Ein neues Buch klärt Missverständnisse über die CO₂-Bepreisung**

Ein neues Buch klärt Missverständnisse über die CO₂-Bepreisung**

Die CO₂-Bepreisung wird häufig als ein entscheidendes Instrument für effektive Klimapolitik angesehen, dennoch ist sie ein Thema, das viele Missverständnisse und Widerstände hervorruft. Ein neues Buch des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) befasst sich mit diesen Irrtümern und stellt die wissenschaftlichen Grundlagen der CO₂-Bepreisung klar. Verfasst von PIK-Direktor Ottmar Edenhofer, Politikwissenschaftlerin Cecilia Kilimann und Ökonom Christopher Leisinger, ist die Publikation sowohl für Experten als auch für interessierte Laien geeignet. Sie kann über Springer Gabler in gedruckter Form erworben oder kostenlos als PDF und E-Book heruntergeladen werden.

Das Ziel dieser Veröffentlichung ist es, eine Brücke zwischen verschiedenen Ansichten zu schlagen. Edenhofer betont, dass viele Befürworter einer robusten Klimapolitik die CO₂-Bepreisung fälschlicherweise mit einer unkritischen Marktgläubigkeit und einem Verzicht auf staatliche Eingriffe gleichsetzen. Die Wissenschaft hat jedoch klar gezeigt, dass eine erfolgreiche CO₂-Bepreisung umfangreiche staatliche Maßnahmen und Komplementärstrategien erfordert, um effektiv zu sein und ungewollte Nebenwirkungen zu vermeiden.

Das Buch beschäftigt sich mit fünf weit verbreiteten Missverständnissen über die CO₂-Bepreisung:

Missverständnis 1: „Keine Lenkungswirkung“
Ein häufig geäußertes Argument gegen die CO₂-Bepreisung ist, dass steigende Preise nicht zu einem Rückgang des Auto- oder Energieverbrauchs führen. Die Autoren weisen darauf hin, dass solche Beobachtungen nicht die Ineffektivität der Bepreisung belegen, sondern vielmehr den Bedarf an ergänzenden Maßnahmen wie Verboten und Standards unterstreichen. Durch die internalisierte Kostenstruktur werden umweltschädliche Produkte aus dem Markt gedrängt und umweltfreundliche Alternativen gefördert. Zudem zeigen die Autoren, dass mit einer durchdachten Politik auch das individuelle Verhalten positiv beeinflusst werden kann.

Missverständnis 2: „Politisch nicht umsetzbar“
Zahlen im Buch widerlegen die Annahme, dass eine CO₂-Bepreisung politisch nicht durchsetzbar sei. Derzeit sind etwa 28 Prozent der globalen CO₂-Emissionen bepreist, und in der Europäischen Union wird im Jahr 2026 ein neues Emissionshandelssystem für den Verkehrs- und Gebäudesektor eingeführt, wodurch dieser Anteil auf 75 Prozent steigen wird. Die Flexibilität der CO₂-Bepreisung, die in Form von Steuern oder Emissionshandel implementiert werden kann, ermöglicht es, sich an unterschiedliche politische Rahmenbedingungen anzupassen.

Missverständnis 3: „Sozial ungerecht“
Es ist richtig, dass eine CO₂-Bepreisung ohne soziale Ausgleichsmaßnahmen ärmere Haushalte überproportional belasten kann. Dies gilt jedoch auch für andere Klimaschutzmaßnahmen wie Verbote. Der Vorteil der CO₂-Bepreisung liegt jedoch darin, dass sie Einnahmen generiert, die zur Kompensation verwendet werden können. Das Buch schlägt verschiedene Kompensationsmodelle vor, darunter eine Pauschale pro Kopf und innovative Ansätze wie ein „Gebäudeklimageld“.

Missverständnis 4: „Auslaufmodell“
Ein Argument gegen die Bepreisung ist die Annahme, dass in einer klimaneutralen Zukunft kaum noch CO₂-Emissionen existieren werden, die bepreist werden könnten. Das Buch widerlegt dies, indem es auf die Notwendigkeit von CO₂-Entnahmen aus der Atmosphäre hinweist, um verbleibende Emissionen auszugleichen. CO₂-Bepreisung wird auch in Zukunft eine Rolle spielen, indem sie Anreize für Investitionen in Technologien zur CO₂-Entnahme schafft.

Missverständnis 5: „Geht nur mit Weltregierung“
Ein weiterer verbreiteter Glaube ist, dass ein CO₂-Preis nur dann sinnvoll ist, wenn er global einheitlich umgesetzt wird. Das Buch erläutert, dass auch fragmentierte und regionale Ansätze zur CO₂-Bepreisung wirksam sein können. Es werden Mechanismen vorgestellt, die dem sogenannten Carbon Leakage entgegenwirken, also der Gefahr, dass Unternehmen ihre Produktion in Länder mit weniger strengen Umweltauflagen verlagern.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die CO₂-Bepreisung ein entscheidendes Werkzeug für eine effektive Klimapolitik darstellt, das durch fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse untermauert wird. Das Buch von Edenhofer und seinem Team bietet eine