Eine umfassende internationale Studie, die unter der Leitung von Biochemikern der University of California, Riverside, durchgeführt wurde, zeigt, dass kein untersuchter Bereich der Weltmeere frei von chemischen Einflüssen des Menschen ist. Diese Forschung, an der auch die Eberhard Karls Universität Tübingen beteiligt war, hat ergeben, dass von Menschen hergestellte Chemikalien in einem bislang unbekannten Ausmaß in die Küstenmeere eindringen.
Das Team unter der Leitung von Jarmo-Charles Kalinski und Daniel Petras analysierte mehr als 2.300 Wasserproben aus über 20 verschiedenen Feldstudien, die über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren in den Ozeanen des Pazifiks, Atlantics und Indischen Ozeans erhoben wurden. Die Ergebnisse dieser Studie wurden in der Fachzeitschrift Nature Geoscience veröffentlicht.
Die Forscher fanden in allen Proben eindeutige chemische Signaturen menschlicher Aktivitäten, selbst an Orten, die als unberührt galten. Daniel Petras, Assistenzprofessor und Nachwuchsgruppenleiter an der Universität Tübingen, bemerkte, dass selbst in entlegenen Korallenriffsystemen, die häufig als besonders rein betrachtet werden, deutliche Anzeichen menschlicher Einflüsse wie Landwirtschaft, Küstenentwicklung und Tourismus zu finden sind. Kalinski, der die Studie als Erstautor anführte, stellte fest, dass es praktisch keinen Ort gab, an dem Chemikalien des Menschen nicht nachweisbar waren.
Ein bemerkenswerter Aspekt der Studie ist, dass diese anthropogenen Chemikalien nicht nur in Küstennähe, sondern auch weit über die Küstenlinie hinaus nachgewiesen werden konnten. Selbst in über 20 Kilometer Entfernung von der Küste machten menschliche Verbindungen etwa 1 Prozent der nachgewiesenen organischen Stoffe aus. In den Küstengewässern stieg dieser Wert auf mediale 20 Prozent, während im offenen Ozean die Werte bei etwa 0,5 Prozent lagen. In Regionen, wo Flüsse auf das Meer treffen und unbehandeltes oder schlecht behandeltes Abwasser einfließt, konnten die Werte sogar über 50 Prozent betragen. Insgesamt identifizierte das Team 248 verschiedene chemische Verbindungen, die vom Menschen stammen und etwa 2 Prozent des gesamten Signals in den Proben ausmachten.
Die Forscher hatten ursprünglich mit dem Nachweis von Pestiziden und pharmazeutischen Verbindungen in Küstennähe gerechnet. Stattdessen stellten sie fest, dass Industriechemikalien wie Weichmacher aus Kunststoffen und andere Chemikalien, die in Pflege- und Konsumprodukten verwendet werden, den menschlichen chemischen Fußabdruck in den Ozeanen dominieren. Einige dieser Verbindungen bewegen sich an der Grenze zwischen organischen Molekülen und Nanokunststoffen, was die Unterscheidung zwischen chemischer und Kunststoffverschmutzung erschwert. Diese Chemikalien könnten eine bislang unbekannte Rolle im Kohlenstoffkreislauf und in der Funktion mariner Ökosysteme spielen.
Die Studie stellt eine der umfassendsten chemischen Metaanalysen der marinen Küstenzonen dar und basiert auf Proben, die für verschiedene Forschungszwecke gesammelt wurden. Die Forscher verwendeten innovative, hochauflösende Massenspektrometrie-Methoden und skalierbare Computerverfahren, um die Daten aus einer Vielzahl von Studien zu konsolidieren. Diese Fortschritte ermöglichten es dem Team, Tausende von Proben in einem einheitlichen Datensatz zu analysieren.
Trotz des Umfangs der Daten weisen die Forscher darauf hin, dass große Teile der Weltmeere noch unzureichend erforscht sind. Die gesammelten Daten konzentrieren sich stark auf Nordamerika und Europa, während es an Informationen aus Regionen wie Südostasien, Indien und Australien mangelt. Kalinski betont, dass das Fehlen von Daten nicht bedeutet, dass das Problem nicht existiert; es zeigt lediglich, dass noch nicht genügend Untersuchungen durchgeführt wurden.
Die ökologischen Folgen der chemischen Belastungen sind bisher weitgehend unerforscht. Die Autoren der Studie betonen, dass ihre Ergebnisse nur einen ersten Überblick bieten und weitere detaillierte Analysen notwendig sind, um die genauen Konzentrationen und deren Auswirkungen auf marine Lebensräume zu verstehen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass alltägliche menschliche Aktivitäten – von der Nutzung von Fahrzeugen über Haushaltsreiniger bis hin zu Verpackungsmaterialien – zur Verbreitung von Chemikalien in die Ozeane beitragen. Diese Chemikalien gelangen über Abflüsse oder Regenwasser in Flüsse und letztlich ins Meer.
Die Erkenntnisse der Studie haben auch Auswirkungen auf das persönliche Verhalten der Forscher


















































