Satelliten enthüllen die dynamische Lichtlandschaft der menschlichen Zivilisation**

Satelliten enthüllen die dynamische Lichtlandschaft der menschlichen Zivilisation**

Die nächtliche Beleuchtung der Erde, die von Satelliten erfasst wird, zeigt eine bemerkenswerte Zunahme im Licht der menschlichen Zivilisation. Diese Beobachtungen, die auf einer umfassenden Studie beruhen, wurden von einem Team der University of Connecticut in Zusammenarbeit mit der NASA sowie weiteren Forschern aus den USA und Deutschland durchgeführt. Prof. Dr. Christopher Kyba, ein Experte für Nachtlichtfernerkundung an der Ruhr-Universität Bochum und Mitautor der Studie, erklärt, dass zum ersten Mal täglich erstellte Satellitenbilder weltweit analysiert wurden, um die Veränderungen der Lichtemissionen zu erfassen.

Die Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurden, zeigen, dass die globale nächtliche Beleuchtung zwischen 2014 und 2022 um etwa zwei Prozent pro Jahr zunahm. Dies entspricht einem Gesamtanstieg von 16 Prozent über den gesamten Zeitraum, wobei bemerkenswert ist, dass nicht alle Regionen der Erde von diesem Anstieg betroffen waren. In bestimmten Gebieten, insbesondere in aufstrebenden Ländern wie China und Indien, wurden signifikante Zuwächse an künstlichem Licht festgestellt, während in anderen, insbesondere Industrienationen, eine Reduzierung der Lichtemissionen zu beobachten war. Diese Unterschiede sind auf verschiedene Faktoren zurückzuführen, wie den Übergang zu energieeffizienten LED-Leuchten und Maßnahmen zur Reduzierung von Lichtverschmutzung.

Ein besonders dramatischer Rückgang der nächtlichen Beleuchtung wurde in der Ukraine nach Beginn der russischen Aggression festgestellt, während in Frankreich eine Reduktion um 33 Prozent auftrat, da viele Gemeinden beschlossen, die Straßenbeleuchtung nach Mitternacht abzuschalten, um Energie zu sparen. In Deutschland blieben die Lichtemissionen insgesamt stabil, mit regionalen Schwankungen: Während einige Gebiete einen Anstieg von bis zu 8,9 Prozent verzeichneten, gab es in anderen Regionen einen Rückgang von 9,2 Prozent. Auf europäischer Ebene fiel die nächtliche Beleuchtung um insgesamt 4 Prozent, was jedoch nicht das vollständige Bild der menschlichen Wahrnehmung widerspiegelt, da Unterschiede in der Empfindlichkeit von Satellitenmessungen und menschlichem Sehen bestehen.

Ein entscheidender Aspekt dieser Studie war die Verwendung von täglich erfassten Daten, die eine genauere Analyse der Veränderungen ermöglichten. Frühere Studien hatten sich oft auf monatliche oder jährliche Daten gestützt, was die Erkennung von Schwankungen erschwerte. Prof. Kyba hebt hervor, dass diese Forschung die erste globale Analyse mit vollwertigen nächtlichen Daten darstellt. Außerdem wurde ein neu entwickelter Algorithmus eingesetzt, der den Blickwinkel des Satelliten berücksichtigte, was besonders wichtig ist, da die Beleuchtung in urbanen und ländlichen Gebieten unterschiedlich wahrgenommen wird.

Die Daten für diese Analyse stammen vom „Visible Infrared Imaging Radiometer Suite (VIIRS) Day/Night Band“ (DNB), das von den Satelliten Suomi NPP, NOAA-20 und NOAA-21 betrieben wird. Diese Satelliten beobachten die Erde in der Nacht und decken eine große Fläche ab, wobei jeder Pixel etwa 0,5 Quadratkilometer groß ist. Wichtig ist, dass in dieser Analyse ausschließlich Gebiete mit künstlichem Licht betrachtet wurden, während natürliche Lichtquellen wie Waldbrände und Polarlichter ausgeschlossen wurden.

Die Untersuchung der künstlichen Lichtemissionen ist nicht nur für das Verständnis des menschlichen Verhaltens von Bedeutung, sondern auch für die Auswirkungen auf die Umwelt. Lichtverschmutzung hat nachweislich negative Auswirkungen auf Ökosysteme, und das Verständnis der Veränderungen in der Lichtnutzung ist entscheidend für zukünftige Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Probleme. Prof. Kyba plant zudem, der Europäischen Weltraumorganisation ESA einen neuen Satelliten zur Beobachtung des nächtlichen Lichts vorzuschlagen, der wesentlich empfindlicher sein wird als die bestehenden Satelliten und genauere Daten liefern kann.

Die Forschungsarbeit wurde durch verschiedene Programme der NASA sowie durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert. Die Ergebnisse dieser umfassenden Analyse bieten wertvolle Einblicke in die dynamische Natur der menschlichen Lichtemissionen und deren Veränderungen, die durch verschiedene gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Faktoren beeinflusst werden.