Eine kürzlich durchgeführte Studie hat aufgedeckt, dass Steinhummeln als wichtige Wirte für das Akute Bienenlähmungs-Virus (ABV) fungieren, das für Honigbienen äußerst gefährlich ist. Diese Erkenntnis stammt von einem Forschungsteam der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) in Zusammenarbeit mit der Georg-August-Universität Göttingen und wurde in der renommierten Fachzeitschrift „Ecology Letters“ veröffentlicht. Bisher war man der Meinung, dass hauptsächlich Honigbienen als Überträger für dieses Virus verantwortlich sind, doch die neuen Ergebnisse zeigen, dass auch Wildbienen, insbesondere Steinhummeln, eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung des Virus spielen können.
In der Natur sind viele Insekten, darunter Honigbienen, Wildbienen und andere Arten, durch ihre Nahrungssuche an Blüten miteinander verbunden. Diese Blüten dienen nicht nur als Nahrungsquelle, sondern auch als potenzielle Übertragungsorte für Viren. „Eine blühende Wiese ist ein Ort, an dem Insekten auf virenbelastete Materialien wie Pollen und Nektar treffen können“, erklärt Professor Dr. Robert Paxton, ein Biologe der MLU. Die Studie hebt hervor, dass Wildbienen nicht nur passive Träger von Viren sind, sondern selbst als Wirte fungieren können, was weitreichende Folgen für die Gesundheit von Honigbienen hat.
Das Forschungsteam führte umfangreiche Feldstudien an 32 verschiedenen Standorten in Niedersachsen und Hessen durch. Dabei wurde untersucht, welche Bienenarten die gleichen Blumen besuchen und wie stark jede Art zur Verbreitung von Viren beiträgt. Um die Verbreitung des Virus zu quantifizieren, verwendeten die Forscher die sogenannte artspezifische Basisreproduktionszahl R0, die es ihnen ermöglichte, die Ansteckungsrate zwischen den verschiedenen Bienenarten zu berechnen. „So konnten wir genau bestimmen, welche Bienenart die größte Rolle bei der Verbreitung eines Virus spielt“, erläutert Patrycja Pluta, die Erstautorin der Studie.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Honigbienen zwar die Hauptträger für das Flügeldeformationsvirus (DWV) und das Black Queen Cell Virus (BQCV) sind, jedoch die Steinhummel Bombus lapidarius als Hauptwirt für das Akute Bienenlähmungs-Virus identifiziert wurde. Wenn Honigbienen mit diesem Virus infiziert werden, leiden sie unter schweren Symptomen, die innerhalb weniger Tage zu ihrem Tod führen können. Dies kann fatale Folgen für die gesamte Kolonie haben und deren Überleben gefährden.
Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Studie ist, dass die Artenzusammensetzung an einem Standort einen geringeren Einfluss auf die Virusverbreitung hat, als bisher angenommen. Der direkte Kontakt zwischen Bienen, die eine hohe Viruslast tragen, ist viel entscheidender für die Übertragung. Solche Kontakte finden häufig beim Blütenbesuch statt, was die Notwendigkeit unterstreicht, die Lebensräume der Bienen zu schützen und zu verbessern.
Die Forscher betonen die Bedeutung der Ergebnisse für künftige Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung von Bienenkrankheiten. „Je mehr Raum und Nahrungsressourcen Bienen zur Verfügung stehen, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sie sich gegenseitig infizieren. Daher könnten mehr Blühstreifen mit einer Vielzahl von Pflanzenarten einen wertvollen Beitrag zur Bekämpfung solcher Krankheiten leisten“, sagt Paxton.
Diese Studie wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau sowie durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert. Sie liefert nicht nur neue Erkenntnisse über die Rolle von Hummeln in der Virusverbreitung, sondern könnte auch einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung effektiverer Strategien im Bienenschutz leisten.


















































