
Das REDD+-Programm, das als ein Schlüsselelement im globalen Kampf gegen den Klimawandel gilt, steht aufgrund neuer Forschungsergebnisse erheblich in der Kritik. Eine aktuelle Studie, die von einem internationalen Team, einschließlich Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, durchgeführt wurde, zeigt alarmierende Defizite in der Effektivität von REDD+ bei der Reduzierung der Abholzung.
Das REDD+-Programm (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation) wurde initiiert, um Ländern finanzielle Anreize zu bieten, ihre Wälder zu erhalten und somit zur Bekämpfung des Klimawandels beizutragen. Diese Anreize werden häufig durch CO2-Gutschriften bereitgestellt, die im internationalen Handel verwendet werden können. Jedoch ergab die Analyse von 52 REDD+-Initiativen, dass lediglich 19 Prozent der Projekte die angestrebten Emissionsreduktionsziele tatsächlich erreichen konnten.
Die Forscher verwendeten komplexe Bewertungsmethoden, um die tatsächlichen Auswirkungen der REDD+-Projekte zu messen. Durch den Vergleich der Entwicklung in Projektgebieten mit ähnlichen Regionen, die keine REDD+-Maßnahmen implementiert haben, konnten sie feststellen, dass nur ein kleiner Teil der Initiativen nennenswerte Erfolge bei der Verhinderung von Entwaldung erzielten. Das Team fand heraus, dass etwa ein Drittel der Projektkomponenten eine geringere Entwaldung als erwartet aufwiesen, während fast 20 Prozent sogar einen höheren Waldverlust verzeichneten als ihre Vergleichsflächen.
Ein besonders besorgniserregendes Ergebnis der Studie ist die massive Überbewertung der Entwaldungsrisiken in bestimmten Regionen. In Kolumbien beispielsweise wurde das Risiko der Entwaldung bis zu zehnmal höher eingeschätzt als es tatsächlich der Fall war. Dies deutet auf eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschätzten und den realen Daten hin, was zu einer übermäßigen Vergabe von CO2-Gutschriften führt.
Die Studie hat auch die Menge der bis Ende 2022 vergebenen CO2-Gutschriften analysiert. Von den rund 228 Millionen Gutschriften, die aus diesen Projekten stammen, konnten nur etwa 35 Millionen tatsächlich als Resultat vermiedener Entwaldung angesehen werden, was einem erschreckend niedrigen Anteil von etwa 13,2 Prozent entspricht. Diese Zahlen werfen erhebliche Zweifel an der Integrität des REDD+-Marktes auf.
Prof. Dr. Jonathan Chase, Mitautor der Studie, äußerte sich besorgt über die Ergebnisse und betonte die Notwendigkeit für transparente und belastbare Daten, um das Vertrauen in den Markt für CO2-Gutschriften wiederherzustellen. Er erklärte, dass es wichtig sei, dass jede Gutschrift, die ausgegeben wird, auch einen echten Beitrag zum Klimaschutz leistet.
Trotz der kritischen Ergebnisse sieht das Forschungsteam REDD+ nicht als gescheitert an, sondern plädiert für eine Überarbeitung und Verbesserung des Programms. Die Studie legt nahe, dass es möglich ist, die Effektivität von REDD+ zu steigern, um sicherzustellen, dass die Maßnahmen tatsächlich zur Reduzierung der Abholzung beitragen. Die Forscher betonen, dass eine sorgfältige Planung und wissenschaftlich fundierte Bewertung der Projekte entscheidend sind, damit REDD+ seinen versprochenen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten kann.
Insgesamt zeigt die Analyse, dass es essentielle Mängel im REDD+-Programm gibt, die angegangen werden müssen, um den gewünschten Schutz der Wälder und die damit verbundene Bekämpfung des Klimawandels zu gewährleisten. Ein Umdenken in der Implementierung und Bewertung dieser Programme ist notwendig, um sicherzustellen, dass die finanziellen Mittel auch tatsächlich den Klimaschutz fördern.


















































