, dass die gesellschaftlichen Machtverhältnisse in den Ursachen und Folgen des Klimawandels deutlich werden. So sind ärmere Menschen oft weniger für den Klimawandel verantwortlich, leiden jedoch stärker unter dessen Auswirkungen. Gleichzeitig gibt es viele klimapolitische Maßnahmen, wie beispielsweise die CO2-Bepreisung, die einkommensschwache Haushalte überproportional belasten. Diese doppelte Ungerechtigkeit wird besonders im Wohnbereich sichtbar: Geringverdiener leben häufig in schlecht isolierten Wohnungen und in Stadtteilen, die stärker von Hitze und Lärm betroffen sind, was ihre gesundheitliche Situation weiter verschärfen kann.

Die Soziale Arbeit erkennt in diesem Kontext eine Verantwortung für die sozial-ökologische Transformation. Dies zeigt sich unter anderem in der Gründung von Fachgruppen, die sich mit Klimagerechtigkeit und sozialer Transformation auseinandersetzen. Dennoch zeigt sich, dass es zwischen den theoretischen Konzepten und der praktischen Umsetzung oft eine Lücke gibt. Der Fokus der Sozialen Arbeit liegt häufig auf individueller Unterstützung, was in Anbetracht der gesellschaftlichen Herausforderungen kontraproduktiv sein kann. Soziale Arbeit muss die Wechselwirkungen zwischen sozialen und ökologischen Fragen stärker in den Mittelpunkt ihrer Praxis rücken.

Die Interviews mit Sozialarbeitenden verdeutlichen, dass viele von ihnen zwar die Vielzahl an Krisen, wie Inflation und Klimawandel, wahrnehmen, jedoch die Klimakrise oft als weniger relevant für ihre tägliche Arbeit betrachten. Ökonomische Probleme dominieren häufig das Gespräch, während klimatische Herausforderungen als abstrakt und zukunftsorientiert wahrgenommen werden. Diese De-Thematisierung der Klimakrise in der Sozialen Arbeit führt dazu, dass klimapolitische Fragen oft nur als individuelles Konsumproblem behandelt werden.

Um die Rolle der Sozialen Arbeit in der sozial-ökologischen Transformation zu stärken, wird eine kritische Positionierung gefordert. Dies bedeutet, dass die Profession nicht nur Verantwortung für soziale Belange übernehmen sollte, sondern auch aktiv an der Schnittstelle zwischen sozialen und ökologischen Fragen arbeiten muss. Beispiele könnten die Unterstützung von Mietervereinen bei rechtlichen Fragen oder die Förderung von Partizipation in Stadtentwicklungsprozessen sein.

Im Rahmen von Workshops erarbeiten die Wissenschaftler*innen des Projekts gemeinsam mit Akteuren aus der Sozialen Arbeit und dem Energiebereich Lösungen, um die Beteiligung einkommensschwacher Gruppen zu fördern. Ziel ist es, Informationsmaterialien zu schaffen, die die Perspektive ärmerer Menschen in die gesellschaftliche Debatte einbringen und eine kritische Auseinandersetzung mit den Narrativen zur Energiewende anregen.

Das Forschungsprojekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert und läuft bis Anfang 2027. Es zeigt, dass ein Dialog zwischen sozialen und ökologischen Belangen nicht nur notwendig, sondern auch möglich ist, um eine gerechte und nachhaltige Transformation zu erreichen.