
Die kommunale Wärmeplanung in Deutschland nimmt zunehmend Gestalt an. Laut einer aktuellen Untersuchung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) haben bis Anfang Mai 2025 bereits über 5.000 Gemeinden, was etwa 47 Prozent der gesamten Gemeinden im Land entspricht, mit der Entwicklung eines Wärmeplans begonnen. Darüber hinaus haben 488 Gemeinden (4,5 Prozent) ihren Plan bereits erfolgreich abgeschlossen. Diese Initiative ist ein bedeutender Schritt in Richtung einer nachhaltigen und klimaneutralen Wärmeversorgung.
Insgesamt leben etwa 66 Prozent der Bevölkerung, also rund 55,8 Millionen Menschen, in Gemeinden, die bereits mit der Erstellung von Wärmeplänen begonnen haben. Weitere 16 Prozent der Bevölkerung, was 13 Millionen Menschen entspricht, residieren in Gemeinden, die bereits über einen fertigen Plan verfügen. Lediglich 18 Prozent (15,6 Millionen Menschen) leben in Gemeinden, die noch keinen Planungsprozess dokumentiert haben. Dies verdeutlicht die wachsende Verantwortung, die viele Kommunen in Deutschland übernehmen, um eine nachhaltige Energiezukunft zu gestalten.
Besonders bemerkenswert ist der Fortschritt in Baden-Württemberg, wo in nahezu einem Viertel der Gemeinden bereits ein vollständiger Wärmeplan vorliegt. In Schleswig-Holstein hingegen haben nur 3,2 Prozent der Gemeinden einen Plan abgeschlossen, diese Anzahl deckt jedoch fast 45 Prozent der Landesbevölkerung ab. Nordrhein-Westfalen zeigt ebenfalls einen aktiven Ansatz, insbesondere da viele der größeren Städte bis Ende 2026 verpflichtet sind, konkrete Pläne vorzulegen. Hier sind bereits über 80 Prozent der Gemeinden aktiv in der Planung.
Die gesetzliche Grundlage für diese Entwicklungen bildet das Wärmeplanungsgesetz (WPG), das seit dem 1. Januar 2024 in Kraft ist. Es schafft einen einheitlichen Rahmen für die Wärmeplanung in Deutschland und verpflichtet die Bundesländer dazu, Wärmepläne für ihre jeweiligen Gebiete zu erstellen. Die Fristen für die Umsetzung sind gestaffelt: Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohnern müssen ihren Plan bis zum 30. Juni 2026 vorlegen, während alle anderen Gemeinden bis zum 30. Juni 2028 Zeit haben. Trotz dieser Fristen haben viele Gemeinden bereits vor dem gesetzlich festgelegten Termin mit der Planung begonnen. Über die Hälfte der aktiven Gemeinden hat weniger als 100.000 Einwohner, was darauf hinweist, dass auch kleinere Kommunen proaktiv handeln und die Verantwortung für die Wärmewende übernehmen.
Andrea Arnold-Drmic, eine Expertin des BBSR, hebt hervor, dass es in den kommenden Jahren nicht nur auf die flächendeckende Erstellung von Wärmeplänen ankommt, sondern auch auf deren Qualität und Anwendbarkeit. Die Pläne sollten eine solide Grundlage für konkrete Maßnahmen bieten und somit effektiv zur Umsetzung der Wärmewende beitragen. Dies bedeutet, dass die Planung nicht nur theoretisch sein darf, sondern auch praktische Lösungen für die jeweiligen Gemeinden bereitstellen muss.
Die kommunalen Wärmepläne sind in diesem Kontext von entscheidender Bedeutung, da sie die strategische Ausrichtung der lokalen Wärmeversorgung festlegen. Sie zeigen auf, wie der Wärmebedarf einer Gemeinde künftig auf klimaneutrale Weise gedeckt werden kann und welche Infrastrukturen dafür angepasst oder neu aufgebaut werden müssen. Zudem identifizieren sie, wo erneuerbare Energien, Abwärmequellen und effiziente Technologien am besten eingesetzt werden können. Die Pläne erfassen das gesamte Gemeindegebiet und sollen langfristig tragfähige Entscheidungsgrundlagen für Kommunen, Energieversorger, die Wirtschaft und private Haushalte schaffen.
Insgesamt zeigt die Analyse des BBSR, dass Deutschland auf einem guten Weg ist, die Herausforderungen der Wärmewende anzugehen. Die Tatsache, dass fast die Hälfte der Gemeinden an der Erstellung von Wärmeplänen arbeitet, ist ein positives Zeichen für die zukünftige Energieversorgung und den Klimaschutz im Land. Die vollständige Analyse mit dem Titel „Wärmewende in Deutschland: Kommunale Wärmeplanung im Überblick“ ist auf der Website des BBSR verfügbar und bietet einen detaillierten Einblick in den aktuellen Stand der Wärmeplanung in Deutschland.