Dringender Handlungsbedarf: Unterschätzte Bienenvielfalt erfordert intensivere Forschung und Schutz…

Dringender Handlungsbedarf: Unterschätzte Bienenvielfalt erfordert intensivere Forschung und Schutz…

Die Vielfalt der Bienenarten auf unserem Planeten ist weitaus größer, als bislang angenommen. Eine neue wissenschaftliche Studie hat nun umfassende und fundierte Schätzungen zur weltweiten Bienenartenvielfalt veröffentlicht, die sowohl auf globaler als auch auf kontinentaler und nationaler Ebene durchgeführt wurden. Diese Forschung, geleitet von Dr. James Dorey von der University of Wollongong in Australien und unterstützt von Dr. Michael Orr vom Naturkundemuseum Stuttgart, zeigt nicht nur auf, wie viele Bienenarten bisher übersehen wurden, sondern betont auch die entscheidende Rolle der taxonomischen Grundlagenforschung für den Schutz der biologischen Vielfalt.

Laut den Schätzungen der Forschenden existieren weltweit mindestens 1,5 Millionen Insektenarten, wobei die tatsächliche Zahl möglicherweise noch höher ist. Das Schließen dieser Wissenslücken ist von entscheidender Bedeutung, um einen Rückgang der Arten zu überwachen, Lebensräume zu schützen und die Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen besser einschätzen zu können. Die Studie, die in der renommierten Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde, bietet erstmals eine umfassende statistische Grundlage zur Bienenartenvielfalt, die für den Naturschutz und die globale Ernährungssicherheit von essenzieller Bedeutung ist.

Bienen spielen eine zentrale Rolle in der Natur als Bestäuber und sind unverzichtbar für gesunde Ökosysteme sowie für eine nachhaltige Landwirtschaft. Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass viele Wildbienenarten noch nicht klassifiziert sind, und viele von ihnen könnten bereits in Gefahr sein. Dr. Michael Orr, einer der Hauptautoren der Studie, betont, dass unser Wissen über den Beitrag dieser Arten zu den Ökosystemen begrenzt ist, was die Folgen ihres Verlusts für die Biodiversität und die Landwirtschaft unvorhersehbar macht. Daher ist es umso wichtiger, diese Arten zu identifizieren und ihre ökologischen Rollen eingehender zu untersuchen.

Bislang waren viele vorherige Schätzungen zur Bienenvielfalt ungenau oder basierten auf unvollständigen Daten. Das Forschungsteam hat eine Vielzahl von globalen Datensätzen sowie wissenschaftlichen Aufzeichnungen ausgewertet und ist zu dem Schluss gekommen, dass es weltweit zwischen 24.705 und 26.164 Bienenarten gibt. Daraus ergibt sich, dass zwischen 3.700 und 5.200 Wildbienenarten möglicherweise noch unentdeckt sind. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Dringlichkeit, die biologische Vielfalt besser zu schützen und zu dokumentieren, insbesondere im Hinblick auf den globalen Umweltwandel.

Die Studie weist zudem auf die Herausforderungen hin, mit denen der Schutz und die Erforschung von Wildbienen konfrontiert sind. Dazu zählen Datenmangel, Artensterben sowie politische und kulturelle Barrieren. Die Forschenden empfehlen, dass wohlhabendere Länder aktiv den Aufbau wissenschaftlicher Kompetenzen und internationale Kooperationen unterstützen sollten. Insbesondere in Regionen wie Afrika, Asien, Mittel- und Südamerika, wo eine hohe Artenvielfalt auf einen Mangel an Ressourcen trifft, sind gezielte Maßnahmen erforderlich. Selbst in wohlhabenden Ländern, wie Australien, gibt es Herausforderungen hinsichtlich der Art und Weise, wie Arten beschrieben werden, was zu einer Unterschätzung ihrer Anzahl führt.

Um den Wissenslücken entgegenzuwirken, ist eine verstärkte internationale Zusammenarbeit sowie der Einsatz molekularer Methoden zur Artenidentifikation entscheidend. Die meisten noch unbekannten Bienenarten dürften in Asien vermutet werden, gefolgt von Afrika, Südamerika, Nordamerika, Europa und Ozeanien. Das Forschungsteam hat ein statistisches R-Paket-Framework entwickelt, das als innovatives Analysetool dient, um die Schätzungen der Artenvielfalt zu verbessern und eine einheitliche Methodik zu gewährleisten. Dieses Werkzeug ermöglicht es Wissenschaftlern weltweit, einheitliche Standards zu verwenden und einen gemeinsamen Konsens über die Artenzahlen zu erzielen, was für gezielte Schutzmaßnahmen unerlässlich ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die neu gewonnenen Erkenntnisse über die Bienenvielfalt einen klaren Handlungsbedarf aufzeigen. Um die biologischen Ressourcen zu bewahren und die Gesundheit unserer Ökosysteme zu sichern, sind intensivere Forschungsanstrengungen sowie effektive Schutzmaßnahmen notwendig. Nur durch ein besseres Verständnis der Vielfalt und der Rolle der Bienen in der Natur können wir die notwendigen Schritte unternehmen, um ihren Fortbestand zu sichern.