Die Planung für nachhaltige Transformationen ist ein zentrales Thema, das im Sonderheft der Fachzeitschrift „Raumforschung und Raumordnung“ (RuR) behandelt wird. Diese Ausgabe, die im Jahr 2025 veröffentlicht wird, ist als Open Access zugänglich, was bedeutet, dass alle Interessierten weltweit auf die Inhalte zugreifen können, ohne dafür Gebühren zahlen zu müssen. Der Fokus liegt dabei auf den theoretischen Ansätzen, praktischen Erfahrungen und politischen Konsequenzen, die mit der Planung von Nachhaltigkeitstransformationen verbunden sind.
Im Editorial des Heftes weisen die Herausgeber Tanja Mölders, Jochen Monstadt und Niclas Ruppert auf die zentrale These hin: „Wer plant, transformiert.“ Diese Aussage regt zur Diskussion darüber an, wie effektiv Planung zur nachhaltigen Raumentwicklung beitragen kann. Die verschiedenen Beiträge des Heftes zeigen, dass die theoretische und konzeptionelle Ebene der Planung mit wesentlichen Merkmalen von Transformationen verknüpft ist, wie etwa Integration, Zukunftsorientierung und Raumorientierung. Auf der praktischen Ebene hingegen stehen den Planern zahlreiche Instrumente zur Verfügung, die über transformative Kapazitäten verfügen. Dennoch wird der Kritikpunkt geäußert, dass die Planung oft nicht in der Lage ist, tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen aktiv zu steuern.
Ein Kernpunkt der Diskussion ist die Differenzierung zwischen strategischen und analytischen Ansätzen der Transformation. Während strategische Ziele, wie die Förderung von Windenergie, durch Raumplanung unterstützt werden können, erweist sich die kritische Auseinandersetzung mit Machtstrukturen und institutionellen Rahmenbedingungen als deutlich herausfordernder. Dies bedeutet jedoch nicht, dass strategische Reformdebatten nicht geführt werden sollten. Vielmehr ist es wichtig, bestehende Gesetze und Verfahren zu reflektieren und die kulturellen Überzeugungen der Planung in Frage zu stellen.
Im Zusammenhang mit diesen Überlegungen stehen mehrere Forschungsbeiträge, die im Sonderheft veröffentlicht sind. Ein Beispiel ist die Analyse von Ludger Gailing und Kollegen zur Umsetzung des Windenergieflächenbedarfsgesetzes in der regionalen Planung. Diese Studie zeigt, dass die Ziele des Gesetzes bislang weitgehend umgesetzt wurden, jedoch auch Konflikte in den Planungsregionen sichtbar werden. Hier wird die Frage aufgeworfen, ob ähnliche gesetzliche Vorgaben auch für andere Bereiche der Nachhaltigkeitstransformation sinnvoll wären.
Ein weiterer Beitrag von Tanja Mölders und ihren Mitautoren thematisiert die Rolle der gesamträumlichen Planung im Klimaschutz. Sie argumentieren, dass die Möglichkeiten der umfassenden Planung zur Förderung einer klimafreundlichen Entwicklung bislang nicht ausreichend ausgeschöpft werden. Ihre empirische Untersuchung zeigt, dass formelle Planungsverfahren durchaus zur Nachhaltigkeit beitragen können, jedoch selbst einer Transformation bedürfen, um wirksame Gestaltungsoptionen zu entwickeln.
Zusätzlich befasst sich Benedikt Schmid mit der Rolle des Gemeinwohls in der städtischen Entwicklung. Anhand des Projekts Kleineschholz in Freiburg wird untersucht, wie städtische Entwicklung durch eine Fokussierung auf das Gemeinwohl gestaltet werden kann, um Abhängigkeiten von Marktentwicklungen zu verringern. Dies geschieht im Rahmen eines praktischen Ansatzes, der die Interaktionen zwischen lokalen Behörden und den Anforderungen des Marktes beleuchtet.
Johannes Suitner und Meike Levin-Keitel thematisieren die Kluft zwischen theoretischem Wissen über Nachhaltigkeitstransitionen und der praktischen Umsetzung auf lokaler Ebene. Sie argumentieren, dass die räumliche Planung wertvolle Erkenntnisse und Instrumente bereithält, um diese Lücke zu schließen und abstrakte Ideen in konkrete lokale Aktionen zu übersetzen.
Ida Grundel und Kristina Trygg beleuchten schließlich die transformative Planung im Bereich der Mobilität. Sie zeigen, wie schwedische Kommunen durch urbane Experimente innovative Ansätze zur Reduzierung der Abhängigkeit vom Auto entwickeln. Ihre Ergebnisse verdeutlichen, dass die lokalen Gegebenheiten und Planungsumfelder entscheidend dafür sind, wie transformative Planung umgesetzt wird.
In einem Kommentar diskutiert Antje Bruns die Herausforderungen der räumlichen Planung im Spannungsfeld zwischen Dringlichkeit und Beharrung. Obwohl der Bedarf an tiefgreifenden Veränderungen klar ist, neigen institutionelle Strukturen dazu, bestehende Pfade der Nicht-Nachhaltigkeit zu stabilisieren.
Das RuR-Sonderheft liefert somit wertvolle Einblicke und Anregungen für die zukünftige Planung nachhaltiger Transformationen. Es ist ein Aufruf zur Reflexion und zur kritischen Auseinandersetzung mit den bestehenden Planungsansätzen, um die notwendigen Veränderungen in der Gesellschaft zu fördern.
