Die Gesellschaft im Wandel der Energie: Professorin Katja Müller beleuchtet soziale Aspekte der Ene…

Die Gesellschaft im Wandel der Energie: Professorin Katja Müller beleuchtet soziale Aspekte der Ene…

Die Energiewende ist ein komplexes und bedeutendes Projekt, das nicht nur die Art und Weise verändert, wie wir Energie erzeugen und konsumieren, sondern auch tiefgreifende Auswirkungen auf unser tägliches Leben, unsere Arbeitsweise und die zwischenmenschlichen Beziehungen hat. Professorin Katja Müller, Heisenberg-Professorin für Technologie, Ethik und Gesellschaft an der Hochschule Merseburg, widmet sich in ihrem neuen Buch „Unter Strom: Wie Energie Gesellschaft formt“ der sozialen Dimension dieser Transformation.

Müller beschäftigt sich in ihrer interdisziplinären Forschung mit den Prozessen der Veränderung und Entscheidungsfindung, die mit der Umstellung der Energiesysteme verbunden sind. Im Mittelpunkt ihrer Analysen stehen essentielle Fragen: Wie gelingt der Übergang von fossilen Energieträgern zu nachhaltigeren Alternativen? Welche Rolle spielt die Digitalisierung und welche neuen Infrastrukturen sind notwendig? Darüber hinaus beschäftigt sie sich mit der Gerechtigkeit und Sicherheit der zukünftigen Energiesysteme.

„Technische Systeme existieren nicht isoliert, sondern stehen in wechselseitigen Beziehungen zu sozialen und politischen Strukturen“, erklärt Müller. „Der Mensch gestaltet Technologien bewusst und verwendet sie in einem bestimmten Kontext, während diese Technologien gleichzeitig soziale Praktiken und politische Prozesse beeinflussen.“ Vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung und der tiefgreifenden Veränderungen im Energiebereich ist das Verständnis dieser Wechselwirkungen von entscheidender Bedeutung.

Ein zentrales Thema in Müllers jüngster Forschung ist die Schnittstelle zwischen Digitalisierung und Energiewende. Sie untersucht die Wechselwirkungen zwischen digitaler Netzsteuerung, Energieerzeugung und den Marktmechanismen, die durch automatisierte Systeme beeinflusst werden. In diesem Zusammenhang analysiert sie auch die gesellschaftlichen und ethischen Herausforderungen, die mit dem Einsatz neuer Technologien verbunden sind. Wer profitiert von den Fortschritten in der Technologie, und wer trägt die damit verbundenen Risiken? Zudem stellt sie die Frage, ob wir alles umsetzen sollten, was technisch möglich ist, oder ob ethische Überlegungen den Handlungsspielraum begrenzen sollten.

In ihrem Buch bündelt Müller diese unterschiedlichen Perspektiven und geht der Frage nach, wie Energie als zentrale Kategorie unserer Gesellschaft wahrgenommen wird. Sie reflektiert dabei die wachsenden Unsicherheiten und Ängste, die viele Menschen in Bezug auf die aktuellen Energiesysteme empfinden. Ihr analytischer Ansatz betrachtet das deutsche Stromsystem als einen soziotechnischen Prozess und beleuchtet dabei verschiedene gesellschaftliche Herausforderungen.

Müller untersucht sechs Schlüsselbereiche – Stromnetze, Kohle, Windkraft, Solarenergie, Gas und die Rolle der Digitalisierung. Durch diese Analyse will sie aufzeigen, wie Einstellungen, Praktiken und Veränderungsprozesse im Energiesektor, insbesondere in Ostdeutschland, miteinander verknüpft sind. Mit ihrem Buch möchte sie nicht nur ihre Forschungsergebnisse einem breiteren Publikum zugänglich machen, sondern auch zur gesellschaftlichen Debatte über die Gestaltung einer gerechten und zukunftsfähigen Energieversorgung beitragen.

Die Heisenberg-Professorin Müller wurde im Rahmen des Heisenberg-Programms der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert, was eine bedeutende Auszeichnung für ihre herausragenden wissenschaftlichen Leistungen darstellt. Die Hochschule Merseburg nutzt diese Professur, um die beiden Forschungsfelder „Digitaler Wandel“ und „Nachhaltige Prozesse“ miteinander zu verknüpfen. Dadurch positioniert sich die Hochschule in einem relevanten Forschungsbereich, der sowohl für politische Entscheidungsträger als auch für die Wirtschaft und die Zivilgesellschaft von großer Bedeutung ist.

Insgesamt bietet Müllers Buch eine tiefgehende Analyse und reflektiert die vielschichtigen Zusammenhänge zwischen Energie, Technik und Gesellschaft. Es ist ein Aufruf zur Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen und zukünftigen Rolle von Energiesystemen in unserem Leben und zeigt auf, wie wichtig es ist, diese Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen.