Kosteneffiziente Erreichung der Klimaziele durch optimierten Emissionshandel**

Kosteneffiziente Erreichung der Klimaziele durch optimierten Emissionshandel**

Eine aktuelle Untersuchung des ZEW Mannheim zeigt auf, dass die bevorstehende Implementierung eines neuen EU-Emissionshandelsystems (ETS2) für Gebäude und den Straßenverkehr, das ab 2028 in Kraft treten soll, die europäische Klimapolitik erheblich kosteneffizienter gestalten kann. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass dieses System tatsächlich als ein marktbasiertes Instrument konzipiert wird, das die gewünschten Effekte erzielt.

Laut der Studie belaufen sich die kumulierten volkswirtschaftlichen Kosten der bestehenden EU-Klimapolitik in der Zeitspanne von 2028 bis 2048 auf über fünf Billionen Euro. Ein besser gestalteter ETS2 könnte diese Kosten um mehr als 20 Prozent, das entspricht rund 824 Milliarden Euro, reduzieren. Prof. Dr. Sebastian Rausch, der die Studie geleitet hat, betont, dass ein einheitlicher CO₂-Preis auf EU-Ebene dazu beitragen kann, Emissionen dort zu senken, wo es am kostengünstigsten ist. In der gegenwärtigen Situation hemmen jedoch nationale Budgets und überlappende Maßnahmen dieses Prinzip.

Ein effizienter ETS2 ist keine Selbstverständlichkeit. Seine Vorteile können nur dann realisiert werden, wenn er nicht durch nationale Vorgaben und doppelte Regulierungen behindert wird. Rausch fordert, dass das Preissignal des ETS2 zur Geltung kommen muss und dass gesellschaftliche Verteilungskonflikte über eine gezielte Rückverteilung der Einnahmen gelöst werden sollten, anstatt durch Preisdeckelungen oder Ausnahmen.

Die Analyse des ZEW zeigt signifikante Preisunterschiede im bestehenden System. Der CO₂-Preis im aktuellen EU-Emissionshandel (ETS1) könnte bis zur Mitte der 2040er Jahre auf etwa 180 bis 200 Euro pro Tonne steigen. Im Gegensatz dazu liegen die impliziten CO₂-Preise in den Sektoren, die vom ETS1 nicht erfasst werden, wie beispielsweise dem Gebäude- und Verkehrssektor, im EU-Durchschnitt bei bis zu 360 Euro pro Tonne. Diese Fragmentierung führt dazu, dass Emissionen nicht dort reduziert werden, wo es am kosteneffizientesten wäre. Um dies zu ändern, wäre eine Vereinheitlichung der CO₂-Preise in der EU, sprich eine Integration von ETS1 und ETS2, erforderlich.

Ein weiteres Hindernis für die Effizienzsteigerung des ETS2 sind die bereits bestehenden nationalen Maßnahmen in den betroffenen Sektoren. Diese bestehen aus einer Vielzahl von ordnungsrechtlichen Vorgaben, Standards und Förderprogrammen, die zwar Marktbarrieren abbauen können, jedoch gleichzeitig die Flexibilität des ETS2 hinsichtlich der Preisgestaltung einschränken. Das Gutachten zeigt, dass die EU-weite CO₂-Bepreisung ihr volles Potenzial nur dann entfalten kann, wenn der ETS2 nicht durch verbindliche nationale CO₂-Budgets und technologiepolitische Vorgaben behindert wird. Langfristig würden die Vorteile für die Gesellschaft erheblich steigen, insbesondere wenn ehrgeizige Reduktionsziele verfolgt werden, die zu einer Erhöhung der Grenzvermeidungskosten führen.

Die Methodik der Untersuchung basiert auf einem neu entwickelten dynamischen makroökonomischen Gleichgewichtsmodell, das die Wirtschaftsaktivitäten der 27 EU-Mitgliedstaaten abbildet. Dieses Modell simuliert verschiedene Politikszenarien bis zum Jahr 2050 und berücksichtigt dabei unter anderem die Wechselwirkungen zwischen ETS1, ETS2, nationalen Emissionsbudgets sowie nicht marktbasierten Maßnahmen.

Die Ergebnisse dieser Studie verdeutlichen, dass ein optimal gestalteter Emissionshandel eine entscheidende Rolle bei der Erreichung der Klimaziele spielen kann. Dabei ist es von zentraler Bedeutung, die richtige Balance zwischen nationalen und europäischen Vorgaben zu finden und das Preissignal des CO₂ marktorientiert zu gestalten. Nur so können die Kosten für den Klimaschutz signifikant gesenkt und die gesteckten Ziele effizient und effektiv erreicht werden.