Humusbildung als Schlüssel für Klimaschutz: Die Rolle der ökologisch-regenerativen Landwirtschaft**

Humusbildung als Schlüssel für Klimaschutz: Die Rolle der ökologisch-regenerativen Landwirtschaft**

Die Bedeutung von Humus in der Landwirtschaft wird oft unterschätzt, obwohl er eine zentrale Rolle für die Fruchtbarkeit der Böden und den Klimaschutz spielt. In Deutschland sind Agrarböden, nach den Wäldern, die größten Kohlenstoffspeicher. Eine erhöhte Humuskonzentration in den Böden führt nicht nur zu einer besseren Wasserhaltung, sondern auch zu einer effektiveren Bindung von Kohlendioxid, einem der Haupttreiber des Klimawandels. Angesichts der Klimakrise ist der Aufbau und Erhalt von Humus daher von entscheidender Bedeutung.

Zwei aktuelle Feldstudien, die unter der Leitung der Justus-Liebig-Universität Gießen durchgeführt wurden, belegen, dass der Einsatz von Kompost und Pflanzenkohle signifikante positive Effekte auf den Humusgehalt in landwirtschaftlich genutzten Böden haben kann. Diese Studien fanden im Rahmen des Langzeitprojekts AKHWA, das sich mit der Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel beschäftigt, sowie im Projekt Humuvation statt, das innovative Anbausysteme testet. Beide Projekte zeigen, dass nachhaltige Praktiken nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll sind.

Bei der regenerativen Landwirtschaft kombinieren Landwirte verschiedene Methoden, um den Boden zu schonen und seine Qualität zu verbessern. Dazu gehören unter anderem reduzierte Bodenbearbeitung, der Anbau vielfältiger Zwischenfrüchte und eine ganzjährige Bodenbedeckung. Diese Praktiken fördern nicht nur den Humusaufbau, sondern auch die Gesundheit der Pflanzen und die Nährstoffkreisläufe im Boden. Kompost spielt dabei eine entscheidende Rolle: Er liefert essentielle Nährstoffe, fördert das Bodenleben und verbessert die Struktur des Bodens.

Eine der Feldstudien untersuchte die Auswirkungen der regelmäßigen Kompostgabe auf ökologisch bewirtschaftete Äcker. Die Ergebnisse zeigen, dass die Kombination von Kompost und schonender Bodenbearbeitung zu einem deutlich höheren Humusgehalt führt als bei herkömmlichen Bewirtschaftungsmethoden. Laut Prof. Dr. Andreas Gattinger, einem Experten für ökologischen Landbau an der JLU, ist es möglich, die Bodenqualität zu verbessern, ohne auf externe Ressourcen zurückzugreifen, da die benötigten pflanzlichen Reststoffe in der Regel direkt auf dem Hof anfallen.

Ein weiterer vielversprechender Ansatz, der in den Studien getestet wurde, ist die Anwendung von Pflanzenkohle im Wurzelbereich von Zwischenfrüchten. Diese Methode führt ebenfalls zu einem Anstieg der Humusvorräte. Pflanzenkohle hat den Vorteil, den Kohlenstoff länger im Boden zu speichern und die wichtigen Funktionen des Bodens, wie die Wasserspeicherung, zu verbessern. Die Mengen, die verwendet wurden, orientierten sich dabei an den realistischen Erträgen der Betriebe, wodurch auch hier die Nachhaltigkeit der Methode unterstrichen wird.

Die Ergebnisse dieser Studien haben weitreichende Implikationen für die europäische Agrarpolitik. Sie zeigen, dass der Humusaufbau innerhalb eines geschlossenen Betriebskreislaufs möglich ist, was für die geplante EU-Initiative „Carbon Removal and Carbon Farming Framework“ (CRCF) von großer Bedeutung ist. Dieses Rahmenwerk zielt darauf ab, Landwirte zu Anreizen für die Kohlenstoffbindung im Boden zu motivieren.

Die erzielten Erkenntnisse belegen, dass die ökologisch-regenerative Landwirtschaft nicht nur zur Erhöhung des Humusgehalts beitragen, sondern auch die Bodenfruchtbarkeit erheblich steigern kann. Lucas Kohl, ein Forscher an der JLU, hebt hervor, dass besonders Kombinationen von Maßnahmen vielversprechend sind, die gezielt die Bodenstruktur und die mikrobielle Aktivität fördern.

Die Bedeutung von Humus für die Landwirtschaft wird besonders angesichts der zunehmenden Wetterextreme und der Herausforderungen des Klimawandels deutlich. Die Schaffung stabiler Kohlenstoffvorräte im Boden ist ein langfristiger Prozess, der über Jahre hinweg verfolgt werden muss. Dennoch können bereits frühzeitig Anzeichen von Veränderungen im Bodensystem durch biologische Indikatoren erkannt werden.

Insgesamt leisten die beiden Studien einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung klimaangepasster und bodenschonender Anbausysteme im ökologischen Landbau. Sie zeigen auf, dass der richtige Umgang mit Humus und die Implementierung nachhaltiger Praktiken nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch ein entscheidender Schritt im Kampf gegen den Klimawandel sind.