
In der heutigen Zeit ist es für Unternehmen unerlässlich, sich mit den Themen Sicherheit und Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen, insbesondere bei der Entwicklung neuer Materialien und Produkte. Um sicherzustellen, dass diese Innovationen sowohl für Menschen als auch für die Umwelt unbedenklich sind, hat die Europäische Union (EU) den ganzheitlichen Ansatz „Safe and Sustainable by Design“ (SSbD) ins Leben gerufen. Dieser Ansatz zielt darauf ab, von Anfang an Sicherheits- und Umweltaspekte in den Innovationsprozess zu integrieren. Doch was bedeutet das konkret für Unternehmen, und welche Herausforderungen gilt es zu meistern?
Eine jüngst durchgeführte Analyse der Empa, der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt, zeigt, dass viele der Anforderungen, die mit dem SSbD-Ansatz verbunden sind, bereits in bestehenden EU-Verordnungen verankert sind. Dies bedeutet, dass Unternehmen, die sich an diesen Ansatz halten, nicht nur ihre Innovationsprozesse optimieren, sondern auch regulatorische Risiken frühzeitig identifizieren und vermeiden können. Dadurch können sie potenziell kostspielige Fehlentwicklungen verhindern.
Der SSbD-Ansatz erfordert, dass neue Produkte und Technologien von Beginn an so entwickelt werden, dass sie über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg sicher sind. Die Herausforderung für Unternehmen besteht darin, diese Anforderungen in ihre bestehenden Prozessabläufe zu integrieren. Eine internationale Studie, die im Rahmen des EU-Projekts „IRISS“ durchgeführt wurde, hat ergeben, dass etwa zwei Drittel der relevanten europäischen Umweltgesetzgebungen bereits mit den Prinzipien von SSbD übereinstimmen. Dies zeigt, dass Unternehmen durch die frühzeitige Berücksichtigung dieser Anforderungen nicht nur regulatorische Hürden überwinden, sondern auch ihre Innovationsfähigkeit steigern können.
Die Untersuchung des Forschungsteams, das aus verschiedenen internationalen Experten besteht, identifizierte 15 zentrale EU-Verordnungen, die für die Industrie von Bedeutung sind. Dazu gehören unter anderem die Chemikalienverordnung und die Verordnung über Batterien. Diese Verordnungen enthalten verbindliche Anforderungen, die Sicherheitsbewertungen, messbare Kriterien wie Recyclingquoten und spezifische Methoden zur Durchführung von Lebenszyklusanalysen und Ökotoxizitätstests vorschreiben. Die Analyse zeigte, dass 64 Prozent der Anforderungen im SSbD-Ansatz bereits in diesen Verordnungen berücksichtigt sind. Dies bedeutet, dass Unternehmen durch die Implementierung von SSbD die benötigten Daten und Bewertungen, die sie später für die regulatorische Konformität benötigen, bereits in der frühen Phase der Produktentwicklung erfassen können.
Ein Beispiel für die Dringlichkeit eines solchen Ansatzes sind die sogenannten PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen). Diese Chemikalien, die oft als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet werden, haben gravierende Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesundheit der Menschen. Obwohl die Risiken dieser Stoffe bereits bei ihrer Einführung bekannt waren, wurden sie über Jahrzehnte hinweg ignoriert. Die heutigen Kosten für Sanierungen und gesundheitliche Folgeschäden sind enorm. Ein frühzeitiger Ansatz wie SSbD hätte es ermöglicht, diese Risiken bereits bei der Entwicklung der Produkte zu berücksichtigen und kostspielige Schäden zu vermeiden.
Die Studie hebt jedoch auch die gegenwärtigen Herausforderungen des SSbD-Ansatzes hervor. Insbesondere die Bewertung der Auswirkungen auf die Biodiversität stellt eine große Hürde dar. Es fehlen verlässliche Daten und Methoden, um die Auswirkungen neuer Produkte auf die Umwelt umfassend zu bewerten. Der SSbD-Bewertungsrahmen erkennt diese Lücken an und lässt sich anpassen, sobald geeignete wissenschaftliche Methoden und Daten zur Verfügung stehen.
Trotz dieser Herausforderungen bietet der SSbD-Ansatz Unternehmen eine strategische Chance. Durch die frühe Integration von Sicherheits- und Nachhaltigkeitsüberlegungen können Unternehmen nicht nur ihre Innovationskraft stärken, sondern auch ihre Wettbewerbsfähigkeit und den Umweltschutz fördern. Der Mehraufwand in der frühen Entwicklungsphase mag zunächst hoch erscheinen, doch langfristig können Unternehmen dadurch hohe Kosten durch regulatorische Maßnahmen, Marktanpassungen oder Sanierungen vermeiden.
Wichtig ist, dass Unternehmen in der Lage sind, Sicherheit und Nachhaltigkeit in ihren Innovationsprozess zu integrieren. Zudem sieht die Studie auf politischer Ebene Handlungsbedarf: Um SSbD breiter anzuwenden, sollten Anreize geschaffen werden, beispielsweise durch regulatorische Erleichterungen oder wirtschaftliche Vorteile. Dies könnte Unternehmen helfen, den Einstieg in den SSbD-Ansatz zu erleichtern und somit eine nachhaltigere und sicherere Zukunft für alle zu fördern.
























































