Plastikmüll in der Spree: Eine umfassende Analyse der Verschmutzung in Berlin**

Plastikmüll in der Spree: Eine umfassende Analyse der Verschmutzung in Berlin**

Eine aktuelle Studie des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Zusammenarbeit mit der italienischen Roma Tre Universität hat alarmierende Ergebnisse zur Müllbelastung in der Berliner Spree und ihren Nebenflüssen erbracht. Die Untersuchung zeigt, dass beeindruckende 96 Prozent des gefundenen Abfalls aus Plastik besteht. Besonders auffällig ist, dass etwa ein Drittel dieses Plastikmülls aus Lebensmittelverpackungen stammt. Jüngste Erkenntnisse, die im Fachjournal „Environmental Research“ veröffentlicht wurden, identifizieren spezifische Hotspots entlang der Gewässer und geben Empfehlungen zur effektiven Müllreinigung.

Im Zeitraum von November bis Dezember 2021 führte das Forschungsteam umfassende Probenahmen an 27 Brücken über die Spree sowie über den Havel, den Teltowkanal und den Landwehrkanal durch. Auf einer Gesamtfläche von 20.250 Quadratmetern untersuchten die Wissenschaftler die Zusammensetzung des Mülls sowie dessen Verteilung entlang der verschiedenen Flussabschnitte. Die Ergebnisse zeigen, dass Lebensmittelverpackungen mit etwa 35 Prozent den größten Anteil am Plastikmüll ausmachen, gefolgt von Zigarettenfiltern, die ebenfalls aus Kunststoff bestehen. Das am häufigsten gefundene Material war Polypropylen, das 41 Prozent des gesamten Plastikabfalls ausmachte.

Die Studie hebt hervor, dass die Menge an Plastikmüll aufgrund der Jahreszeit und der Auswirkungen der Corona-Pandemie möglicherweise geringer war als in anderen Jahren. Im Durchschnitt fanden die Forscher etwa zwei große Plastikteile pro zehn Quadratmeter Wasserfläche. Der Erstautor der Studie, Dr. M. C. M. Blettler, erklärte, dass die Ergebnisse im Sommer wahrscheinlich höher ausgefallen wären, da die Mobilität der Menschen 2021 durch die Pandemie stark eingeschränkt war. Auch die Anzahl der weggeworfenen Masken war überraschend gering, was auf die besonderen Umstände des Untersuchungszeitraums hinweist.

Im europäischen Vergleich zeigt die Studie, dass die Müllkonzentration in der Spree am unteren Ende der Skala liegt. Zum Beispiel wurden in einer Untersuchung an den Ufern des Adour in Südwestfrankreich im Jahr 2018 durchschnittlich 14 Plastikteile pro Quadratmeter gefunden. In städtischen Gebieten in Zentralitalien wurden sogar Spitzenwerte von 28 Teilen pro Quadratmeter erreicht. In Berlin jedoch wiesen die Moabiter Brücke und die Mörschbrücke (Westhafenkanal) die höchste Konzentration an Plastikmüll auf, gefolgt von der Weidendammer Brücke (Spree) und dem Hiroshimasteg (Landwehrkanal).

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die Erkenntnis, dass der Müll an den Ufern der Spree, insbesondere in städtischen Bereichen mit künstlichen Uferbefestigungen, nur in eine Richtung – ins Wasser – fließt. Diese Beton- und Steinstrukturen erschweren die Rückführung des Mülls ans Ufer, was zu einer Ansammlung von Plastikmüll im Fluss führt. Dr. Alexander Sukhodolov, Mitautor der Studie, erläuterte, dass der Müll häufig durch Wind oder Regen ins Wasser gelangt, aber aufgrund der hohen Spundwände nicht mehr ans Ufer zurückkommt. Dies steht im Gegensatz zu natürlichen Flussverläufen, bei denen Müll durch das Wasser wieder an das Ufer gespült wird.

Die Autoren der Studie empfehlen daher, den Fokus auf die Reinigung und Pflege der Uferzonen zu legen. Indem man die Bereiche identifiziert, aus denen der meiste Müll in die Gewässer gelangt, können gezielte Maßnahmen zur Reduzierung der Plastikverschmutzung ergriffen werden. Diese Forschungsergebnisse sind entscheidend, um die Ursprünge und die räumliche Verteilung des Plastikmülls besser zu verstehen und um effektive Strategien zur Überwachung und Reinigung der Gewässer zu entwickeln.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Studie des IGB und der Roma Tre Universität auf die alarmierende Situation der Plastikverschmutzung in der Berliner Spree hinweist und wichtige Hinweise für zukünftige Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität gibt. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit eines bewussteren Umgangs mit Plastik und einer intensiveren Aufklärung der Öffentlichkeit über die Auswirkungen von Müll auf unsere Gewässer.