
Ein internationales Forschungsteam, einschließlich Wissenschaftler des MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen, hat wichtige Erkenntnisse über den Indonesischen Durchfluss (ITF) gewonnen. In einer neuen Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Nature Communications wird dargelegt, dass der ITF in den letzten 800.000 Jahren stark von Wassermassen aus der südlichen Hemisphäre beeinflusst wurde. Diese Ergebnisse verdeutlichen die enge Verbindung zwischen den Regionen der hohen südlichen Breiten und den tropischen Gewässern.
Der Indonesische Durchfluss ist eine entscheidende Wasserstraße, die den Pazifischen Ozean mit dem Indischen Ozean verbindet. Er spielt eine wesentliche Rolle in der globalen Ozeanzirkulation, indem er pro Sekunde etwa 15 Millionen Kubikmeter Wasser transportiert. Zuvor wurde angenommen, dass der ITF vorwiegend Wasser aus dem Nordpazifik bezieht. Trotz der bekannten Bedeutung des ITF für die Ozeanzirkulation und das globale Klima war der Ursprung der Wassermassen, die über die Jahrtausende zur Bildung des ITF beitrugen, weitgehend unerforscht.
Um diese Wissenslücke zu schließen, untersuchte das Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Markus Kienast von der Dalhousie University (Kanada) Stickstoffisotope (δ15N) in einem Sedimentkern aus der Bandasee, die im Zentrum des ITF liegt. Dr. Martina Hollstein, eine der Autorinnen der Studie, erläutert, dass sich die Isotopenzusammensetzungen des Nitrats in den Wassermassen der nördlichen und südlichen Hemisphäre signifikant unterscheiden. Durch die Analyse der δ15N-Isotope im Sedimentkern konnte das Team den historisch variierenden Beitrag der Wassermassen aus beiden Hemisphären zum ITF nachweisen.
Die Ergebnisse zeigen, dass Wassermassen aus der südlichen Hemisphäre über die letzten 800.000 Jahre einen viel größeren Beitrag zum ITF geleistet haben als bisher angenommen. PD Dr. Mahyar Mohtadi, ebenfalls Mitautor der Studie, hebt hervor, dass diese Erkenntnis einen wichtigen Mechanismus aufzeigt, durch den Klimasignale aus dem südlichen Pazifik in die Gewässer Indonesiens gelangen und von dort aus in den Indischen Ozean und den Atlantik weiterverbreitet werden.
Zusätzlich wird im Rahmen des Exzellenzclusters „Der Ozeanboden – unerforschte Schnittstelle der Erde“, der am MARUM und am Institut für Chemie und Biologie des Meeres der Universität Oldenburg angesiedelt ist, die Dynamik des Elementtransportes durch die Wassersäule und zum Ozeanboden weiter untersucht. Ziel ist es, die Bilanz dieser Elemente unter den gegenwärtigen und vergangenen Bedingungen des Erdsystems zu bewerten.
Das MARUM spielt eine zentrale Rolle in der wissenschaftlichen Erforschung der Ozeane und des Meeresbodens, die durch Wechselwirkungen von geologischen, physikalischen, biologischen und chemischen Prozessen das gesamte Erdsystem beeinflussen. Diese Dynamik hat weitreichende Auswirkungen auf das Klima, den globalen Kohlenstoffkreislauf und die Entstehung einzigartiger biologischer Systeme. Das MARUM engagiert sich für grundlagenorientierte Forschung, die der Gesellschaft zugutekommt und die Meeresumwelt schützt, und verfolgt die Ziele der Nachhaltigkeit gemäß den Vorgaben der Vereinten Nationen.
Die Wissenschaftler des MARUM arbeiten daran, ihre Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dies geschieht nicht nur durch die Publikation von qualitätsgeprüften Daten, sondern auch durch den Dialog mit der Gesellschaft, in dem sie Wissen über die Meeresumwelt bereitstellen und Handlungsempfehlungen geben.
Die neuesten Erkenntnisse über den Indonesischen Durchfluss und den Einfluss der südlichen Hemisphäre sind von großer Bedeutung für das Verständnis der globalen Ozeanzirkulation und der Klimadynamik. Diese Forschung zeigt, wie wichtig es ist, die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Ozeanen und den Einfluss von Klimaveränderungen auf Wasserströme zu erkennen. Wissenschaftler und Interessierte können sich über die Entwicklungen in diesem Bereich weiter informieren und die Veröffentlichungen des MARUM verfolgen.





















































