Ein Forschungsteam des Museums für Naturkunde in Berlin hat kürzlich bedeutende Erkenntnisse über das Verhalten von Fledermäusen in der Nähe von Windkraftanlagen veröffentlicht. In einer umfassenden Studie wurde erstmals nachgewiesen, dass verschiedene Fledermausarten im Rotorbereich von Windenergieanlagen Balzgesänge produzieren und dabei um die Gondeln der Turbinen fliegen. Diese Entdeckung basiert auf über 80.000 Lautaufnahmen, die an sechs Standorten in Deutschland gesammelt wurden, sowie auf 3D-Rekonstruktionen der Flugbahnen der Fledermäuse.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Fledermäuse in der Nähe von Windkraftanlagen aktiv sind und sich dort aufhalten, insbesondere während der Balzzeit. Diese Verhaltensweise könnte erklären, warum in der Fortpflanzungszeit das Risiko steigt, dass die Tiere mit den Rotorblättern der Anlagen kollidieren. Fledermausmännchen singen, ähnlich wie viele Vogelarten, um Weibchen anzulocken und Rivalen abzuschrecken. In Landschaften, die wenig Struktur bieten, wie etwa landwirtschaftlichen Flächen, stellen Windkraftanlagen offenbar markante Orientierungspunkte dar, die die Männchen als „Gesangswarten“ nutzen.
Der Gesang der Fledermäuse wurde an allen untersuchten Standorten nachgewiesen, was darauf hindeutet, dass es sich nicht um ein isoliertes Phänomen handelt. Besonders häufig wurde der Gesang des Großen Abendseglers und der Rauhautfledermaus aufgezeichnet, zwei Arten, die in Deutschland häufig mit Windrädern kollidieren. Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit bisherigen Beobachtungen, nach denen in bestimmten Regionen während der Balzzeit mehr weibliche als männliche Rauhautfledermäuse tot unter Windkraftanlagen gefunden werden. Die Hauptautorin der Studie, Martina Nagy, stellte fest, dass die Ergebnisse eine mögliche Erklärung für die höhere Zahl weiblicher Opfer bieten.
Die Forscher werteten die Lautstärke des Gesangs, die Reichweite der eingesetzten Mikrofone und bekannte Fluggeschwindigkeiten der Fledermäuse aus. Dabei konnten sie feststellen, dass die Tiere nicht einfach vorbei flogen, sondern aktiv um die Gondeln und Türme der Windkraftanlagen kreisten. Dies wurde auch durch die 3D-Rekonstruktionen unterstützt, die mit Wärmebildkameras erstellt wurden. Die Daten zeigen, dass die Dichte der detektierten Fledermäuse mit zunehmendem Abstand zur Gondel deutlich abnahm, was auf eine gezielte Annäherung an die Turbinen hindeutet.
Frühere Theorien hatten bereits vermutet, dass Fledermäuse Windkraftanlagen aufgrund ihrer Suche nach Nistplätzen oder Nahrung aufsuchen könnten. Die neuen Erkenntnisse erweitern dieses Verständnis und legen nahe, dass Windkraftanlagen für fortpflanzungsbereite Fledermäuse ebenfalls von Interesse sind. Die Forschenden hoffen, dass diese Informationen in Zukunft zu effektiveren Schutzstrategien führen werden. Die Seniorautorin Mirjam Knörnschild betont, dass Windenergie einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leistet, jedoch der Artenschutz dabei nicht vernachlässigt werden darf.
Ein besseres Verständnis darüber, warum Fledermäuse gezielt Windkraftanlagen anfliegen, könnte es Betreibern ermöglichen, ihre Anlagen gezielt abzuschalten, um die Zahl der Kollisionen zu minimieren. Die Studie bietet nicht nur neue Einsichten in das Verhalten der Fledermäuse, sondern stellt auch einen Schritt in Richtung eines harmonischeren Zusammenlebens von erneuerbaren Energiequellen und dem Schutz der Biodiversität dar.
Die Forschungsergebnisse wurden in einer Fachzeitschrift veröffentlicht, und die Wissenschaftler hoffen, dass diese wichtigen Erkenntnisse dazu beitragen, den Schutz von Fledermäusen in der Nähe von Windkraftanlagen zu verbessern und somit zu einer nachhaltigen Nutzung erneuerbarer Energien beizutragen.


















































