In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass extreme Wetterereignisse, insbesondere Hochwasser, durch den Klimawandel verstärkt auftreten. Diese Entwicklungen bringen nicht nur direkte Schäden mit sich, sondern auch versteckte Risiken für das Gesundheitssystem. Eine neue Studie des GFZ Helmholtz-Zentrums für Geoforschung und seiner Partner hat aufgedeckt, wie Hochwasser die Zugänglichkeit von Krankenhäusern und die Versorgung mit medizinischen Produkten beeinträchtigen kann, ohne dass diese Einrichtungen direkt überflutet werden. Diese Erkenntnisse sind entscheidend für die Verbesserung der Resilienzpläne im Gesundheitswesen.
Durch den Klimawandel wird erwartet, dass Extreme wie Hochwasser in Deutschland zunehmen. Während die unmittelbaren Auswirkungen von Überschwemmungen auf Krankenhäuser in der Regel im Vordergrund stehen, werden die indirekten Gefahren, die durch Verkehrsbehinderungen entstehen, oft übersehen. Diese können dazu führen, dass Patienten nicht rechtzeitig behandelt werden, was schwerwiegende Folgen für die öffentliche Gesundheit haben kann. Die aktuelle Studie hat sich daher zum Ziel gesetzt, diese bislang unzureichend beleuchtete Problematik näher zu untersuchen.
Das Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Seth Bryant hat ein neuartiges Modell entwickelt, das die Ausbreitung von Hochwasser in Verbindung mit den Verkehrswegen analysiert. Dadurch können sie simulieren, wie sich Hochwasser auf die Erreichbarkeit von Krankenhäusern auswirkt. Die Ergebnisse zeigen, dass viele Kliniken, die nicht direkt von Hochwasser betroffen sind, dennoch durch Verkehrsbehinderungen überlastet werden können. Die Studie, die in der Fachzeitschrift „Nature Communications Earth and Environment“ veröffentlicht wurde, stellt eine bedeutende Lücke in der Hochwasservorsorge dar.
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass Hochwasser zu einer erheblichen Erhöhung der Patientenzahlen in umliegenden Krankenhäusern führen kann. Der Forschungsansatz hat 75 Kliniken in Deutschland identifiziert, bei denen die Patientennachfrage aufgrund von Verkehrsbehinderungen um mehr als 30 Prozent steigen könnte. Alarmierend ist, dass ein Drittel dieser Einrichtungen mehr als zehn Kilometer von potenziellen Überschwemmungsgebieten entfernt liegt, was darauf hinweist, dass das Bewusstsein für diese Risiken unter Umständen gering ist.
Die Studie hat gezeigt, dass die Vulnerabilität von Krankenhäusern ein landesweites Problem darstellt. Viele Kliniken sind nicht in der Lage, die zusätzliche Patientenzahl zu bewältigen, was zu einer Überlastung und damit zu einer höheren Morbidität und Mortalität führen kann. Besonders besorgniserregend ist die Situation für 29 Krankenhäuser, in denen ein Anstieg der Nachfrage um mehr als 50 Prozent und in einigen Fällen sogar von 85 bis 400 Prozent möglich ist. Diese Erkenntnisse verdeutlichen, dass eine proaktive Katastrophenplanung und ein effektives Krisenmanagement unerlässlich sind, um die Gesundheitsinfrastruktur vor solchen Herausforderungen zu schützen.
Ein innovativer Aspekt der Studie ist die Kombination zweier Modellierungsansätze. Zum einen wurde ein bereits bestehendes Hochwassermodell genutzt, das über Jahre hinweg entwickelt wurde, um die Ausbreitung von Überschwemmungen auf Straßenebene genau darzustellen. Zum anderen wurde ein Verkehrsflussmodell integriert, das es ermöglicht, die Auswirkungen von Hochwasser auf Verkehrsströme und damit auf die Erreichbarkeit von Gesundheitseinrichtungen realistisch abzubilden. Diese Methodik erlaubt es, die komplexen Zusammenhänge zwischen Hochwasser, Verkehr und Gesundheit besser zu verstehen.
Abschließend lässt sich sagen, dass die Ergebnisse dieser Studie auf die Notwendigkeit hinweisen, die Gesundheitsversorgung in Deutschland besser auf extreme Wetterereignisse vorzubereiten. Die Identifizierung versteckter Risiken und die Entwicklung geeigneter Strategien zur Minderung dieser Gefahren sind entscheidend, um die Widerstandsfähigkeit des Gesundheitssystems zu erhöhen. Die Forschungsgruppe plant, ihre Modelle weiterzuentwickeln und auch auf andere geografische Regionen und Infrastrukturnetzwerke anzuwenden. Nur durch koordinierte Anstrengungen und den Austausch von Ressourcen zwischen Ländern kann der steigende Bedarf an Gesundheitsdienstleistungen im Katastrophenfall effektiv bewältigt werden.
