
Die geopolitischen Spannungen, insbesondere die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, verdeutlichen eindringlich die Notwendigkeit einer von fossilen Brennstoffen unabhängigen Energieversorgung. Um diese Abhängigkeit zu verringern und gleichzeitig die Klimaziele zu erreichen, spielt erneuerbarer Wasserstoff eine entscheidende Rolle. Ein kürzlich veröffentlichtes Policy Paper des Forschungsinstituts für Nachhaltigkeit (RIFS) bietet positive Einblicke: In der EU und anderen Ländern existieren bereits Governance-Mechanismen, die einen zügigen und nachhaltigen Ausbau des Wasserstoffsektors unterstützen können.
Grüner Wasserstoff hat das Potenzial, fossile Brennstoffe in energieintensiven Industrien wie der Stahl- und Chemieproduktion zu ersetzen. Angesichts der Dringlichkeit, die durch die Klimakrise entsteht, ist ein schneller Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft unerlässlich. Gleichzeitig bietet Wasserstoff die Möglichkeit, wirtschaftliche Wertschöpfung zu generieren, insbesondere in Regionen, die über reichhaltige erneuerbare Energiequellen verfügen. Doch die Produktion von Wasserstoff bringt auch ökologische und soziale Herausforderungen mit sich. Ein Beispiel ist die Gefahr, dass der Ausbau von Wasserstoffproduktionskapazitäten in wasserarmen Regionen die bestehende Wasserknappheit weiter verschärfen könnte. Schätzungen zufolge befindet sich mehr als 60 Prozent der potenziellen weltweiten Onshore-Produktion für erneuerbaren Wasserstoff in solchen wasserarmen Gebieten.
Das Policy Paper „Strengthening Sustainability Governance for a Rapid Hydrogen Ramp-Up“ von Rainer Quitzow und Maximilian Rischer befasst sich mit der Analyse bestehender Governance-Mechanismen im Wasserstoffsektor verschiedener Länder. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass es nicht notwendig ist, gänzlich neue Regeln zu schaffen. Stattdessen können bestehende Rahmenbedingungen aus anderen Bereichen, wie etwa Entwicklungsbanken, auf den Wasserstoffsektor übertragen werden, um ökologische und soziale Belange zu berücksichtigen. Eine solide Nachhaltigkeitsgovernance kann darüber hinaus Transparenz und fairen Wettbewerb fördern, indem sie sicherstellt, dass alle Marktakteure die gleichen Standards und Schutzmaßnahmen einhalten.
Im Rahmen des Policy Papers werden vier essentielle Maßnahmen auf internationaler und EU-Ebene vorgeschlagen, um die Governance-Strukturen zu verbessern und die Kapazitäten entlang der Wertschöpfungskette zu stärken:
1. Entwicklung von Richtlinien für Wasserstoff: Diese sollen Unternehmen helfen, eine nachhaltigkeitsbezogene Sorgfaltspflicht (Due Diligence) zu erfüllen, um Zugang zu Finanzierungen zu erhalten und gleichzeitig ökologische sowie soziale Risiken zu minimieren. Eine Zusammenarbeit von großen multilateralen Entwicklungsbanken und privaten Finanzinstituten könnte helfen, einen globalen Standard für diese Richtlinien zu etablieren.
2. Einführung eines ISO-Standards für Wasserstoff: Die Schaffung eines internationalen Standards zur Bewertung der Nachhaltigkeit im Wasserstoffsektor könnte die Harmonisierung von Ansätzen fördern und Sicherheit für Projektentwickler bieten, insbesondere während möglicher regulatorischer Änderungen. Deutschland hat bereits einen Entwurf für einen Nachhaltigkeitsstandard für Wasserstoff erarbeitet, der international adaptiert werden könnte.
3. Förderung bewährter Verfahren und Wissensaustausch: Der Austausch von Best Practices im Bereich Nachhaltigkeit kann Projektentwickler stärken und ihnen helfen, kosteneffiziente Lösungen zur Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien zu entwickeln. Initiativen wie das International PtX Hub spielen hierbei eine wichtige Rolle.
4. Sichere Wettbewerbsbedingungen durch Zertifizierungssysteme: Um gleiche Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten, sollte die Europäische Kommission bestehende Kontroll- und Berichtspflichten effektiv umsetzen.
Darüber hinaus beleuchtet eine begleitende Studie mit dem Titel „Governance for a Sustainable Hydrogen Economy“ die Ansätze aus verschiedenen Regionen im Detail und definiert, was unter Nachhaltigkeits-Governance zu verstehen ist. Diese Definition ist nicht nur auf die Wasserstoffwirtschaft anwendbar, sondern kann auch auf andere Sektoren übertragen werden. Zu den zentralen Aspekten gehören staatliche Strategien und Vorschriften, die Transparenz gewährleisten sowie Rahmenbedingungen für die Finanzierung von wasserstoffbezogenen Projekten schaffen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die bestehende Nachhaltigkeits-Governance der Europäischen Union eine solide Grundlage für den nachhaltigen Ausbau des Wasserstoffsektors bietet. Anstatt zahlreiche neue Instrumente zu schaffen, sind gezielte Anpassungen und Ergänzungen erforderlich, um den Fortschritt in der Wasserstoffwirtschaft voranzutreiben.























































