Staatliche Studienfinanzierung in Deutschland: Ein alarmierender Trend zur Selbstfinanzierung unter…

Staatliche Studienfinanzierung in Deutschland: Ein alarmierender Trend zur Selbstfinanzierung unter…

Laut einer aktuellen Studie des CHE Centrum für Hochschulentwicklung nutzen in Deutschland sechs von sieben Studierenden keine staatlichen Finanzierungsangebote wie BAföG, Stipendien oder Studienkredite. Diese besorgniserregende Entwicklung zeigt, dass rund 85 Prozent der Studierenden im Jahr 2024 keine finanzielle Unterstützung aus dem staatlichen Bereich erhalten haben. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil der Studierenden, die auf solche Hilfen zurückgreifen, sogar um 1,7 Prozentpunkte gesunken. Diese Zahlen werfen ein Licht auf die wachsenden finanziellen Herausforderungen, mit denen viele Studierende konfrontiert sind, und deuten auf eine zunehmende Abhängigkeit von privaten Mitteln hin.

In Thüringen, einem der Bundesländer mit den niedrigsten Quoten an staatlicher Unterstützung, finanzieren fast 90 Prozent der Studierenden ihre Ausbildung aus eigenen Mitteln oder durch familiäre Unterstützung. Dies deutet darauf hin, dass die staatlichen Instrumente zur Studienfinanzierung nicht nur unzureichend sind, sondern auch nicht die richtigen Zielgruppen erreichen. Der CHECK des CHE, der die Nutzung staatlicher Finanzierungsangebote analysiert, zeigt deutlich, dass die Situation sich seit Jahren nicht verbessert hat.

Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht die prekäre Lage: Lediglich 11,4 Prozent der Studierenden erhielten im Jahr 2024 BAföG, was etwa 326.000 Personen entspricht. Darüber hinaus profitierten 69.000 Studierende von Stipendien, was einem Anteil von 2,4 Prozent entspricht, während nur 44.000 Personen (1,4 Prozent) einen staatlichen Studienkredit in Anspruch nahmen. Das einzige Förderinstrument, das einen Anstieg verzeichnen konnte, war das Deutschlandstipendium, welches jedoch nur einen kleinen Teil der Studierenden erreicht.

Die Experten des CHE, insbesondere Ulrich Müller, äußern sich kritisch zu der aktuellen Lage. Sie betonen, dass die Politik zunehmend die Verantwortung für die Finanzierung des Studiums den Studierenden überlässt. Dies hat zur Folge, dass immer mehr junge Menschen neben ihrem Studium arbeiten müssen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Eine Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung zeigt, dass die Erwerbsquote der Studierenden im Alter von 20 bis 24 Jahren zwischen 2015 und 2023 um 19 Prozentpunkte gestiegen ist. Diese Entwicklung könnte langfristig negative Folgen haben, da viele Studierende nicht in der Lage sind, sich voll und ganz auf ihr Studium zu konzentrieren. Dies führt möglicherweise zu längeren Studienzeiten, einer eingeschränkten Auswahl an Studiengängen und einem Anstieg der Abbruchquoten.

Die Notwendigkeit einer grundlegenden Reform der Studienfinanzierung wird immer deutlicher. Bundesministerin Dorothee Bär hat bereits eine umfassende Überarbeitung des BAföG angekündigt, die im Wintersemester 2026/27 in Kraft treten soll. Konkrete Details sind jedoch noch nicht bekannt. Das CHE fordert in diesem Zusammenhang eine grundlegende Neugestaltung der staatlichen Studienförderung. Ein neues BAföG sollte die unterschiedlichen Lebensrealitäten und Bildungsbiografien der Studierenden berücksichtigen und einen gerechten Zugang zur Hochschulbildung ermöglichen.

Ulrich Müller betont, dass ein Relaunch mehr als überfällig sei. Er fordert eine Bündelung der bestehenden Förderinstrumente wie BAföG, KfW-Studienkredite und Bildungskredite in einem umfassenden System der Bundesstudienförderung. Ziel sollte es sein, die positiven Aspekte der bisherigen Instrumente zu bewahren und gleichzeitig die verwirrende Vielfalt der Angebote zu reduzieren.

Die Veröffentlichung „CHECK – Studienfinanzierung in Deutschland – Update 2026“ bietet einen detaillierten Überblick über die verschiedenen Fördermittel und deren tatsächliche Relevanz für die Finanzierung des Studiums. Die Daten stammen aus verschiedenen Quellen und verdeutlichen die Herausforderungen, vor denen viele Studierende heute stehen. Es wird klar, dass alternative Finanzierungsmodelle in der gegenwärtigen Situation eine wichtige Rolle spielen müssen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die staatliche Studienfinanzierung in Deutschland dringend reformbedürftig ist. Die Abhängigkeit von privaten Mitteln und die Zunahme von Erwerbstätigkeiten unter Studierenden sind alarmierende Trends, die nicht ignoriert werden dürfen. Es ist an der Zeit, dass die Politik handelt und ein gerechtes und effektives System der Studienfinanzierung schafft, das allen Studierenden die Möglichkeit bietet, erfolgreich zu studieren, ohne sich in übermäßige finanzielle Belastungen zu stürzen.