Innovatives Instrument zur Reduktion des Flächenverbrauchs und Stärkung des Klimaschutzes**

Innovatives Instrument zur Reduktion des Flächenverbrauchs und Stärkung des Klimaschutzes**

In Deutschland werden täglich etwa 50 Hektar Land für neue Siedlungs- und Verkehrsflächen in Anspruch genommen, was nicht nur die Landschaft verändert, sondern auch erhebliche Mengen an Kohlenstoffdioxid (CO2) freisetzt. Diese Emissionen, die aus der Zersetzung von Boden und Vegetation resultieren, werden in der Planungsphase oft nicht ausreichend berücksichtigt. Um diesem Problem entgegenzuwirken, haben das Öko-Institut und das Büro Gertz Gutsche Rümenapp ein neues, kostenlos zugängliches Tool entwickelt, das es Planerinnen und Planern ermöglicht, die potenziellen Treibhausgasemissionen geplanter Flächenentwicklungen zu berechnen sowie Einsparpotenziale bei alternativen Planungsansätzen zu identifizieren. Tobias Wagner, Projektleiter am Öko-Institut, betont die Bedeutung des Tools: „Wir bieten einen einfachen Weg für kommunale und regionale Planer, um die Treibhausgaswirkungen ihrer Vorhaben besser zu verstehen.“

Das Tool, das in Form einer Excel-Anwendung zur Verfügung steht, wird von einem deutschlandweiten Modell ergänzt, das aufzeigt, welche Flächen in den verschiedenen Gemeinden typischerweise neu genutzt werden und wie diese Flächen voraussichtlich verwendet werden. Die Modellberechnungen zeigen, dass der Flächenverbrauch in Deutschland jährlich zu Emissionen von über einer Million Tonnen CO2-Äquivalent führt. Um die Umweltauswirkungen zu minimieren, hat die Bundesregierung das Ziel formuliert, die Neuinanspruchnahme von Flächen bis 2030 auf maximal 30 Hektar pro Tag zu reduzieren und bis 2050 die Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Durch die Einhaltung dieser Ziele könnten bis 2050 insgesamt rund 15 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden. Die Annahme ist, dass der nicht genutzte Wohn- und Gewerberaum in bereits erschlossenen Gebieten realisiert wird, beispielsweise durch Verdichtung bestehender Flächen.

Die Vorteile der Innenentwicklung, also der Nutzung bereits erschlossener städtischer Flächen, sind signifikant. Im Durchschnitt können hierdurch etwa 80 Prozent der Treibhausgasemissionen im Vergleich zur Außenentwicklung vermieden werden. Dies liegt daran, dass bei der Nutzung von Innenflächen die Eingriffe in den Boden und die Vegetation wesentlich geringer sind.

Ein weiterer Aspekt, auf den die Studie hinweist, sind die Emissionen, die nicht nur durch den Verlust von Kohlenstoffvorräten entstehen, sondern auch durch den Bau und die Nutzung neuer Gebäude und Infrastrukturen. Die Analyse des Projektteams zeigt, dass die Emissionen, die bei der Errichtung neuer Gebäude anfallen, etwa um den Faktor 20 höher sind als die Emissionen, die durch den Verlust von Kohlenstoff im Boden und in der Vegetation verursacht werden. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit, Maßnahmen zu ergreifen, die den effizienten Einsatz von Baumaterialien sowie den Erhalt bestehender Gebäude in den Mittelpunkt rücken.

Die Publikation „Treibhausgaseinsparpotenziale einer reduzierten Flächenneuinanspruchnahme in Deutschland“ bietet detaillierte Einblicke in die Thematik und die Handlungshilfe „Klima und Kohlenstoffspeicher schützen – Flächenverbrauch vermeiden!“ gibt praktische Tipps zur Umsetzung. Das neu entwickelte LULUCF-Wirkungsrechner-Tool steht als Testversion bereit und bietet Planerinnen und Planern ein wertvolles Hilfsmittel, um die Auswirkungen ihrer Entscheidungen auf den Klima- und Kohlenstoffhaushalt besser abschätzen zu können.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das neue Tool und die begleitenden Modelle nicht nur dazu beitragen, den Flächenverbrauch in Deutschland zu reduzieren, sondern auch einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten können. Die positive Resonanz aus der Praxis zeigt, dass es an der Zeit ist, diese Instrumente breitflächig in der Planungsarbeit zu implementieren und damit einen nachhaltigen Weg für die zukünftige Entwicklung unserer Städte und Gemeinden zu ebnen.