TIMEA: Effiziente Entscheidungsfindung durch Mehrebenenanalyse**

TIMEA: Effiziente Entscheidungsfindung durch Mehrebenenanalyse**

In der heutigen Zeit stehen Städte und Gemeinden vor der Herausforderung, komplexe Entscheidungen in Bezug auf Klimaanpassung, digitale Innovationen und Infrastrukturprojekte zu treffen. Ein Beispiel könnte eine Stadt sein, die Maßnahmen zum Schutz vor Starkregen entwickeln möchte. Auf den ersten Blick scheinen technische Lösungen vorhanden zu sein, doch die Realität ist oft vielschichtiger. Genehmigungen müssen eingeholt werden, verschiedene Behörden sind involviert, und die verfügbaren Daten sind häufig unvollständig oder lassen sich schwer vergleichen. Darüber hinaus beeinflussen sich die verschiedenen Maßnahmen gegenseitig, was die Entscheidungsfindung erheblich erschwert. Dies ist ein typisches Szenario in der heutigen Planungslandschaft, in der Entscheidungen nicht mehr isoliert betrachtet werden, sondern im Kontext zahlreicher miteinander verbundener Faktoren.

Prof. Günter Müller-Czygan von der Hochschule Hof beschreibt die zentrale Herausforderung: Es geht nicht darum, die Komplexität zu vermeiden, sondern sie so zu strukturieren, dass man handlungsfähig bleibt. Genau hier setzt die Plattform TIMEA (Innovationstransfer durch Mehrebenenanalyse) an, die am Institut für nachhaltige Wassersysteme (inwa) der Hochschule Hof entwickelt wurde. TIMEA bietet eine innovative Methode, um komplexe Fragestellungen klar zu strukturieren und detailliert zu analysieren. Sie basiert auf der Mehrebenenanalyse, bei der ein Problem nicht isoliert, sondern aus verschiedenen Perspektiven betrachtet wird – etwa aus technischer, organisatorischer oder rechtlicher Sicht. Diese Herangehensweise ermöglicht es, Zusammenhänge zu erkennen, die in herkömmlichen Analysen oft übersehen werden.

Vor der Einführung von TIMEA wurden viele komplexe Daten und Analysen häufig in umfangreichen Excel-Tabellen festgehalten. Mit der neuen Plattform können diese Informationen jedoch visuell dargestellt werden, was die Verständlichkeit und Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse erheblich verbessert. Die Plattform erlaubt es, verschiedene Kriterien zu erfassen, sie miteinander zu verknüpfen und die Ergebnisse gemeinsam zu analysieren. Dies ist besonders vorteilhaft in Abstimmungsprozessen, in denen viele Beteiligte eine Rolle spielen. Laut Müller-Czygan ist es in solchen komplexen Projekten entscheidend, den Überblick zu behalten, und genau hierin unterstützt TIMEA.

Ein zusätzliches Feature von TIMEA ist der integrierte Textanalysator, der besonders in Workshops und Diskussionen von großem Nutzen ist. Oft geht in diesen Situationen wertvolles Wissen verloren, weil es nicht vollständig dokumentiert wird. Der Textanalysator vergleicht die Notizen der Teilnehmer mit bereits erfassten Inhalten, identifiziert fehlende Aspekte, weist auf mögliche Doppelungen hin und macht Inkonsistenzen sichtbar. Dadurch wird die Analyse umfassender, ohne dass die fachliche Bewertung der Teilnehmer in Frage gestellt wird. Müller-Czygan betont, dass die KI nicht die fachliche Bewertung ersetzt, sondern vielmehr dazu dient, den Überblick zu wahren und blinde Flecken zu vermeiden. Die technische Basis dieser KI-Anwendung bildet die hauseigene Lösung LISA, die über eine Schnittstelle in die Plattform integriert ist.

TIMEA wurde von Anfang an nicht nur entwickelt, sondern auch aktiv in der Praxis eingesetzt, sei es in Seminaren, Workshops oder Forschungsprojekten. Das Feedback aus diesen Anwendungen fließt kontinuierlich in die Weiterentwicklung der Plattform ein. So wurden Begriffe präzisiert, Abläufe vereinfacht und Darstellungen benutzerfreundlicher gestaltet. TIMEA verwandelt damit eine wissenschaftliche Methode in ein praktisches Werkzeug für alle, die sich mit komplexen Fragestellungen auseinandersetzen.

Interessierte können die Plattform bereits testen: Auf der Website www.timea-tool.de steht ein Online-Zugang zur Verfügung, über den die Funktionsweise und die Möglichkeiten des Tools erkundet werden können. Das Projekt TIMEA wird im Rahmen des Förderprogramms DATIpilot des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt unterstützt. Dieses innovative Instrument bietet somit eine wertvolle Unterstützung für alle, die in der komplexen Welt der Entscheidungsfindung tätig sind.