Unzureichende Regulierung von Risiken bei grünen Wasserstoffprojekten durch multilaterale Entwicklu…

Unzureichende Regulierung von Risiken bei grünen Wasserstoffprojekten durch multilaterale Entwicklu…

Multilaterale Entwicklungsbanken spielen eine entscheidende Rolle als Finanzierer für Projekte zur Produktion von grünem Wasserstoff, insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern. Eine aktuelle Studie, veröffentlicht im Journal of Environment & Development, zeigt jedoch auf, dass diese Banken bei der Handhabung von Umwelt- und Sozialrisiken in diesem Sektor oft unzureichend agieren. Trotz bestehender Nachhaltigkeitsrichtlinien werden kritische Risiken wie Wasserknappheit, Verlust der biologischen Vielfalt und die Vertreibung lokaler Gemeinschaften nicht ausreichend berücksichtigt. Dies wirft die Frage auf, ob der Wasserstoffsektor in der Lage ist, die versprochenen Beiträge zu Klimazielen und Entwicklung tatsächlich zu erfüllen.

Industrienationen sind zunehmend auf Importe von grünem Wasserstoff aus dem globalen Süden angewiesen, da private Investoren oftmals die Risiken solcher Projekte scheuen. In der gegenwärtigen Situation wird ein Großteil dieser Initiativen durch multilaterale Entwicklungsbanken finanziert, deren Aufgabe es ist, sicherzustellen, dass diese Investitionen zur nachhaltigen Entwicklung in den Ländern der Rohstoffproduktion beitragen. Laut Lai Yee Choy, einer der Autorinnen der Studie, könnte grüner Wasserstoff den Entwicklungsländern helfen, ihre Exporteinnahmen zu erhöhen und Energiearmut zu bekämpfen. Dies wäre jedoch nur möglich, wenn die Produktion unter fairen Bedingungen erfolgt. Die Banken müssten daher sicherstellen, dass die Projekte zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zum Aufbau lokaler Kapazitäten beitragen.

Choy analysierte sieben grüne Wasserstoffprojekte in Entwicklungsländern, die unter etablierten umwelt- und sozialpolitischen Rahmenbedingungen operieren und über umfassende, öffentlich zugängliche Dokumentationen verfügen. Diese Projekte werden von fünf bedeutenden multilateralen Entwicklungsbanken unterstützt: der Weltbank, der International Finance Corporation, der Europäischen Investitionsbank, der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung sowie der Interamerikanischen Entwicklungsbank. In ihrer Untersuchung identifizierte Choy 20 Kategorien ökologischer und sozialer Risiken, darunter Landnutzung, Rechte indigener Völker sowie Luft- und Wasserverschmutzung. Sie bewertete die Wirksamkeit bestehender Richtlinien, einschließlich ökologischer und sozialer Standards sowie projektspezifischer Vorgaben, in Bezug auf die Minderung dieser Risiken.

Eine der zentralen Erkenntnisse der Studie ist, dass die gegenwärtigen Nachhaltigkeitsrichtlinien, die ursprünglich für konventionelle Energieprojekte entwickelt wurden, keine spezifischen Kriterien für Wasserstoffprojekte enthalten. Dies führt zu einer kritischen Lücke im Management der technologischen Risiken in den Bereichen Wasser, Lieferkette, Emissionen und Landnutzung. Die bestehenden Due-Diligence-Instrumente sind zwar gut strukturiert und können viele traditionelle Umwelt- und Sozialrisiken erfassen, sind jedoch für die neu auftretenden, technologiespezifischen Herausforderungen im Bereich grüner Wasserstoff nicht vollständig geeignet.

Choy schlägt vor, dass die Banken von der Entwicklung spezifischer Umwelt- und Sozialstandards für Wasserstoffprojekte profitieren könnten, um gemeinsame Risikokategorien, Anforderungen zur Risikominderung sowie Verfahrensschritte für die Einbindung von Stakeholdern und die Bearbeitung von Beschwerden zu definieren. Einheitliche Standards würden nicht nur die Unsicherheit für Kreditnehmer reduzieren, sondern auch das Risikomanagement für Wasserstofftechnologien stärken.

Darüber hinaus sieht Choy einen dringenden Verbesserungsbedarf in Bezug auf die wirtschaftlichen Auswirkungen auf lokale Gemeinschaften in den Ländern, die Wasserstoff produzieren. Diese Aspekte finden derzeit bei der Projektbewertung deutlich weniger Beachtung als ökologische und soziale Faktoren, was die bestehenden Ungleichheiten zwischen exportierenden und importierenden Ländern vergrößern könnte. Die multilateralen Entwicklungsbanken sollten daher einen stärkeren Fokus auf einen gerechten Zugang zu Arbeitsplätzen und Ressourcen legen.

Ein weiteres zentrales Ergebnis der Studie zeigt, dass die Banken zwar Maßnahmen zur Risikomessung und -minderung priorisieren, jedoch häufig konkrete Vorgaben zur Risikominderung nicht durchsetzen. Dies bedeutet, dass Banken von den Kreditnehmern oft erwarten, die Auswirkungen ihrer Projekte zu messen und zu verringern, jedoch nicht verlangen, dass sie überprüfbare Leistungsziele einhalten oder Ausgleich für verbleibende negative Auswirkungen bieten. Diese „harten“ Anforderungen sind jedoch notwendig, um signifikante Risiken zu adressieren.

Obwohl alle Banken Systeme zur Bearbeitung von Beschwerden implementiert haben, sehen ihre Richtlinien keine Sanktionen für die Nichteinhaltung von Standards vor, was auf eine Durchsetzungslücke hindeutet. Choy schlussfolgert, dass multilaterale Entwicklungsbanken klarere normative Verpflichtungen und eine gerechte Lastenverteilung umsetzen sollten. Indem sie