Die Umsiedlung oder der Umgang mit verletzten Wildtieren ist oft eine herausfordernde Situation, die schnelles Handeln erfordert. Vor allem in der Frühlingszeit, wenn viele Tiere ihre Jungen zur Welt bringen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen auf hilfsbedürftige Tiere stoßen. Um in solchen Fällen rasch und kompetent helfen zu können, wurde die App Wildtier-SOS ins Leben gerufen. Diese Anwendung, die von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover entwickelt wurde und mit rund 250.000 Euro von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert wird, bietet eine benutzerfreundliche Lösung zur Identifizierung und Unterstützung verletzter oder verlassener Wildtiere.
Das Hauptziel der Wildtier-SOS-App ist es, Tierleid zu vermeiden, indem sie eine schnelle und präzise Hilfe für Tiere in Not bereitstellt. Oft sind Menschen, die ein scheinbar verwaistes Jungtier finden, unsicher über das richtige Handeln. Sie neigen dazu, das Tier aus seiner natürlichen Umgebung zu entfernen, was jedoch nicht immer die richtige Entscheidung ist. Prof. Dr. Michael Pees von der Stiftung Tierärztliche Hochschule hebt hervor, dass es vielen Menschen an Wissen über die angemessene Vorgehensweise fehlt, was zu unnötigem Leid bei den Tieren führen kann.
Die App Wildtier-SOS ist so konzipiert, dass sie Nutzern hilft, innerhalb kürzester Zeit die richtige Unterstützung zu finden. Durch die Beantwortung weniger Ja- oder Nein-Fragen kann der Nutzer die Tierart sowie die jeweilige Situation bestimmen. Dies geschieht in der Regel innerhalb von zwei Fragen. Im Anschluss wird er durch spezifische Informationen darüber informiert, ob und wie das Tier Hilfe benötigt. Beispielsweise kann es sein, dass ein allein gelassenes Rehkitz im Feld nicht sofort Hilfe benötigt, da die Mutter in der Nähe ist. In solchen Fällen gibt die App Handlungsvorschläge, die auf das Wohl des Tieres abzielen.
Sollte es sich jedoch um ein wirklich hilfsbedürftiges Tier handeln, vermittelt die App schnell Kontakt zu den zuständigen Ansprechpartnern wie Wildtierstationen, Veterinärkliniken oder auch lokalen Behörden und Rettungsdiensten. Hierbei zählt jede Minute, und die App sorgt dafür, dass die Nutzer schnell die benötigte Hilfe finden können.
Ein weiterer Aspekt, den die App ansprechen möchte, ist die Sensibilisierung der Menschen für den Schutz der Wildtiere. Viele Tiere werden unnötig aus ihrer Umgebung entfernt, weil die Menschen in guten Absichten handeln, ohne die Folgen zu bedenken. Pees argumentiert, dass ein besseres Verständnis und mehr Informationen zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit Wildtieren führen könnten. Die App soll dazu beitragen, Wildtierpopulationen zu stabilisieren und den Biodiversitätsschutz zu fördern.
Aktuell umfasst die Datenbank der App rund 100 der häufigsten Wildtierarten in Deutschland, was etwa 95 Prozent der Fälle abdeckt, die in der Praxis auftreten können. Darüber hinaus sind mehr als 4.000 Notfallkontakte in der App hinterlegt, um eine umfassende Unterstützung zu gewährleisten. Die Entwickler planen, diese Datenbank weiter auszubauen, um noch mehr Arten und Anlaufstellen zu integrieren.
Ein zukunftsweisendes Feature, das in Planung ist, ist die Integration einer KI-gestützten Tiererkennung durch die Handykamera. Dies würde es Nutzern ermöglichen, die Art des gefundenen Tieres ohne Vorwissen zu identifizieren, was besonders in unklaren Fällen hilfreich wäre. Diese Entwicklung wird ebenfalls von der DBU unterstützt und könnte die App zu einer zentralen Plattform für Informationen über Wildtiere ausbauen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Wildtier-SOS-App ein wertvolles Instrument für alle ist, die in der Natur auf Wildtiere treffen. Sie bietet nicht nur schnelle Hilfestellungen, sondern auch eine Möglichkeit, sich aktiv am Schutz der heimischen Fauna zu beteiligen. Durch die Einbindung der Öffentlichkeit in Citizen-Science-Projekte können wichtige Daten zur Wildtierforschung gesammelt werden, die wiederum dem Schutz und der Erhaltung dieser Arten dienen. Die App steht ab sofort kostenlos zum Download zur Verfügung und ist auf den gängigen Plattformen erhältlich.


















































