
Eine aktuelle Studie, die von einem internationalen Forschungsteam unter der Leitung der Universität Wien durchgeführt wurde, befasst sich mit dem Zusammenhang zwischen menschlicher Landnutzung und der Häufigkeit tödlicher Erdrutsche. Diese Untersuchung hat aufgedeckt, dass die Mehrheit der tödlichen Erdrutsche in Gebieten passiert, die durch menschliche Aktivitäten beeinflusst wurden, entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass solche Naturereignisse hauptsächlich natürlichen Ursprungs sind.
Die Forschung zeigt, dass insbesondere in einkommensschwachen Ländern die Auswirkungen menschlicher Eingriffe wie Abholzung, Landwirtschaftsveränderungen und Straßenbau die Stabilität von Hängen erheblich beeinträchtigen. Diese Erkenntnisse sind in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht worden und zeigen, dass Veränderungen in der Landnutzung und der Bodenbedeckung einen viel stärkeren Einfluss auf die Zahl der Erdrutschopfer haben, als natürliche Faktoren wie Topografie oder Niederschlag.
Erdrutsche gehören zu den verheerendsten Naturkatastrophen und fordern jährlich über 4.500 Menschenleben, während sie Schäden in Höhe von etwa 20 Milliarden US-Dollar verursachen. Die Studie nimmt ihren Ausgangspunkt bei der zentralen Frage, warum Erdrutsche in bestimmten Regionen verheerendere Folgen haben als in anderen, die ähnliche geographische und klimatische Bedingungen aufweisen. Mit der Verdopplung der Bevölkerung in gefährdeten Bergregionen seit 1975 ist es von entscheidender Bedeutung, die Rolle menschlichen Handelns zu untersuchen.
Die Forscher kategorisierten Berggebiete in 46 Ländern nach ihrem Einkommensniveau und analysierten einen umfassenden Datensatz, der 60 Jahre Veränderungen der Landnutzung und 45 Jahre demografische Entwicklungen umfasst. Durch die Entwicklung einer neuen Kennzahl zur Quantifizierung menschlicher Eingriffe in die Landschaft konnten die Wissenschaftler die Auswirkungen von Landnutzungsänderungen auf die Häufigkeit tödlicher Erdrutsche untersuchen. Die Ergebnisse waren alarmierend: In Ländern mit hohem Einkommen wurden lediglich 7 % der Berglandschaften verändert, während in einkommensschwachen Nationen bis zu 50 % der Berggebietsflächen durch menschliche Aktivitäten beeinflusst wurden, einschließlich Entwaldung und der Schaffung neuer landwirtschaftlicher Flächen sowie Infrastruktur.
Besonders betroffen sind Länder wie Haiti, Sri Lanka und El Salvador, wo eine klare Korrelation zwischen der Änderung der Landnutzung und einem Anstieg der tödlichen Erdrutsche sowie der Opferzahlen zu beobachten ist. Im Gegensatz dazu zeigen wohlhabendere Länder wie die Schweiz, Japan und Italien, dass trotz ähnlicher geologischer und klimatischer Bedingungen die Anzahl der Todesfälle durch Erdrutsche deutlich geringer ist. Dies liegt daran, dass diese Länder über bessere Ressourcen und Infrastrukturen verfügen, um die Auswirkungen von Naturkatastrophen zu bewältigen.
Die Studie hebt hervor, dass wirtschaftlich benachteiligte Länder oft unter hohem Bevölkerungsdruck leiden, was zu einer schnellen Abholzung sensibler Berggebiete für landwirtschaftliche Zwecke, informelle Siedlungen und den Bau von Infrastruktur führt. Diese Faktoren tragen zur Instabilität der Hänge bei und erhöhen das Risiko von Erdrutschen erheblich. Die Forschung verdeutlicht damit, dass die Art und Weise, wie Land genutzt wird, in direktem Zusammenhang mit der Sterblichkeit durch Erdrutsche steht. Länder, die in der Lage sind, die Veränderungen in der Bodenbedeckung zu minimieren, verzeichnen trotz ähnlicher geophysikalischer Risiken deutlich weniger Todesfälle.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass menschliche Eingriffe in Bergregionen als Verstärker von Katastrophen wirken und insbesondere die ärmsten Bevölkerungsgruppen gefährden. Eine nachhaltige und durchdachte Planung der Landnutzung ist daher von entscheidender Bedeutung, um das Risiko tödlicher Erdrutsche in einkommensschwachen Ländern zu verringern und die Lebensbedingungen der betroffenen Menschen zu verbessern. Die Studie zeigt deutlich, dass durch die Reduzierung menschlicher Eingriffe in die Natur die Wahrscheinlichkeit von Erdrutschen verringert werden kann, was für die Katastrophenvorsorge von entscheidender Bedeutung ist.
























































