Dringlichkeit der Begrenzung der globalen Erwärmung auf unter 2°C zur Vermeidung kritischer Kipppun…

Dringlichkeit der Begrenzung der globalen Erwärmung auf unter 2°C zur Vermeidung kritischer Kipppun…

Die Notwendigkeit, die globale Temperaturerhöhung auf unter 2°C zu begrenzen, ist entscheidend, um die Risiken von sogenannten Kipppunkten im Erdsystem zu minimieren. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung, die von einem internationalen Forscherteam des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), der Universität Exeter und dem Zentrum für internationale Klimaforschung (CICERO) durchgeführt wurde und kürzlich veröffentlicht wurde. Die Studie legt nahe, dass es nicht nur wichtig ist, die Erwärmung unter 2°C zu halten, sondern dass auch eine schnelle Absenkung der Temperaturen unter 1,5°C notwendig ist, um schwerwiegende ökologische Folgen zu verhindern.

Kipppunkte sind kritische Schwellenwerte, bei deren Überschreitung stabile Teilsysteme der Erde in einen neuen, oft instabilen Zustand übergehen. Eine vergleichsweise geringe Veränderung in den Umweltbedingungen kann in der Folge tiefgreifende und selbstverstärkende Veränderungen hervorrufen, die häufig irreversibel sind. Zu diesen sensiblen Teilsystemen zählen unter anderem tropische Korallenriffe, der Amazonas-Regenwald sowie der Permafrostboden und die großen Eisschilde Grönlands und der Antarktis. Die Autoren der Studie warnen, dass bereits bei einer Temperaturerhöhung von unter 2°C bis zu acht dieser Kipppunkte erreicht werden könnten.

Die Arbeit basiert auf einem Kapitel des kürzlich veröffentlichten „Global Tipping Points Report“, der auf der Weltklimakonferenz COP30 in Belém, Brasilien, vorgestellt wurde. Co-Autor Nico Wunderling vom PIK und der Goethe-Universität Frankfurt äußert sich besorgt über die Möglichkeit, dass selbst ein geringfügiges Überschreiten des 1,5°C-Limits bis zu fünf Kipppunkte im Erdsystem aktivieren könnte. Angesichts der gegenwärtigen Trends wird erwartet, dass die globale Erwärmung bis zum Ende der 2020er-Jahre oder in den 2030er-Jahren die 1,5°C-Marke überschreiten wird.

Ein besonderes Augenmerk wird auf Teilsysteme gelegt, die äußerst empfindlich auf Temperaturerhöhungen reagieren. Dr. Paul Ritchie vom Global Systems Institute der Universität Exeter erklärt, dass obwohl der Kippeffekt nicht sofort nach Überschreiten der 1,5°C-Grenze eintreten könnte, das Risiko eines solchen Übergangs besteht. Wenn es gelingt, die maximale Temperaturerhöhung zu begrenzen und die Zeitspanne, in der die 1,5°C-Grenze überschritten wird, zu verkürzen, könnte man möglicherweise ein Kippen der Systeme verhindern.

Ein Beispiel für ein besonders empfindliches System sind die tropischen Korallenriffe, die schnell auf Temperaturerhöhungen reagieren. Im Gegensatz dazu gibt es Systeme, deren Reaktionszeiten langsamer sind und die weniger empfindlich auf vorübergehende Temperaturüberschreitungen reagieren. Laut Norman Steinert, Co-Autor der Studie bei CICERO, ist es entscheidend, den Höchstwert der Temperaturerhöhung zu minimieren, aber noch wichtiger ist es, die Dauer des Überschreitens dieser Grenze so kurz wie möglich zu halten. Je höher die Temperatur während eines „Overshoots“, desto schwieriger wird es, die Temperaturen wieder auf ein sicheres Niveau zu senken und desto länger wird der Zeitraum des Überschreitens.

Die Ergebnisse dieser Studie unterstreichen die Dringlichkeit, entschlossene Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen zu ergreifen. Um die gravierenden Folgen für das Erdsystem zu vermeiden, sind globale Anstrengungen erforderlich, die nicht nur darauf abzielen, die Temperaturerhöhung zu begrenzen, sondern auch darauf, die bestehenden Systeme zu stabilisieren und ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken. Dies erfordert eine enge internationale Zusammenarbeit und die Implementierung effektiver Politiken, die auf nachhaltige Entwicklung und den Schutz der Umwelt abzielen. Wenn wir nicht handeln, riskieren wir nicht nur die Stabilität zahlreicher Ökosysteme, sondern auch die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen.