Innovative Forschungsansätze aus Eberswalde: Auszeichnung der BioThesis-Preise 2026**

Innovative Forschungsansätze aus Eberswalde: Auszeichnung der BioThesis-Preise 2026**

Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) hat mit herausragenden Forschungsarbeiten auf sich aufmerksam gemacht, die in der aktuellen Diskussion um nachhaltige Landwirtschaft und gesellschaftliche Verantwortung von großer Bedeutung sind. Im Rahmen der renommierten Biofachmesse BIOFACH in Nürnberg wurden zwei Absolventen der HNEE mit den BioThesis-Preisen 2026 ausgezeichnet. Diese Ehrungen unterstreichen die Relevanz ihrer Arbeiten für die Praxis und die gesellschaftliche Transformation im Bereich Landwirtschaft.

Julia Dahl erhielt den Preis für die beste Masterarbeit, während Florian Fassbinders Bachelorarbeit zu den drei besten Arbeiten des Jahres zählte. Ihre Forschungsprojekte zeigen auf, wie wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nur theoretische Analysen liefern, sondern auch konkrete Veränderungen in der Landwirtschaft ermöglichen können.

Die Herausforderungen, vor denen die Landwirtschaft steht, sind vielfältig. Wirtschaftliche Unsicherheiten, gesellschaftliche Erwartungen und hoher Arbeitsaufwand belasten die Betriebe. Julia Dahls Masterarbeit mit dem Titel „Der Mensch im System Landwirtschaft – Der Beitrag der Selbstfürsorge zum Erhalt der psychischen Gesundheit“ widmet sich einer bislang wenig erforschten Thematik: der psychischen Gesundheit von Landwirten. In ihrer Arbeit untersucht sie, wie Selbstfürsorge im Alltag der Betriebe integriert werden kann. Sie entwickelte ein innovatives Interviewformat, das es den Befragten ermöglicht, ihre persönlichen Erfahrungen zu teilen und gleichzeitig die strukturellen Herausforderungen innerhalb der Landwirtschaft sichtbar zu machen.

Dr. Marianne Nobelmann, die Julia Dahls Arbeit betreute, hebt hervor, dass die Kombination aus wissenschaftlicher Genauigkeit und Sensibilität für die Lebensrealitäten der Landwirte die Relevanz des Themas verdeutlicht. Dahl selbst betont, dass es wichtig ist, bei der Diskussion über nachhaltige Landwirtschaft auch die Bedürfnisse der Menschen, die diese Landwirtschaft betreiben, zu berücksichtigen. Für sie ist Selbstfürsorge keine bloße Option, sondern eine essentielle Voraussetzung, um langfristig Verantwortung tragen zu können. Ihre Ergebnisse finden bereits über den akademischen Bereich hinaus Beachtung und werden in der Beratung sowie in Fachkreisen diskutiert.

Florian Fassbinder hat sich in seiner Bachelorarbeit mit einer weiteren zentralen Fragestellung der nachhaltigen Landwirtschaft auseinandergesetzt: der rechtlichen Einordnung neuer, gemeinschaftlich getragenen Wirtschaftsmodelle. Diese Form der solidarischen Landwirtschaft bringt Produzenten und Verbraucher direkt zusammen und fördert regionale Versorgungsstrukturen. Allerdings geraten viele dieser Betriebe in rechtliche Grauzonen, insbesondere im Hinblick auf Bau-, Steuer- und Sozialversicherungsrecht. Fassbinder analysierte die Situation betroffener Betriebe und entwickelte darauf basierende Handlungsempfehlungen für Verwaltung, Politik und die Praxis.

Prof. Dr. Jens Pape, der die Bachelorarbeit betreute, hebt hervor, dass Fassbinder komplexe Fragestellungen klar und wissenschaftlich fundiert aufbereitet hat, während er gleichzeitig praktische Lösungsvorschläge formulierte. Fassbinder selbst sieht in der solidarischen Landwirtschaft eine vielversprechende Form der Direktvermarktung, die jungen Betrieben wirtschaftliche Perspektiven eröffnet. Er plädiert dafür, dass die Behörden bereit sind, innovative Ansätze zu unterstützen und neue Wege zu beschreiten.

Die Auszeichnungen der beiden Absolventen verdeutlichen, wie eng Forschung, praktische Anwendung und gesellschaftliche Veränderungen an der HNEE miteinander verknüpft sind. Beide Arbeiten kombinieren wissenschaftliche Tiefe mit unmittelbarem Nutzen für landwirtschaftliche Betriebe, Beratungsstellen, Verwaltung und politische Entscheidungsträger. Sie machen deutlich, dass Nachhaltigkeit weit über ökologische Kennzahlen hinausgeht; sie umfasst auch Aspekte wie die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen sowie die Integration neuer Ideen in bestehende Strukturen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Forschungsarbeiten von Julia Dahl und Florian Fassbinder nicht nur theoretische Erkenntnisse liefern, sondern auch konkret zur Transformation der Landwirtschaft beitragen können. Ihre Ansätze zeigen, dass eine nachhaltige Landwirtschaft nicht nur von ökologischen Faktoren abhängt, sondern auch von der Berücksichtigung der sozialen Dimensionen, die für die Zukunft entscheidend sind.