Europas Mäusebussarde: Ein Rückgang der Farbvielfalt unter der Lupe**

Europas Mäusebussarde: Ein Rückgang der Farbvielfalt unter der Lupe**

Eine aktuelle Studie zur Bürgerwissenschaft zeigt, dass die Farbvariabilität der Mäusebussarde in Europa abnimmt. Die Forscher des Max-Planck-Instituts für biologische Intelligenz haben mithilfe von fast 100.000 Beobachtungen, die von Naturfreunden aus ganz Europa gesammelt wurden, ein detailliertes Bild der Farbverteilung dieser Vögel erstellt und analysiert, wie sich diese im Laufe der Zeit verändert hat.

Der Mäusebussard, ein weit verbreiteter Greifvogel Europas, ist nicht nur durch seine auffällige Jagdtechnik bekannt, sondern auch durch seine vielfältige Gefiederfärbung. In Frankreich wird er treffend als „buse variable“ bezeichnet, was auf die bemerkenswerte Farbvariabilität hinweist, die dazu führt, dass einzelne Vögel manchmal für verschiedene Arten gehalten werden. Die gesammelten Daten bieten nun die Grundlage für ein besseres Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen, die diese Farbvariationen steuern.

Farbvariation im Tierreich

Farben spielen im Tierreich eine entscheidende Rolle, sei es für Tarnung, Temperaturregulation oder Paarungsverhalten. Innerhalb einer Art können Farbunterschiede weitreichende Auswirkungen auf das Überleben und die Fortpflanzung haben. Bisherige ökologische Theorien besagen, dass bestimmte Farbvariationen in Abhängigkeit von Lebensraum und Klima auftreten sollten. So sind beispielsweise dunklere Vögel in bewaldeten Regionen oder kälteren Klimazonen verbreiteter, da sie besser angepasst sind. Bei der Analyse der Mäusebussarde stellte sich jedoch heraus, dass diese Theorien nur bedingt zutreffen.

Die Studie, die in der Fachzeitschrift Ibis veröffentlicht wurde, zeigt, dass hellere Vögel vor allem in Nord- und Mitteleuropa vorkommen, während dunklere Exemplare in Regionen wie der Bretagne und auf der Iberischen Halbinsel anzutreffen sind. Intermediäre Farben, die weder besonders dunkel noch hell sind, dominieren hingegen in Südosteuropa und den britischen Inseln. Diese geographische Verteilung steht nur lose im Zusammenhang mit den untersuchten Umweltfaktoren.

„Es ist bemerkenswert, dass die ökologischen Theorien, die wir getestet haben, nur einen geringen Teil der Farbvariationen der Mäusebussarde erklären konnten“, erklärt Kaspar Delhey, der Hauptautor der Studie. „Die Farbvariation scheint stark vererbt zu sein und könnte auf die Wiederbesiedlung Europas durch die Bussarde nach der letzten Eiszeit oder auf noch nicht identifizierte ökologische Faktoren zurückzuführen sein.“

Rückgang der Farbvielfalt

Die Untersuchung basierte auf den Beobachtungen von Bürgerwissenschaftlern, die ihre Sichtungen über ein eigens entwickeltes Portal sowie über Plattformen wie iNaturalist und Observation.org dokumentierten. Die Forscher bewerteten die Farbnuancen der Bussarde anhand einer siebenstufigen Skala von hell bis dunkel. Dies führte zu einem umfangreichen Datensatz, der über zwei Jahrzehnte reicht und die Möglichkeit bietet, Veränderungen in der Farbverteilung nachzuvollziehen.

Ein wesentliches Ergebnis dieser Analyse ist der signifikante Anstieg der Population von intermediär gefärbten Bussarden, die bis 2022 einen größeren Anteil an der Gesamtpopulation ausmachten. Im Vergleich zu 2000 sank der Anteil der dunklen und hellen Vögel um 22 Prozent beziehungsweise 14 Prozent. Diese Entwicklung lässt darauf schließen, dass die Vielfalt, die den Bussarden ihren französischen Namen eingebracht hat, zunehmend schwindet.

„Wir haben einige Zusammenhänge zwischen Umweltveränderungen, wie dem Verlust von Waldflächen, festgestellt, doch diese erklären nur einen Teil des Phänomens“, sagt Bart Kempenaers, Leiter der Ornithologieabteilung am Max-Planck-Institut. „Falls dieser Verlust der Farbvielfalt auch mit einem Rückgang der genetischen Variation einhergeht, könnte dies die Anpassungsfähigkeit der Art an zukünftige Umweltveränderungen beeinträchtigen.“

Zukünftige Forschungen müssen sich nun intensiv mit den historischen, genetischen und umweltbedingten Faktoren befassen, die zu diesem Verlust der Farbvielfalt führen. Genomics und Museumsproben bieten potenzielle Ansätze, um sowohl die tiefere Geschichte der Art als auch die genetischen Folgen des beobachteten Rückgangs zu erforschen. Die Möglichkeiten der Bürgerwissenschaft eröffnen dabei neue Wege, um Fragen zu beantworten, die sonst nur schwer zu ergründen wären.