In einer spannenden Initiative zur Artenbenennung haben die Senckenberg Ocean Species Alliance, der Verlag Pensoft Publishers und der bekannte Science-YouTuber Ze Frank gemeinsam eine neu entdeckte Tiefsee-Käferschnecke benannt. Diese außergewöhnliche Kreatur gehört zur Gattung Ferreiraella und wurde in beeindruckenden 5.500 Metern Tiefe in den Gewässern des nordwestpazifischen Izu-Ogasawara-Grabens entdeckt. Die Online-Community hatte die Möglichkeit, über 8.000 Namensvorschläge einzureichen, und das Forschungsteam entschied sich letztlich für den Namen Ferreiraella populi. Der lateinische Zusatz „populi“ bedeutet so viel wie „der Menschen“ und würdigt damit die kollektive Mitwirkung bei der Namensgebung.
Die Entdeckung und Benennung dieser neuen Art ist ein wichtiger Schritt in der wissenschaftlichen Forschung und wurde in der Fachzeitschrift „Biodiversity Data Journal“ veröffentlicht. Prof. Dr. Julia Sigwart, Co-Leiterin der Ocean Species Alliance am Senckenberg Forschungsinstitut, erklärte, dass die Entscheidung für den Namen Ferreiraella populi das gemeinschaftliche Erlebnis der Namenssuche feiern sollte. Der dazugehörige YouTube-Beitrag von Ze Frank erfreute sich großer Beliebtheit und wurde innerhalb weniger Tage über 370.000 Mal aufgerufen, wobei rund 10.000 Kommentare eingingen. Eine der kreativen Alternativen war Ferreiraella ohmu, inspiriert von einer ähnlichen Kreatur aus einem Film des japanischen Animationsstudios Ghibli, was gleichzeitig eine Hommage an den Fundort Japan darstellt.
Die Benennung neuer Arten erfolgt nach festgelegten wissenschaftlichen Standards. Jede neu entdeckte Art erhält im Rahmen ihrer taxonomischen Erstbeschreibung einen wissenschaftlichen Namen, der dem binären Nomenklaturprinzip von Carl von Linné folgt. Dieser setzt sich aus dem Gattungsnamen, der großgeschrieben und kursiv geschrieben wird, und dem Art-Epitheton, das kleingeschrieben und ebenfalls kursiv dargestellt wird, zusammen. Die Vergabe des Namens erfolgt durch die Erstbeschreiberin oder den Erstbeschreiber in einer wissenschaftlichen Publikation unter Berücksichtigung internationaler Codes wie ICZN (für Zoologie) oder ICN (für Botanik). Der Name muss neuartig, eindeutig und latinisiert sein und kann von verschiedenen Merkmalen, Fundorten oder sogar mythologischen Figuren abgeleitet werden.
Die neue Käferschnecke Ferreiraella populi ist Teil einer besonderen Gruppe von Weichtieren, die ausschließlich auf versunkenem Holz in der Tiefsee leben. Prof. Sigwart betonte, dass diese Art eine wertvolle Ergänzung zu einer bislang wenig erforschten Linie von Käferschnecken darstellt und wichtige Hinweise auf die hochspezialisierten Lebensgemeinschaften in Holzfall-Ökosystemen der Tiefsee liefert. Käferschnecken sind in ihrer Erscheinung eine Mischung aus Schnecken und Käfern. Sie besitzen keine spiralförmigen Schalen, wie es bei anderen Schneckenarten der Fall ist, sondern tragen acht separate Schalenplatten, die es ihnen ermöglichen, sich bei Gefahr in eine schützende Kugel zu rollen und sich flexibel an verschiedene Oberflächen anzupassen.
Käferschnecken kommen sowohl in warmen Küstengewässern als auch in der Tiefsee vor und können unter extremen Bedingungen in bis zu 7.000 Metern Tiefe leben, wo sie in völliger Dunkelheit existieren. Sigwart wies darauf hin, dass Ferreiraella populi exemplarisch für die immense Artenvielfalt der Ozeane steht, von der ein Großteil noch unerforscht ist. Viele Arten könnten bereits ausgestorben sein, bevor wir von ihrer Existenz erfahren. Besonders betroffen sind marine Wirbellose. Der Prozess der wissenschaftlichen Beschreibung und Namensgebung einer neuen Art kann häufig Jahrzehnte dauern, was die Dringlichkeit unterstreicht, die Öffentlichkeit für die faszinierende Welt der Tiefsee zu sensibilisieren.
Mit der Gründung der Senckenberg Ocean Species Alliance wurde das Ziel verfolgt, die Abläufe zur Entdeckung und Beschreibung neuer Arten zu vereinfachen und gleichzeitig das Interesse der Öffentlichkeit an diesen einzigartigen Lebewesen zu wecken. Die öffentliche Namensgebung für die Käferschnecke ist ein Beispiel für dieses Engagement. Jetzt, zwei Jahre nach ihrer Entdeckung, hat Ferreiraella populi ihren wissenschaftlichen Namen erhalten, was für den Schutz der marinen Biodiversität von großer Bedeutung ist, insbesondere angesichts der zunehmenden Bedrohungen durch Aktivitäten wie den Tiefseebergbau.
