Ein internationales Team von Forschern hat bedeutende archäologische Funde in der arabischen Wüste gemacht, die die gängige Vorstellung über die frühe Besiedlung dieser Region durch den modernen Menschen in Zweifel ziehen. Die Untersuchungen, an denen Wissenschaftler von der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Universität Freiburg, der Universität Tübingen sowie der Oxford Brookes University beteiligt waren, fanden in Zusammenarbeit mit der Sharjah Archaeology Authority im Buhais Rockshelter im Emirat Sharjah statt. Diese Entdeckung könnte die Sichtweise auf die Wanderungsbewegungen des Menschen aus Afrika während des späten Pleistozäns grundlegend verändern.
Dr. Knut Bretzke, der Projektleiter der Forschungsgruppe, erklärte, dass die neu entdeckten Artefakte auf mehrere Besiedlungsphasen hinweisen, die vor etwa 125.000, 59.000, 35.000 und 16.000 Jahren stattfanden. Diese Ergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht.
Die bisherigen Theorien besagten, dass Südostarabien während der letzten Eiszeit für Menschen unbewohnbar gewesen sei. Man ging davon aus, dass die extremen klimatischen Bedingungen und die Trockenheit ein Überleben unmöglich machten. Doch die jüngsten Funde widerlegen diese Annahme eindrucksvoll. Sie zeigen, dass das Buhais Rockshelter ein wiederkehrender Rückzugsort für Gruppen von Jägern und Sammlern war, die in dieser Region lebten.
Die Entdeckungen umfassen eine Sedimentfalle unter dem Felsdach, in der sich Steinwerkzeuge erhalten haben. Mithilfe von Analysen konnten die Wissenschaftler verschiedene Sedimentschichten identifizieren, die sich über eine Tiefe von 1,70 Metern erstrecken. Diese Schichten belegen, dass Menschen über einen langen Zeitraum hinweg immer wieder in diese Gegend zurückkehrten und sich dort niederließen.
Professor Adrian Parker von der Oxford Brookes University betont, dass die paläoökologischen Daten klare Hinweise auf eine erhöhte Wasserverfügbarkeit während der Zeit der menschlichen Besiedlung zeigen. Die Feldforschung deutet darauf hin, dass es Phasen mit feuchteren Bedingungen gab, die die heutige Wüste in einen lebensfreundlicheren Lebensraum verwandelten. Diese Erkenntnis widerspricht der Vorstellung, dass die Region während der letzten Eiszeit durchgängig unwirtlich war.
Die neuen Erkenntnisse sind von großer Bedeutung, da sie eine empirische Grundlage bieten, um die bestehenden Modelle zur Ausbreitung des Menschen in Wüstengebieten zu überprüfen. Dr. Bretzke fordert, lokale Bedingungen wie die Verfügbarkeit von Grundwasser und die damit verbundene Vegetation in die Betrachtungen einzubeziehen. Diese Faktoren sind entscheidend für das Überleben menschlicher Gruppen und müssen in zukünftigen Forschungen stärker gewichtet werden.
Die Funde am Buhais Rockshelter erweitern auch das Wissen über die menschliche Präsenz in Südostarabien, die nun auf einen Zeitraum von 210.000 bis 16.000 Jahren vor heute datiert werden kann. Diese Entdeckungen ergänzen frühere Funde aus der nahegelegenen Region Jebel Faya und zeigen, dass die menschliche Besiedlung weitaus älter und komplexer war als bisher angenommen.
Der Buhais Rockshelter selbst ist ein natürliches Felsdach aus Kalkstein, das den Menschen Schutz vor den extremen Witterungsbedingungen bot. Die dort hinterlassenen Steinwerkzeuge wurden durch Sand und herabfallende Steine bewahrt, was zur Bildung einer festen Sedimentschicht führte, die die Artefakte wie in einer Zeitkapsel überdauern ließ. Die Datierung der Funde erfolgt mittels Lumineszenzverfahren, das bestimmt, wann die Sedimentschicht zuletzt Sonnenlicht ausgesetzt war.
Aufgrund der außergewöhnlichen archäologischen Funde und des gut erhaltenen paläoökologischen Kontexts wurde die Region um den Buhais Rockshelter sowie die Fundstelle Jebel Faya im Jahr 2025 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Diese Anerkennung stellt einen wichtigen Schritt dar, um das kulturelle Erbe und die Bedeutung dieser Entdeckungen für die Menschheitsgeschichte zu würdigen.
Für weiterführende Informationen und wissenschaftliche Anfragen steht Dr. Knut Bretzke von der Friedrich-Schiller-Universität Jena zur Verfügung.


















































